Legend - Hand of God

von chris · 29. November 07 ·

Legend - Hand of GodWieder einmal sind Dämonen über eine unschuldige Welt hergefallen. Wieder einmal kamen sie durch ein gerade offen in der Gegend herumstehendes Höllentor. Und wieder einmal bedarf es eines mutigen Helden, um sie zurückzuschlagen. Der Held heißt dieses Mal Targon, die Welt Aris und der mit Cosma Shiva Hagens Stimme sprechende Mauszeiger hört auf den Namen Luna. Legend – The Hand of God scheint direkt einem Fantasywelten-Generator entsprungen.

Gekauft habe ich es noch vor dem Erscheinen von The Witcher, Mask of the Betrayer und Hellgate: London. Aus purer Lust auf ein Action-Rollenspiel. »So schlimm kann es nicht sein«, habe ich mir gedacht. War es auch nicht. Am ersten Abend hatte ich immerhin gute drei Stunden Spaß damit. Danach rührte ich das Spiel mehrere Tage nicht an, irgendwann erschienen die drei oben genannten Spiele und ich habe Legend völlig vergessen, bis ich jetzt beim Aufräumen darauf gestoßen bin. Die Motivation, die Klonwelt Aris weiter zu erforschen, fehlt mir allerdings.

Dabei macht Legend gar nicht so dramatisch viel falsch. Das Spielprinzip ist ebenso wie das Interface handwerklich solide aus den altbekannten Klassikern zusammengeklaut. Die Bedienung geht gut von der Hand, die Grafik ist hübsch, die Musik gefällt mir und auch die Soundeffekte sind gelungen – insbesondere das Geräusch, wenn mein riesiger, selbst mit zwei Händen kaum zu haltender Hammer mit dem Kiefer eines Gegners krachend Bekanntschaft schließt. Gut, das Kampfsystem ist sicher eine Spur zu simpel ausgefallen. Man kann sich seinen Helden nicht selbst zusammenbauen, denn Targon ist für alle da. Und auf einen Multiplayermodus muss man ebenso verzichten.

Das Hauptproblem des Spiels ist aber, dass es so wenig Eigenes mitbringt. Erwähnenswert sind nur die Lichtelfe Luna und das sogenannte »Cinematic Combat System«. Letzteres bedeutet vor allem, dass Kampfanimationen nicht immer gleich aussehen, sondern entsprechend der Gegner, gegen die man kämpft, variieren. Dass Targon einen drei Meter großen Troll anders bearbeitet als einen Goblin-Schamanen, ist zwar hübsch anzusehen, aber spielerisch nicht relevant. Wenn man sich wenigstens entscheiden könnte, ob man dem Troll auf den Fuß haut oder lieber weiter oben ansetzt. Das hätte das ansonsten recht abwechslungsarme Kampfsystem doch deutlich aufgefrischt.

Bleibt Luna, die auf der Packungsrückseite folgendermaßen beworben wird: »Die Lichtelfe ist ihr Begleiter und Mentor sowie ein dynamisches Beleuchtungssystem.« Beeindruckend, wie trocken man eine hervorragende Idee umschreiben kann. Die Elfe ist euer Mauszeiger und spendet Licht in dunklen Stunden. Gerade in Dungeons finde ich es ausgesprochen stimmungsvoll, mit dem Mauszeiger meinem Helden den Weg weisen und dunkle Ecken ausleuchten zu können. Luna erklärt im Tutorial die Spielfunktionen und quatscht auch sonst ziemlich viel mit Targon. Scherzt mit ihm, macht ihm Komplimente, gibt Ausrüstungstipps. Schade nur, dass sich manche Bemerkungen, speziell hinsichtlich der Ausrüstung, schnell zu wiederholen scheinen. Mit Cosma Shiva Hagen, der Stimme hinter der Elfe, wurde ich auch nicht richtig warm. Schön ist zwar, dass Targons Sprecher und sie offenbar die kompletten Dialoge kannten, denn auffällige, am Wortsinn vorbeigehende Fehlbetonungen, wie wir sie in anderen Spiele oft erleben, gibt es in Legend praktisch nicht. Aber die penetrant überkorrekte Aussprache und betonte Kindlichkeit in Frau Hagens Stimme gingen mir schnell auf den Senkel. Die Dame ist sechsundzwanzig Jahre alt und klingt, als wäre sie zwölf.

