Die Entscheidung fiel schon im letzten Frühsommer: Meine kleine Wohnung, stadtnah gelegen und ideal während der Probezeit bei meinem Arbeitgeber, hat ausgedient. Im nächsten Frühjahr möchte ich mein Frühstück bitteschön bei Sonnenschein auf dem Balkon einnehmen, mit Blick auf den Stadtpark, wenn möglich. Und ein bisschen mehr Platz wäre auch nicht schlecht. Unglaublich, wie sich Inneneinrichtung vervielfacht, wenn man mal einen Moment nicht hinsieht. Inzwischen sieht es so aus, als hätte ich die nächsten Monate genügend Zeit, um einen Umzug durchzuziehen. Während ich mir also Exposees und die dazugehörigen Wohnungen ansehe, will die eigene Habe schon einmal auf Überflüssiges durchsucht werden. Es wird ausgemistet. Empfiehlt sich übrigens auch dann von Zeit zu Zeit, wenn man keinen Umzug plant.
Leicht fällt mir das nicht, ich scheue den Arbeitsaufwand. Aber andererseits ist es ungeheuer befreiend, stapelweise alten Plunder loszuwerden. Das ist fast so toll, wie neuen Plunder zu kaufen. Erstes und dankbares Opfer ist in diesem Fall der Keller, beziehungsweise dessen Inhalt. Da stehen diverse Kisten, die ich beim letzten Umzug unten abgestellt und seitdem keines Blickes gewürdigt habe. Nach kurzen Kontrollblicken, damit man nicht ungewollt Fotoalben und andere für die Familienhistorie wichtige Dinge vernichtet, wird das Zeug größtenteils entsorgt.
Im Kleiderschrank sieht es fast genauso finster aus. Viel zu viele Dinge, die ich seit Jahren nicht angezogen habe und die ich mit Sicherheit nicht mehr tragen werde. Weg damit. Das Zeitschriftenarchiv kommt, wie schon beim letzten Umzug, samt und sonders in die Altpapiersammlung. Den Ehrgeiz, mich irgendwann in einer Spielezeitschrift als Besitzer sämtlicher Hefte seit der Erstausgabe zu outen, habe ich nicht. Die DVD-Sammlung wird den Umzug dagegen wohl weitgehend unbeschadet überstehen, im Musikarchiv gibt es wie in den Bücherregalen nur wenig Fragwürdiges.
Die Spielesammlung dagegen ist ein absoluter Härtefall.
Hier führt einem erst Ausmisten das ganze Ausmaß des Elends vor Augen. Sechsundzwanzig PSP-Spiele? Wann habe ich die alle gekauft? Warum? Und weil nur circa fünf davon behaltenswert sind: Was mache ich mit dem Rest?
Pflegliche Behandlung und entsprechend guten Zustand vorausgesetzt, wird man Konsolenspiele zwar immer noch gut bei eBay los, selbst solche Gurken wie SSX On Tour, aber was genau »guter Zustand« bedeutet, ist immer relativ. Die Discs an sich weisen keine Kratzer auf und funktionieren einwandfrei, doch dass die meisten PSP-Spiele bei mir mehrere Reisen in den üblichen Stoffhüllen mitgemacht haben, sieht man den Caddies der UMDs deutlich an.
Bei PC-Spielen ist es noch schlimmer. Spiele wie Vanguard oder Everquest 2 kann man umgehend entsorgen, wenn man seinen Account nicht mit veräußern möchte. Halbwegs aktuelle Singleplayer-Spiele wie Anno 1701 wird man noch ganz gut los, aber ehrlich gesagt möchte ich Anno noch nicht loswerden. Für Spiele, die schon ein paar Jahre auf dem Buckel haben, bekommt man kaum noch was. Wer kauft denn heute noch ein Sacred oder Black & White, ein Demon Stone oder Runaway? Sobald die auf irgendeiner Heft-CD erschienen sind, ist es sowieso vorbei. Insgesamt hab ich mindestens zwanzig Spiele in der Kategorie »Verkauf lohnt nicht und spielen werde ich es auch nicht mehr«. Perlen wie Beyond Good and Evil werde ich natürlich aufheben, aber was mache ich mit dem Rest? Einfach so wegschmeißen?
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