Games Convention und die Zukunft

von chris · 24. August 08 ·

Sackman

Nicht weinen, kleiner Sackman. Vielleicht trennen sich unsere Wege ja gar nicht. Nachdem die Games Convention letzte Woche mit Leichtigkeit die Hürde von zweihunderttausend Besuchern genommen hat, wohlgemerkt die Hürde, die nach Ansicht des Bundesverband Interaktive Unterhaltungssoftware in Leipzig kaum zu nehmen sei, und nachdem sich in Umfragen eine deutliche Mehrheit von Ausstellern, Fachbesuchern und Publikum für eine Games Convention 2009 in Leipzig ausgesprochen hat, wäre es geradezu fahrlässig, wenn die Leipziger Messe nicht weiterhin täte, was sie am Besten kann: Messen zu veranstalten.

Das kann man mit gemischten Gefühlen sehen. Die Ausrichtung von zwei Spielemessen in Deutschland, von denen jede für sich in Anspruch nimmt, die europäische Leitmesse sein zu wollen, kann letztendlich dazu führen, dass keine von beiden ein Erfolg wird. Aber man sollte nicht vergessen, wer an diesem Kindergarten die Schuld trägt. Der BIU, der die zwölf größten Aussteller der Messe vereint und im Alleingang beschlossen hat, die Messe zu verlegen. Ohne Beteiligung der Leipziger, die immerhin das Konzept der Games Convention entwickelt haben. Ohne Beteiligung der kleineren Entwickler im In- und Ausland, die sich, so wohl die Annahme, gefälligst dort einzufinden haben, wo die Großen ihre Show abziehen wollen.

Ob sich der BIU diese Arroganz wirklich leisten kann, steht noch in den Sternen. Tatsache sind allerdings die Rekordbesucherzahlen in dieser Woche, trotz des verminderten Engagements verschiedener BIU-Mitglieder. Microsoft baut den blamabelsten Stand seiner GC-Geschichte auf? Nintendo kommt gleich überhaupt nicht? Damit schadeten beide Firmen in diesem Jahr mehr sich selbst als der GC, was ein interessantes Licht auf die Behauptung des BIU wirft, die Branchenmesse sei natürlich dort, wo die Branche sei. Sollte die Branche nicht vielmehr dort sein, wo das Publikum bereits ist?

LittleBigPlanet

Hundertprozentig sicher scheint man sich seiner GAMESCom jedenfalls weder beim BIU noch bei der koelnmesse zu sein. Da kreist ein Flugzeug mit Werbung für die GAMESCom über dem Leipziger Messegelände, da bekommen Leipziger Hotelgäste Hotels in Köln empfohlen und als Krönung des Ganzen versuchte man bei der Entscheidung für einen Austragungsort der Verleihung des Deutschen Computerspielepreises Leipzig zu erpressen, die Games Convention aufzugeben. Erfolglos, wie wir inzwischen wissen.

Das hätte der BIU durchaus voraussehen können. Die Entscheidung für eine Branchenmesse in Köln sei keine Entscheidung gegen Leipzig, sondern eine Entscheidung für Deutschland, sagte man dort. Vom Leipziger Standpunkt aus gesehen ist es allerdings völlig unerheblich, ob die zukünftige Leitmesse nun in Köln oder in Timbuktu stattfinden soll. Weg wäre weg. Nach den aktuellen Umfrageergebnissen ist eine Fortführung der GC mit aller Kraft im Grunde also die einzig vernünftige Verfahrensweise für die Leipziger Messe. Sie hat nichts zu verlieren, dafür hat der BIU mit seiner Umzugserklärung im Februar gesorgt. Aber sie hat sehr viel zu gewinnen.

HomiSite meint:
Ich hätte ehrlich gesagt nicht erwartet, dass die Leipziger Messe tatsächlichen den totalen Konfrontationskurs einschlagen wird. Dass es die Games Convention in irgend einer Form in 2009+ in Deutschland geben wird, war klar, dazu ist die Marke und die Reputation einfach zu "mächtig".

Köln/BIU waren seit der Umzugsentscheidung, die damals ja einige Zeit schon als Gerücht herumgeisterte, in der Rolle des Buh-Manns, durchaus zurecht. Natürlich kann man am Standort Leipzig einiges bemäkeln, aber so "schlimm" wie immer ausgemahlt ist's offensichtlich nicht; neue Bettenkapazitäten sollen nun geschaffen werden, vielleicht kann Leipzig auch die internationale Anbindung verbessern (die ja mit Flughafen Leipzig/Halle nicht so dolle sein soll).

