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d-frag.de :: Gespräch mit Jason Michael Paul

Gespräch mit Jason Michael Paul

von mo · 7. November 05 ·

Jason Michael PaulJason Michael Paul war Initiator der ersten Spielemusikkonzerte in den USA. Ganz im Vorbeigehen hat er Konzerte auf der ganzen Welt für Luciano Pavarotti und die Drei Tenöre produziert. Nächstes Jahr geht er mit einer Konzertreihe namens PLAY! auf Welttournee, die einem breiten Publikum Klassiker der Spielemusik präsentieren möchte und die in Nordamerika beginnt. Erstaunlicherweise stand er uns unwürdigen Gesellen Rede und Antwort.

The original interview in English is available here.

d-frag: Herr Paul, Sie haben bereits mit bekannten Operngrößen zusammengearbeitet. Warum befassen Sie sich daneben mit Musik aus Videospielen? Was fasziniert Sie daran?

J.M.P.: Ich hatte schon mit der Videospielindustrie zu tun, bevor ich begonnen habe, an Orchester-Veranstaltungen und Konzerten mit bekannten Operngrößen zu arbeiten und sie zu präsentieren. Ursprünglich habe ich als Produktionsassistent in der Videospielindustrie angefangen und mich zum Associate Producer und Produzenten hochgearbeitet, während ich in San Francisco am Industrial Entertainment von Kunden wie SCEA, Sun Microsystems oder Adidas gearbeitet habe.

Final Fantasy Konzert. (C) 2004 Karen Miller. All Rights Reserved.Zuerst habe ich die Idee erwogen, ein Musikkonzert mit Final Fantasy zu präsentieren. Eins führte zum anderen, und was als einmalige Veranstaltung begann, löste eine musikalische Revolution aus. Der einzige Zweck war und ist, Akzeptanz für die Kunstform der Videospielemusik zu schaffen. Ich wünschte, ich könnte einige der Briefe zeigen, die ich erhalten habe; von den erfreuten Fans, von denen einige nie zuvor Uematsus atemberaubende Musik gehört haben bis hin zu den Fans, die quer über den ganzen Globus gereist sind, um Uematsus Musik zu hören. Die Kraft der Musik, Menschen zusammenzubringen, ist eine Sache, an der ich liebend gerne beteiligt bin. Das kann Videospielemusik leisten. Generationen zusammenbringen.

d-frag: Wie entstand die Idee einer Welttournee für sinfonische Spielemusik?

J.M.P.: Ich habe eine neue Konzertreihe geplant und dachte über so eine Reihe nach, während ich die US-Tournee von Dear Friends – Music from Final Fantasy machte. Der Zeitpunkt war perfekt, um mit Thomas Böcker zusammenzuarbeiten, den ich sehr schätze, und vom Timing her war es nach dem Erfolg von Dear Friends nur natürlich.

d-frag: Musik in Videospielen ist interaktiv. Ein Sinfoniekonzert ist es nicht. Auf was muss man also achten, wenn man diese Art von Musik aufführt?

Final Fantasy Konzert. (C) 2004 Karen Miller. All Rights Reserved.J.M.P.: Für das Konzert konzentrieren wir uns auf besonders einprägsame Musik wie Titelthemen, Creditsmusik und so weiter. Natürlich können wir auf der Bühne keine interaktive Musik aufführen, aber wir können die Musik und Videos auswählen, die unser Publikum unterhalten. In Medleys präsentieren wir eine sehr kompakte Version der Spielerfahrung, an die sich viele Fans erinnern werden. Allerdings glaube ich, dass die bloße Schönheit der Arrangements eine sehr erfreuliche Erfahrung für alle schaffen wird, selbst dann, wenn man ein bestimmtes Spiel nie gespielt hat. Ich glaube, die Interaktivität wird dadurch geschaffen, dass man im Publikum sitzt und angeregt von der Musik und den Spielen mit anderen Fans genauso interagiert wie die Menschen, die auf der Bühne spielen.

d-frag: Ein Livekonzert ist nicht unbedingt das Medium, für das diese Musik komponiert wurde. Wie finden die Komponisten eigentlich solche Spielemusikkonzerte?

J.M.P.: Es hängt immer davon ab, wie ein Konzert veranstaltet wird, daher kann ich nicht für alle sprechen. Von Thomas Böcker weiß ich, dass die Konzerte in Leipzig eine große Begeisterung bei den Komponisten hervorgerufen haben. Ihre Reaktionen reichen vom »wundervollen Konzert« bis zur »besten Erfahrung meines Lebens«. Über Nobuo Uematsus Reaktion auf Dear Friends kann ich das gleiche berichten.