Ob ich Legend noch weiter oder gar bis zum Ende spielen werden? Ich bezweifle es. Die Alternativen sind diesen Winter einfach zu reizvoll. Trotzdem habe ich deshalb beinahe ein schlechtes Gewissen. Das Spiel ist technisch sauber ausgeführt und enthält so wenige Bugs, dass sich die Konkurrenz ein Beispiel nehmen sollte. Und man muss ihm zugestehen: Es hat Charme. Im Vergleich zu Restricted Area, dem vorhergehenden Spiel von Master Creating, ist es ein großer Sprung nach vorne. So wünscht man Legend schon deshalb zumindest einen Achtungserfolg, weil man in ein paar Jahren das Nachfolgespiel sehen möchte. Dann hoffentlich mit etwas mehr Mut zur Eigenständigkeit, zu den eigenen Ideen. Das würde es vor Legends Hauptproblem dann möglicherweise bewahren: schön, aber im Grunde belanglos zu sein.

Micha meint:
Wenn du es net willst, ich nehm es gerne *g. Irgendwie ist es nicht reizvoll genug, es im Laden zu kaufen (angesichts der anderen Spiele), aber ich finds schade drum und würd es eigentlich gerne ausprobieren :D
· 29. November 07 · 10:24
chris [d-frag.de] meint:
Zum Ausprobieren würde sich die Demo anbieten. Wenn du es danach haben willst: Können wir drüber reden.
· 29. November 07 · 12:10
Kreon meint:
»Die Lichtelfe ist ihr Begleiter und Mentor sowie ein dynamisches Beleuchtungssystem.«? Mauszeiger?

Bin nur ich es oder gibt es noch andere die gerade eine piepsige Stimme in seinen Ohren wiederhallen lässt die ein altbekanntes "HEY! Listen!" vernimmt?
· 29. November 07 · 15:55
chris [d-frag.de] meint:
Ich hör da nichts. Ist die Idee etwa auch von woanders "geliehen"? :)
· 29. November 07 · 16:08
HomiSite meint:
"Restricted Area" lag der letzten GameStar oder so als VV bei und obwohl ich eigentlich auf keine Diablo-Spiele stehe, hatte ich es mal installiert (weil deutsches Spielchen und Cyberpunk):

Grafik nicht dolle a.k.a. hoffnungslos veraltet (kann ich mit leben), wenig Abwechslung und die Wüstengebiete potthässlich. Animationen sparsam (2D-Sprites), wenig aktive Skills (eigentlich hatte ich keinen, als ich das Game deinstallierte) und hakelige Laufwege.

Aber zu Beginn griff das Diablo-Prinzip, auch weil das Game eben ein recht unverbrauchtes Setting hatte und es Spaß machte, mit verschiedenen Cyber-Gliedmaßen herumzubasteln. Aber die Aufträge wurden bald eintönig, dann bekam ich den Flammenwerfer, mit dem man durch Wände schießen kann. Super, wenn die Gegner-KI nicht existent ist und fast immer den direkten Weg zum Spieler geht, auch wenn 'ne Wand dazwischen ist...

Runtergeflogen ist das Game als ich zusammen mit einem NPC fighten musste, der natürlich überleben muss. Hier rächte sich die unsagbar hakelige Kollisionsabfrage und erwähnte KI. Immer musste ich warten, dass die Partnerin den Weg durch die Tür schafft - und schließlich wurde sie von Gegnern eingekreist. Deinstall.

Jetzt habe ich von der GS "Dragonshard" installiert, aber habe nach dem Tutorial schon irgendwie keine Lust mehr (wirkt wie ein bemühter WC3-Klon) - obwohl ich grundsätzlich Battle Realms mochte (das ich wegen der wirren Einheiten nicht durchspielte).

Vielleicht versuche ich eine ältere GS-VV, nämlich das deutsche Rundenstrategiespiel "RIM" zuende zu spielen. Oder das schöne, gar nicht so Diablo-artige Rollenspiel "Divine Divinity" (kurz vorm Endboss, bei einem überharten Zwischenboss)...
· 29. November 07 · 17:33
Knurrunkulus meint:
@homisite:

Auf welcher GS-DVD ist denn bitte "Dragonshard" als VV zu finden?
· 29. November 07 · 17:55
fs meint:
Einen NPC als Cursor gab's auch schon bei dem genialen Anachronox, auch ohne "hey" :)
· 29. November 07 · 18:51
HomiSite meint:
@Knurrunkulus: Sorry, war noch GS, sondern PC Action 12/07 (hab die als Zugabe bekommen, weil mein PCPP-Abo in ein PCG-Abo umgewandelt wurde - lesen/kaufen tue ich das Blatt nicht! :-).