Mir sind diese beiden Punkte als Besucher relativ egal; als ich noch nicht in der Nähe wohnte, bekamen wir immer Übernachtungsmöglichkeiten. Klar, auch Leipzig ist nicht immer blühende Landschaften, aber who cares.

Das größte Problem ist schlicht die Masse an Menschen; seit Jahren besuchen wir die GC nur noch Do. und Fr. Nur ist es sicher illusorisch anzunehmen, dass man in Köln nicht am Wochenende lange anstehen muss, denn die Aussteller werden kaum massiv ihr Aufgebot an Standfläche und Geräten erhöhen.

Ich frage mich jedoch ernsthaft, was nun folgen wird. Es kann doch nicht ernsthaft sein, dass sich die Aussteller auf zwei Messen zeitlich nahe beieinander aufteilen. Und auf beide Messen werden wohl die wenigsten Aussteller gehen. Da bin ich wirklich gespannt - eine ziemlich "tote" GAMESCom (wie dreist immer noch die gleichen Anfangsbuchstaben sind) würde zwar Schadenfreude hervorrufen, aber wenn dann EA & Co. in Leipzig fehlen, kann auch keinem geholfen sein...
· 25. August 08 · 16:28
cmi meint:
go leipzig, go!
· 25. August 08 · 17:01
cmi meint:
und um das ganze auch noch mit text zu ergänzen:

ich persönlich freue mich über die entscheidung der messe leipzig, es trotz alledem zu versuchen und ich wünsche ihnen alles erdenkliche dafür. leipzig hat die messe (wieder) aufgebaut, ein gutes konzept erstellt und soll nun abgezockt werden, von den großen der branche. man lese sich nur mal die heise-news zur erklärung der kölner durch...

ich persönlich rechne damit, dass frühestens in einem jahr der konflikt entschieden ist. dann ist die frage wer am ende noch steht, oder ob beide blutend zu boden sinken.

bui + messe köln dürften mehr geld haben, für pr etc., aber ich denke die auseinandersetzung seit der entscheidung pro köln hat auch gezeigt, dass "die gamer" hier durchaus gespalten sind und nicht sagen "next!". im gegenteil, viele sind durchaus der meinung das hier mit fragwürdigen argumenten ideenklau betrieben wird - diesen gegenwind, der immerhin von der basis (also dem zielpublikum kommt) darf man nicht unterschätzen.

wobei die frage ist, ob das auch nächstes jahr noch relevant ist, oder ob nicht doch jeder zur messe mit den hype-titeln pilgert. das dürfte dann die gamescom sein.
· 25. August 08 · 17:10
morsy meint:
Ich hoffe meine pessimistische Ader schlägt wieder zu stark durch und es wird gar nicht so schlimm, aber ich könnte mir vorstellen, dass nach dem ganzen Austragungswettstreit auf Kindergartenniveau beide Messen nächstes Jahr floppen.
· 25. August 08 · 23:17
chris [d-frag.de] meint:
Durchaus möglich. So oder so ist der Messewettstreit spannender als sämtliche Spielevorankündigungen von E3 und GC 2008 zusammengenommen. :)

Gerade WEIL das tatsächliche Austragen beider Messen ziemlich sicher in einem Flop beider enden würde, hoffe ich allerdings immer noch, dass gar nicht beide stattfinden. Nach der Leipziger Messe ist nun wieder der BIU am Zug (den Zwischenzug der koelnmesse mit der Vorstellung ihres "fertigen Konzeptes" der gamescom, das wohl so schnell fertig war, weil es eine exakte Kopie des Leipziger Erfolgsrezeptes ist, lasse ich nicht gelten). Im Gegensatz zur Leipziger Messe hat der BIU allerdings richtig viel zu verlieren: seine "Leitmesse" in Deutschland. Gerade deshalb setzt der BIU die Leipziger ja bereits seit Februar unter Druck, um zu verhindern, dass die GC 2009 überhaupt stattfindet. Nicht, weil die GC 2009 wirklich ein Erfolg werden könnte. Kann sie ohne die Großen der Branche eigentlich nicht. Aber weil sie dafür sorgen kann, dass auch die Kölner Messe kein Erfolg wird. Und der BIU ist die einzige Partei in diesem Spiel, der das wirklich schaden würde.

