Es soll Menschen geben, die sich nicht für das jährliche Spielemusikkonzert in Leipzig interessieren, obwohl sie dem Videospiel durchaus nicht abgeneigt sind. Auf der anderen Seite soll es Menschen geben, die allein bei der Erwähnung von Namen wie Hülsbeck, Uematsu oder McConnell vor Ehrfurcht oder von der Wucht jugendlicher Erinnerungen auf die Kniee gehen. Für beide Gruppen – und für alle anderen, die zwischen beiden Extremen wandeln – hier eine völlig ausufernde Konzertvorschau.
Das Eröffnungskonzert wird nicht mehr mit der offiziellen Eröffnung der Games Convention gekoppelt sein. Schön. Weniger langweilige Reden von gelangweilten Funktionsträgern. Noch eine gute Nachricht: wie im Vorjahr werden neben dem Orchester auch ein Chor, Solosängerinnen und die Orgel mitspielen. Je nach Musikstück mit kleiner Besetzung oder mit voller Gewandhaus-Breitseite, von Soundtracks noch unveröffentlichter Spiele bis hin zu 20 Jahre alten 8-Bit-Klassikern. Zum Beispiel:
Secret of Mana (1993)
Secret of Mana heißt eigentlich Seiken Densetsu 2, was aus dem Japanischen übersetzt wiederum Legende des heiligen Schwerts 2 heißt und nicht Secret of Mana, doch das Titelthema namens »Fear of the Heavens« hört sich in jedem Fall gleich hübsch an.
» Hier horchen.
Amiga-Medley & C64-Medley
Klangklassiker der Commodore-Ära, zu zwei Medleys zusammengefasst. Alte Männer werden weinen. Aber auch Musikfrigiden und Spätgeborenen sei empfohlen, hinter die folgenden Links zu schauen, weil die Musikstücke es verdient haben.
» The Great Giana Sisters. Wizball. Forbidden Forest. The Last Ninja. Alien Breed. Lemmings. James Pond 2. Lionheart. Turrican II. Und einige mehr.
Chris Hülsbeck proved his skill, by making me plug my Amiga sound output to my stereo, so I could tape the songs and listen to them in my walkman.
(aus der Beschreibung des Turrican-Videos)
Turrican II: The Final Fight (1991)
Wieder Turrican II, wieder Chris Hülsbeck. In diesem Fall mit der Hintergrundmusik der Level, in denen nicht schießend gerannt, sondern schießend geflogen wird.
» Hier horchen. (ab ca. 1:36)
Fans Der Reinen Lehre™ werden womöglich leise mit den Zähnen knirschen, weil ihre heiligen 8- und 16-Bit-Soundgewitter von einem Orchester entweiht werden. Originär orchestrale Soundtracks hingegen dürften okay sein, die werden nämlich auch gespielt:
John Woo’s Stranglehold (2007)
Der Name. Der Film. Das Spiel. Die Musik. Wird euch von den Sitzen blasen.
» Hier horchen.
Ragnarok Online 2: The Gate of the World (2007/2008)
Das ist Yoko Kanno. Das ist Yoko Kanno, das ist Yoko Kanno und dies ist auch von Yoko Kanno. Ja, ich bin Fanboy. Jetzt hat Frau Kanno die Musik zum koreanischen MMORPG Ragnarok Online 2 geschrieben, in Leipzig wird ihr Stück von einem Knabensopran gesungen. (Wörter wie »Knabensopran« schreibt man nicht alle Tage.)
Hier horchen.
Metal Gear Solid 3: Snake Eater (2004)
Durch die ersten beiden Teile habe ich mich gequält. Auch Teil 3 landet nicht auf meiner Liste großartigster Spielerlebnisse. Mir fehlt das Kojima-Gen. Doch die Musik während der langen Zwischensequenzen und der ganzen Herumschleicherei, die war beeindruckend. In Leipzig trommelt der unglaubliche Rony Barrak dazu.
» Hier horchen.
Final Fantasy XI Online
»Memoro de la S^tono« von Nobuo Uematsu, vorgetragen von Opernstar Izumi Masuda, einem in Esperanto singendem Chor und mit voller Orchestergewalt. Kann man sich in winzig auf Youtube angucken oder in ganz groß im Gewandhaus. Schwere Wahl?
Falls die Wahl auf das Leipziger Gewandhaus fällt: wir sehen uns am 22. August um 20 Uhr. Das komplette Konzertprogramm kann man auf der Seite der Organisatoren lesen, Komponisten wie Chris Hülsbeck, Yuzo Koshiro, Allister Brimble, Olof Gustafsson und anderen kann man allerdings nur vor Ort in live und echt die Hand schütteln.
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