Viele der Komponisten, mit denen wir arbeiten, sind um die 35 Jahre alt. Wie viele Komponisten dieses Alters haben schon die Möglichkeit, ihre Musik live aufgeführt von Weltklasse-Orchestern und -Chören hören zu können? Das ist etwas sehr, sehr Besonderes.

d-frag: Während der PLAY!-Konzerte wird die Musik von Spielszenen auf Großleinwänden begleitet. Lenkt das Zuhörer nicht viel zu sehr von der Musik ab?

Final Fantasy Konzert. (C) 2005 Steven Jennings / WIREIMAGE. All Rights Reserved.J.M.P.: Das glaube ich nicht. Unsere Videos werden wichtige Momente der Musik hervorheben und ergänzen. Darauf beschränken wir uns aber nicht. Wir werden das Orchester auf den Großleinwänden zeigen, wie es die Musik spielt, um diese Musiker herauszustellen. So können wir uns auch auf gewisse Soloinstrumente konzentrieren, um sie unserem Publikum zu zeigen. Ich glaube, es wird für die Fans sehr spannend sein, wenn sie sehen, wie ihre Lieblingsmusik durch diese Instrumente überhaupt kreiert wird. Viele der Anwesenden besuchen ein Orchesterkonzert zum ersten Mal in ihrem Leben. Sie kennen die Musik nur aus Spielen oder von Soundtrack-CDs. Also bieten wir sogar noch eine Art erzieherischen Prozess, während wir gleichzeitig höchst unterhaltsam sind.

d-frag: Was erhoffen Sie sich persönlich von den PLAY!-Konzerten? Außer Milliardär zu werden natürlich. :)

J.M.P.: Einfach: meine Hoffnung ist, diese wunderschöne Musik der ganze Welt nahe zu bringen, zu Menschen, die meine Liebe zu diesen Kompositionen teilen!

d-frag: Mein Onkel hört Beethoven und Brahms, findet Videospiele aber doof. Wie bringe ich ihn dazu, sich PLAY! anzuhören?

J.M.P.: Ich überzeuge jeden Tag Leute von dieser Musik. Liebhaber klassischer Musik können oft nicht anders, als unsere Arbeit zu lieben. Es liegt alles an der Präsentation. Ich bleibe bei dem Plan, das Genre langsam in kleinen, beständigen Schritten zu entwickeln. Ich arbeite mit angesehenen Orchestern, um die Musik zu legitimieren und die Barrieren abzubauen, um die Akzeptanz der Videospielemusik als eine akzeptierte musikalische Form zu vergrößern. Der Schwerpunkt unserer Tournee liegt ausschließlich auf der Musik, den Herausgebern und den Schöpfern der Musik – und natürlich auf den Fans.

Ich glaube, Ihr Onkel wäre überrascht! Ich kann sagen, dass er ein neuer Fan werden würde, genau wie die Millionen Anderer, die wir mit unserer Konzertreihe erreichen wollen.

d-frag: Was war ihr bisher schönster Musikmoment, bezogen auf Spielemusik?

Final Fantasy Konzert. (C) 2005 Brian Kersey. All Rights Reserved.J.M.P.: Einer der denkwürdigsten Momente war das Zusammensein mit einer Familie von Fans, die für eine Show von Florida nach Kalifornien gereist ist. In diesem Moment habe ich wirklich gefühlt, dass ich erreicht habe, was ich erreichen wollte. Die Möglichkeit, mit einer Familie von Fans der Musik aus Final Fantasy sprechen zu können – oder Fans von Videospielemusik im Allgemeinen – hat mir gezeigt, dass Musik alle Altersgruppen anspricht. Der Vater war 55 und die Ehefrau 50, die Söhne waren 24, 18 und 10, die Tochter 12. Und das war nicht alles. Die Familie hatte auch ihre Großeltern mitgebracht. Also waren da eine 78 Jahre alte Oma mit einem 80 Jahre alten Opa. Wirklich erstaunlich! Manchmal sehe ich Fans in den Straßen von Los Angeles oder San Francisco mit einem T-Shirt der Tournee. Das ist die größte Belohnung!

d-frag: Letzte Frage: Wann besucht PLAY! Europa?

J.M.P.: Wir werden die Tournee im Frühjahr 2006 beginnen. Wir prüfen derzeit gerade Termine und Orchester. Grundsätzlich haben wir Verkaufsinformationen, nach denen wir uns orientieren, doch wir schauen auf das Gesamtbild. Unser Ziel ist, Spielemusik überall dorthin zu bringen, wo es ein Orchester gibt, das imstande ist, die Musik unseren Standards gemäß zu spielen. Wir planen eine Welttournee durch die USA, Europa, Asien, Südamerika, Australien und Neuseeland.

The original interview in English is available here.

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Computerspiele. Videospiele. Spielkultur. Oberfläche.

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