Business as usual. Blizzard kündigte eine Erweiterung für World of Warcraft an. Mit neuer Landmasse. Zehn zusätzlichen Leveln. Einer neutralen Stadt, die beiden Fraktionen zugänglich ist. Neuen Quests, Waffen, Rüstungen, Dungeons. Vor einem Jahr sorgte das für wohlige Vorfreude auf The Burning Crusade. Dieses Mal jedoch, bei Wrath of the Lich King, ist der Déjà-vu-Effekt zu groß, klingt all das Angekündigte schon jetzt altbacken. Wo sind sie, die frischen Ideen?
Neue Frisuren für die Helden soll es geben, doch wo bleibt die Möglichkeit zum virtuellen Hausbau? Belagerungsschlachten zwischen Spielerarmeen soll es geben, samt zerstörbarer Gebäude. Das klingt nach einem schwachen Versuch, dem PvP-orientierten Warhammer Online etwas entgegenzusetzen. Mit dem »Schriftgelehrten« soll es einen neuen erlernbaren Beruf geben, der im Endeffekt eine ähnliche Wirkung haben wird, wie sie jetzt schon Verzauberer und Juwelenschleifer haben.
Die Grafik soll deutlich aufpoliert werden, doch zu langes Anstarren der veröffentlichten Screenshots führt zu unangenehmen Nebenwirkungen: Zuerst wird man kaum erkennen können, was an den Bildern so toll sein soll. Aber wenn man sich das nächste Mal in Burning Crusade einloggt, besteht akutes Herzschlagrisiko. Dann wird einem nämlich schmerzhaft bewusst, wie heruntergekommen und veraltet World of Warcraft heute bereits aussieht.
Zumindest wird es endlich eine der lang angekündigten »Heldenklassen« geben. Eine neue Klasse für Spieler, die bis an die Grenze dessen vorgestoßen sind, was im Spiel möglich ist. Lange haben die Entwickler bei Blizzard mit sich gerungen, wie Heldenklassen in WoW umzusetzen seien. Entschieden haben sie sich für die billigste und am wenigsten zufriedenstellende Lösung. Eine schwierige Questreihe wird es den Spielern erlauben, den »Todesritter« freizuschalten – damit sie später einen Todesritter als nagelneuen Charakter erstellen können. Die ursprüngliche Spielfigur, mit der die Questreihe absolviert wurde, soll unangetastet bleiben.
Es ist klar, was das bedeutet: Der Todesritter ist eigentlich keine »Heldenklasse« im klassischen Sinne, wie die Prestigeklassen in D&D. Es wird kein Charakter aufgewertet, der nebenbei noch seiner bisherigen Klasse angehört. Stattdessen ist der Ritter eine stinknormale Klasse wie alle anderen auch, lediglich mit speziellen Voraussetzungen.
Und was für eine Klasse: Ein Tank soll er werden, der auch Schaden austeilen kann. Bravo. Wenn World of Warcraft irgend etwas schon jetzt im Übermaß hat, dann sind das Damage-Dealer-Klassen. Wie wär's stattdessen denn mal mit einem interessant zu spielenden Heiler? Selbst Priester, die eigentlich die Heilklasse schlechthin sein sollten, rennen inzwischen überwiegend schadenverteilend durch die Gegend.
Weil der Todesritter die erste neue Klasse seit Jahren ist, wird fast jeder Spieler einen haben wollen. Zumal der Ritter eben neu erstellt wird und nicht die bisherige Spielfigur ersetzt. Zu welchen Schieflagen in den Gruppenbesetzungen das führen wird, ist absehbar, und wir können nur hoffen, dass Blizzard mit einer zweiten Heldenklasse für Heiler gegensteuert. Ansonsten ist der Ritter die größte Gefahr für die Klassenbalance des Spiels seit dem Feraldruiden Hexenmeister Jäger Release von WoW.
Tolle Aussichten also. Die gute Nachricht ist, dass Blizzard das Debakel vor dem nächsten Frühjahr kaum vollendet haben wird.
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