Als wir heute morgen kurz nach zehn in die abgedunkelten Hallen des Leipziger Messegeländes marschierten, fragte ich mich, die Erinnerungen an die letzte GC noch im Hinterkopf, warum ich mir den Fachbesuchertag eigentlich Jahr für Jahr antue. Da wimmelt es nur so von Typen, für die unser Hobby schlicht Broterwerb ist und die mit einer Ernsthaftigkeit an Spiele herangehen, die mir vollkommen fremd ist. Schlipsträger, die sich um ihr Business kümmern ebenso wie junge, hippe Medienleute und solche, die sich dafür halten. Nicht meine Klientel.
Meine Zweifel an der Existenzberechtigung unserer GC-Erkundung schwanden aber, als ich die ersten Aussteller-Standplätze erblickte. Zwei Tendenzen lassen sich im Vergleich zu den Vorjahren nämlich ausmachen: Der Trend geht weg von großen Showevents, hin zu mehr Konsolen und PCs, an denen man Spiele tatsächlich selber anspielen kann. Sehr deutlich wird das zum Beispiel am neuen EA-Stand, an dem unter Anderem Crysis und das neue Need vor Speed ausgestellt sind. Von Spore ist in diesem Jahr leider überhaupt nichts zu sehen – erst die dritte Hostess am Stand konnte mit dem Namen »Spore« überhaupt etwas anfangen.
Die zweite positive Tendenz ist der Mut zu mehr Abstand zwischen den einzelnen Ausstellern. Die Hallen wirken dadurch weitläufiger, und es ist viel Platz in den Gängen vorhanden, durch die sich am Wochenende die Besuchermassen schieben können.
Am Stand von Microsoft gibt es eine fast fertige Version des neuesten Siedler-Teils zu sehen, deren Tutorial ich denjenigen von euch, die die Messe noch besuchen werden, nur empfehlen kann. Ich habe dort fast eine halbe Stunde gestanden und mein erstes Dorf zusammengestellt. Optisch müssen sich die Siedler zwar Anno 1701 geschlagen geben, aber die aus Black & White 2 abgeschaute, sehr intuitive Art, Wege einfach in den Sand zu zeichnen, hat mich begeistert. Gebäude können frei gedreht werden, das Programm hilft aber, indem es Bauten erstmal automatisch am Weg ausrichtet. Das funktioniert so super, dass man sich fragt, warum die Platzierung von Wegen und Gebäuden nicht schon immer und überall so gelöst wurde.
Die voraussichtlich lange Wartezeit, um das WoW-AddOn Wrath of the Lich King anspielen zu können, kann man sich dagegen schenken. Ja, die Grafik ist etwas hübscher als im Hauptprogramm, aber ansonsten sagt einem fünfminütiges Herumtraben im Howling Fjord einfach überhaupt nichts über das Spiel. Wenn schon Anstehen, dann lieber am Stand von Warhammer Online! Die Besucher werden hier in zwei Teams aufgeteilt, die auf einem Schlachtfeld gegeneinander antreten müssen. Ich habe mich erfolgreich an einem Schwarzork auf Seiten des Chaos versucht: Mein Team hat die Kräfte der Ordnung quasi pulverisiert. WAR spielt sich jetzt schon zackig und abwechslungsreich, ist aber stilistisch ausgesprochen nah an WoW – viel näher, als ich nach den bisherigen Previews vermutet hätte. Interface und Bedienung funktionieren noch nicht ganz so gut wie beim Marktführer, aber die Betaphase läuft ja noch. Vor dem Release sollte Mythic allerdings dringend noch an der Grafik drehen. Zugegeben, ich kam direkt vom Blizzard-Stand zu Mythic, aber Warhammer Online kann bisher nicht nur mit der generalüberholten Optik von Wrath of the Lich King nicht mithalten, es sieht selbst im Vergleich zu Burning Crusade ziemlich blass aus.
Gut versteckt ist übrigens Hellgate: London. Das kann man ebenfalls anspielen, aber die zwei PCs in der ab-18-Abteilung des Microsoft-Standes muss man erstmal finden. Hoffentlich komme ich die nächsten Tage noch dazu, etwas länger hineinzuschauen, denn die ersten fünf Minuten heute haben mich recht unbeeindruckt gelassen.
Besonders sehenswert auf der GC Art: Shadow Monsters. Zu Hause im Licht einer Taschenlampe oder eines Projektors hat sicher jeder von uns schon einmal Schattenrisse produziert, also mit seinen Händen einen Wolf oder eine Ente imitiert. Bei Shadow Monsters hält man seine Hand genauso vor das Licht, aber mit dem Unterschied, dass der Schattenriss vom Computer noch ergänzt wird. Mit Haaren, Augen, großen Zähnen und mit der dazugehörigen Geräuschkulisse.
So viel zum Fachbesuchertag, kurz zusammengefasst vor unserem Aufbruch zum traditionellen Spielemusikkonzert im Gewandhaus. Weiteres, laut Mo auch wieder in Form eines Podcastes, folgt in den nächsten Tagen.
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