»In den Kernfeldern Charakterzeichnung und Weltatmosphäre werden Rollenspiele durch die Bank von Shootern deklassiert. Das tut weh. So weh wie die Einsicht: Das traditionelle Solo-Rollenspiel ist zur Nische geworden. Die tonangebenden Publisher EA und Ubisoft interessieren sich nicht die Bohne für das entwicklungsaufwändige Genre.«
Oha. Es ist ein Wahnsinn, wie schnell Printmedien altern.
Die obige Bestandsaufnahme des Herrn Schmidt erschien in der Novemberausgabe der GameStar und schafft es nicht nur, bereits seit Mitte Oktober überholt zu sein, denn die Summe, die EA für Bioware auf den Tisch legte, ist einfach zu groß um noch Desinteresse an Solorollenspielen heucheln zu können. Die Aussage ist auch generell sehr zweifelhaft. Denn sind EA und Ubisoft bisher je als große Verfechter der Singleplayer-RPGs aufgetreten? Gut, Ubi hat noch Morrowind in den Annalen stehen, aber schon Oblivion erschien bei TakeTwo. Bestimmt weil es ein absolutes Nischenspiel war. Zu Hause waren Rollenspiele in den letzten zehn Jahren doch eher bei Interplay, Infogrames, zur Not noch JoWood und LucasArts. Wenn man denn auf die Publisher blicken möchte. Traditionell interessiert hier eher der Entwickler.
Bleiben Charakterzeichnung und Weltatmosphäre. Die haben uns, zusammen mit dem Storytwist, in Bioshock zum Beispiel auch gefreut. Doch tolle Charaktere und ein Twist, der unsere Sicht auf den von uns gespielten Protagonisten komplett wandelt – ist so etwas bei Singleplayer-RPGs nicht ein verdammt alter Hut? Geht es hier inzwischen nicht um weit größere Einflussmöglichkeiten des Spielers auf den Storyverlauf, um ihm schwierigere moralische Entscheidungen mitsamt ihrer Auswirkungen präsentieren zu können? Wie das beispielsweise The Witcher tut. Wie es Mask of the Betrayer mit weit über einem Dutzend möglicher Enden tut. Zeigt mir einen Shooter, der das nur halb so gut fertigbringt.
Besonders viel Feinschliff kann man gerade in technischer Hinsicht zwar beiden Spielen nicht nachsagen. Im Vergleich zum letzten Jahr, mit einem bugverseuchten Gothic 3 und einem sterilen, mit langweiliger Einheitsstory daherkommenden Oblivion, hat sich die Situation allerdings eher noch verbessert. Zumal Mass Effect ja noch aussteht!
Also mache ich mich nun auf die Suche nach dem Artikel, der Egoshooter im letzten Jahr zur Nische erklärte. Muss es ja geben. Schließlich erschien 2006 in diesem Bereich kaum was Nennenswertes. Schon gar nicht auf dem PC.
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