@fs: Stimmt, in Anachronox wird der Mauscursor in der Tat als NPC erklärt! Passt eher als Navi aus Zelda ("Listen..."). Bei Restricted Area war der Cursor zwar nur ein Cursor, fungierte aber auch schon als eine Art Lampe.
· 29. November 07 · 19:16
chris [d-frag.de] meint:
Bei Restricted Area war der Cursor zwar nur ein Cursor, fungierte aber auch schon als eine Art Lampe.

Na super. Diesmal kann die Lampe reden und im nächsten Spiel steuert sie dann auch noch selbst. :)
· 29. November 07 · 19:26
Kreon meint:
http://youtube.com/watch?v=EG6QN-FtNxs

HELLO! HEY!
· 29. November 07 · 19:41
chris [d-frag.de] meint:
Faszinierend. Sieht echt genauso aus.

Jetzt stell dir statt dem HELLO! die Stimme von CS Hagen vor. Und dass das Leuchtedingens dein Mauszeiger ist. Zack! Legend.
· 29. November 07 · 20:13
HomiSite meint:
Sorry für Spam, aber:

Nach Counter-Strike 1.6 und Counter-Strike Source kommt jetzt... CS Hagen! Mit geilen Lichteffekten!
· 29. November 07 · 22:22
Micha meint:
Och, optisch hab ich nix gegen Frau Hagen. Aber muss zustimmen, das mir die Stimme auch zu stark auf kindlich getrimmt ist.

Die Demo war übrigens so langweilig, das ich kein Interesse an der Vollversion habe, Chris. Musst drauf sitzen bleiben. Entweder bin ich für das Diablo-Prinzip aus Iso-Perspektive ein verlorenes Kind, weil alle Energie die ein Mensch dafür aufwenden kann, bei mir in Teil 1&2 geflossen ist, oder ich weiß auch net. Vom CCS hatte ich mir jedenfalls vieeel mehr versprochen *seufz*.
· 30. November 07 · 00:07
chris [d-frag.de] meint:
@Micha: Er haut halt nach unten oder nach oben. Was hast du erwartet? :)

@HomiSite: Äh. Erklär das mal.
· 30. November 07 · 00:08
HomiSite meint:
Gibt's nix zu erklären... Ich fand nur die Abkürzung "CS Hagen" witzig, da ich dabei an Counter-Strike ("CS") denken musste - mehr nicht (Lichteffekte-Kommentar wegen des Mauszeigers).
· 30. November 07 · 14:16
HomiSite meint:
(Mh, kann ein Admin mal im Posting oben meine eMail-Adresse killen? Thx!)
· 30. November 07 · 20:28
ShooterHonk meint:
Irgendwie kann ich mit den ganzen Action-RPGs sowieso schon nicht sonderlich viel anfangen. Wenns dann auch noch so generisch daher kommt wie Legend...nöö, lieber nicht.
· 1. Dezember 07 · 00:25
chris [d-frag.de] meint:
@HomiSite: Passiert. Tut mir leid, hätte ich gleich machen sollen. Hab mir schon gedacht, dass das kaum so beabsichtigt sein kann.

@Christian: Jaaaa, irgendwie schon. Andererseits kann ich als jemand, der selbst hauptberuflich "Kunst macht", sowas auch nicht völlig verreißen. Klar ist es generisch. Aber man merkt dem Spiel schon an, dass eine Menge Herzblut darin steckt. Schwierig.

· 1. Dezember 07 · 00:37
Micha meint:
@Chris: Zum CSS: Naja, keine Ahnung, ich hatte halt mehr ... ich weiß nicht ... Abwechslung erwartet. Milliarden von Animationen. Am Anfang fand ich das ja auch toll, als ich dem ersten Zombie im zerstören Kloster erst den linken Arm abgeschlagen habe, dann den rechten, und mein Charakter dann das Schwert zweimal schnell kreuz- und quer über seine Brust zog und ihn damit niederstreckte. War gradezu begeistert. Leider war das in der gesamten Demo die einzige kreative Animation *g.