Das hat man in Leipzig klug erkannt und die Pistole, die man vom BIU auf die Brust gesetzt bekam, einfach umgedreht.

Wäre man sich beim BIU seiner Messe in Köln völlig sicher, hätte man auf die vorhersehbare Ankündigung der GC 2009 direkt antworten können, dass man voll hinter Köln stehe. Passiert ist das nicht! Die für Köln sicherlich schockierende Antwort war, dass man beim BIU in der kommenden Woche diese Wendung der Ereignisse erst einmal in Ruhe besprechen will.
· 26. August 08 · 09:24
chris [d-frag.de] meint:
Ergänzung: Was die Kölner Messe jetzt braucht, ist tatsächlich die Absichtserklärung von jedem einzelnen BIU-Mitglied, nächstes Jahr auf die gamescom und nicht zur GC zu kommen. Die Leipziger bauen ja im Grunde darauf, dass das nicht passieren wird und einzelne BIU-Mitglieder ausscheren werden. Wir werden sehen.
· 26. August 08 · 09:31
jello meint:
Sollte der BIU seine Mitglieder wirklich "erpressen", zur GamesCom zu erscheinen [bzw. das rauskommen], würde das dem Image des Verbandes noch mehr schaden, als ihnen lieb sein kann. Davon sollten sie also echt absehen, wenn deutschland als Computerspielemesse-Standort von Bedeutung bleiben soll... egal, welche Messe am Ende "gewinnt". Mit solchen Methoden ist keiner von beiden geholfen.

Dass die Leipziger Messe ihren Erfolg, den sie mit der GC hatte und hat, nicht einfach so hergeben wird, war egtl. auch klar. Das große Problem für 2009 ist aber echt, dass EA & Co. wohl kaum in Leipzig dabei sein werden - und Entwickler, die von den Publishern abhängig sind, werden's auch kaum sein. Den Schwund an Ausstellern muss man nat. irgendwie abfangen - sofern es überhaupt mgl. ist. Das Ergebnis wird wohl eine kleinere GC werden... Hoffen wir das Beste. Sowohl für die [echte] GC als auch d'land als Messestandort - ansonsten könnte man die "europäische Leitmesse" gleich nach England oder Frankreich oder auch weiter in den Osten abschieben [letzteres ist nicht als Beleidigung zu verstehen: eine solche Messe in Warschau oder Prag hätte sicher auch was - mglw. sogar Erfolg].
· 26. August 08 · 12:25
Jolly-Roger meint:
Leute,

auch wenn das bitter ist, die Welt ist nun mal so und zumindest im nächsten Jahr wird die Leithammelmesse in Köln sein. Auch wenn die Messe in Leipzig tolle Aufbauarbeit geleistet hat, was dieser arrogante Geschäftsführer der Messe Köln in einem Interview "fabulierte" ("Wir danken der Messe Leipzig für Ihre tolle ..."); einer meiner Verwandten, nicht ich ;-) meinte dazu spontan "... ja, ja, du Arschloch ... red Du nur"; der Verband hat der Messe Leipzig den Boden unter den Füßen gezogen und wenn ich ins amerikanische/englische Ausland sehe, dann sind mehrere Messen in einem Jahr nebeneinader nicht wirklich erfolgreich.

Ich werde, da ich im Ruhrgebiet wohne, mir die Messe im nächsten Jahr einmal wieder ansehen, da mir auch mittlerweile als Familienvater Leipzig einfach zu weit weg ist (und ich versichere hier, dass ich mich insgesamt 2x bereits nach Leipzig aufgemacht hatte und ich auch nicht in einem Zelt habe schlafen müssen); vorausgesetzt ich komm da als normaler Besucher auch rein; bei so einem Verband weiß man ja nie!

Dem Verband könnten die interessierten Gamer nur durch ein Wegbleiben einen Denkzettel erteilen, aber das wird nicht passieren und seien wir doch mal realistisch, die Großen der Branche, die Ihren Sitz in der Nähe von Köln haben werden sagen, dass Leipzig super war, aber insgeheim freuen sie sich, dass Köln um die Ecke ist.