Mag auch daran liegen, das ich in der Demo nix gefunden habe, was wirklich andere Größenverhältnisse hat. Raben hat er einfach genauso totgehauen wie Wölfe, wie Goblins aller Arten oder Orks. Es gab da für mich optisch quasi kaum Unterschiede zu erkennen und auch keine tollen Animationen mehr, eben nix wirklich "Cinematiges".
· 1. Dezember 07 · 02:55
Kreon meint:
Naja, das Genre gewinnt ja ihren Reiz auch aus seiner generischen Veranlagung.
Man muss sich einfach zwei fragen stellen:
1) mochte ich Diablo 1+2?
2) Mag ich immernoch Diablo 1+2?

Für mich persönlich ist das Genre erstmal auf lange lange zeit gesättigt weil ich mich an Diablo 2 überfressen habe (und dabei noch nichtmal einen Nightmare Charakter hatte), genauso wie MMOs aber man weiß ja nie wann das nächste Spiel auftaucht das alles umwirft.
· 1. Dezember 07 · 04:15
chris [d-frag.de] meint:
Ich werte es einfach mal als Zeichen charakterlicher Weiterentwicklung, dass wir nicht immer wieder auf die gleichen Suchtfallen hereinfallen. :)
· 1. Dezember 07 · 10:25
Micha meint:
Aber ich spiel doch Hellgate ^^
· 1. Dezember 07 · 12:27
chris [d-frag.de] meint:
Du bistn Sonderfall. Du hast ja auch Illidan down. :)

Bei mir liegt Hellgate ja schon wieder in der Ecke. Hab nicht mal das Ende der Kampagne gesehen.
· 1. Dezember 07 · 12:31
HomiSite meint:
Ist Diablo 2 denn vom Komfort etc. heutzutage immer noch problemlos spielbar, gab es also kaum Weiterentwicklungen in den fast 7 Jahren?

Wie in der aktuellen GameStar jemand meinte: Action-RPGs sind ein Genre, das man ohne größere kreative und handwerkliche Anstrengungen beackern kann.
· 1. Dezember 07 · 13:36
Ben meint:
"Ist Diablo 2 denn vom Komfort etc. heutzutage immer noch problemlos spielbar, gab es also kaum Weiterentwicklungen in den fast 7 Jahren?"

Ja, Diablo 2 ist immer noch hervorragend spielbar, sofern einen die niedrig aufgelöste 2D-Grafik nicht prinzipiell abschreckt. Das einzige was mir wirklich negativ auffällt ist der simple Multiplayerpart (ohne Gilden, Handelshäuser...) , der im Vergleich zu heutigen MMOs doch etwas arg provinziell wirkt. Aber im Prinzip funktioniert das Spiel noch immer: Schneller Einstieg, schnelle Erfolge, und genug Verteifungsmöglichkeiten.

Und ja, in den letzten 7 Jahren ist im Genre so gut wie gar nichts passiert, es sei denn man möchte WoW (und die anderen MMOs) als quasi-Nachfolger der Action-RPGs betrachten, aber darüber lässt sich sicher streiten. Eines der Probleme ist sicher, dass Blizzard einen enorme Menge an Zeit und Geld in seine Produkte steckt, mit dem kaum ein Hersteller konkurrieren kann/will...
· 1. Dezember 07 · 17:55
Kreon meint:
Starcraft lässt sich auch noch gut spielen, genauso wie Duke Nukem 3D, allgemein sind die meisten Spiele nur aufgrund ihrer Grafik gealtert, Bedienungskomfort ist eigendlich überall gegeben (ausser Earth 2150, egal wie toll ihr das Spiel fandet, es ist heute einfach unspielbar)
· 1. Dezember 07 · 23:40
melcom meint:
Wenige Bugs? Also da muss ich 'ne andere Version gehabt haben. Bei mir gab's andauernd Abstürze und die Maussteuerung war ziemlich hakelig und unpräziese. Auch sonst konnte Legend mich nicht überzeugen. Große lange Weile ist da angesagt, sonst nichts.
Ähnlich sehen's auch die User von rawgamer.de. Siehe Bewertung und Kommentare zu Legend - Hand of God:
http://www.rawgamer.de/games/de/pc/rating/legend_-_hand_of_god.html
· 2. Dezember 07 · 10:39

Kommentare sind für diesen Beitrag geschlossen.

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