Und noch etwas am Rande, wenn wirklich der Drops gelutscht ist und es wird ein Flop und es gibt gar keine Messe mehr, ist das wirklich schlimm, nee eigentlich nicht!
· 28. August 08 · 07:45
m.a. meint:
Ich verstehe zwar die Romantisierung von Leipzig (der Mensch ist halt ein Gewohnheitstier), und natürlich ist es für die Messe Leipzig schade, wenn sie die Messe, die sie hochgezogen haben nicht, oder nicht mehr vollständig haben. Aber ich muss mal als egomanische Sacknase einfach Stellung nehmen und sagen: Köln ist mir lieber als Leipzig, denn Leipzig ist von der Distanz her für mich so gut wie Las Vegas: unerreichbar. Köln kann ich von der Distanz, den Kosten und dem Aufwand her irgendwie noch verknusen, aber Leipzig war für mich immer genauso wie ne Marsmission - klingt gut, aber irgendwie momentan nicht machbar.

Noch lieber wäre mir Frankfurt gewesen, und ich muss gestehen, dass ich ein paar Kunden bei der MFA drauf angesprochen habe, ob sie sich nicht die Messe schnappen wollen, aber die haben mit ihrem eigenen Kram wohl schon genug zu tun. Dabei wäre Frankfurt nun wirklich die optimale Stadt gewesen...
· 28. August 08 · 21:36
Ancro meint:
Meiner Meinung nach besteht der BIU nur aus Schweinen.
Lest euch diesen Artikel mal durch. Bei dieser Arroganz könnte ich kotzen! Warum sollen die Leipziger diesen Messeklau respektieren?

So eine Frechheit!
· 31. August 08 · 16:37
nilz meint:
ich seh die ganze geschichte auch mit bauchschmerzen. klar, ich als kölsche jung freu mich auf die messe zu hause, aber die leipziger waren wirklich immer super korrekt, haben alles mögliche möglich gemacht und sich immer gefreut, wenn wieder die beklopppten zocker in die stadt eingefallen sind, weil es für die stadt eben ein totaler gewinn war. kulturell als auch finanziell. und das das denen jetzt wegbricht ist für die stadt superbitter. ich hab die ja auch ins herz geschlossen und mich immer drauf gefreut...

ABER....

sehen wir es doch mal so: vor 2 jahren hatte man 170.000 besucher, das jahr danach dann 180.000 oder 185.000, weiss ich nicht mehr so genau. auf jeden fall stagnierte die besucherzahl. und dann haben die plötzlich in einem jahr, wo sogar ein wichtiger publisher fehlt (nintendo) und wo es ausser ein paar softwareperlen sonst keine revolutionäre neuigkeit gibt, die 200.000er marke gebrochen? und das kommt euch nicht komisch vor? ich bin kein verschwörungstyp, wirklich nicht. ich glaube nur das hier aus versehen für jeden zweiten besucher zweimal geklickt wurde, oder so. ausgerechnet in dem jahr, in dem es um alles geht, in dem es zum letzten mal sein soll, schaffen sie was sie vorher nicht geschafft haben? da muss ich sagen, das finde ich dann von der messe leipzig auch sehr unsouverän. es war am tag vor der gc klar, das sie dieses jahr zufällig den rekord brechen. und ich war ja alle tage da. und es sah nicht wirklich voller aus als die jahre zuvor. hmmmm...klassische patt-situation.
· 7. September 08 · 19:05
chris [d-frag.de] meint:
Nintendo war noch nie ein Grund, auf die GC zu fahren, jedenfalls nicht für die Nicht-Fachbesucher. Deren Stand war in den letzten drei Jahren schon mickrig.

Dass die 200.000er-Grenze dieses Jahr gesprengt wurde, liegt wohl mehr daran, dass es eben tatsächlich die letzte Gelegenheit war, die Games Convention hier in Leipzig zu erleben. Köln wird anders sein.
· 8. September 08 · 14:31
MasteRehm meint:
Mir ist ja der Standort Köln lieber, da näher. Aber wie das Ganze abgelaufen ist bzw. gerade abläuft: Ähm, spinnen die?
· 16. September 08 · 05:36

Kommentare sind für diesen Beitrag geschlossen.

Computerspiele. Videospiele. Spielkultur. Oberfläche.

Inhalt

Design auswählen

Suchen

Blog abonnieren