Die »Pappnase des Monats« geht dieses Mal, vermutlich in mehrfacher Ausführung, an die Damen und Herren, die bei Atari für Test Drive Unlimited zuständig sind. Die PC-Version des Spiels erschien im März und hat einige schwerwiegende Probleme. Neben Bugs, die zu Abstürzen, Grafik- oder Soundfehlern führen, gibt es auch einen Fehler, der Speicherstände zerschießt. Der eigentlich sehr gelungene Multiplayermodus zeichnet sich durch völlige Abwesenheit eines Cheatschutzes aus, was Betrügern das Leben unnötig einfach macht.
Viele dieser Probleme waren bereits aus dem Betatest des PC-Spiels bekannt und schafften es trotzdem unkorrigiert in die Verkaufsversion. Das ist unschön, kommt heutzutage aber immer häufiger vor, schließlich kann man die letzten verbliebenen Fehler ja mit einem Patch zum Release beheben. Sobald das Spiel erst einmal in den Läden steht, gehören Bugs, die Speicherstände zerstören können, aber schnellstmöglich behoben, finde ich.
Bei Atari sah man das anders. Wochen vergingen, doch ein Patch kam nicht. Im April, fast einen Monat nach Erscheinen des Spiels, bequemte man sich schließlich, den Spielern zumindest mitzuteilen, wann mit dem sehnlich erwarteten Softwareflicken zu rechnen sei: nicht vor Mai.
Mai! Ich hielt das damals für einen verdammt schlechten Scherz. Zwei Monate Zeit veranschlagte Atari, um Fehler zu beheben, die es in der Verkaufsversion überhaupt nicht hätte geben dürfen? Beschäftigt sich das gesamte Entwicklungsteam bereits mit Test Drive Unlimited 2, während nur eine Reinigungsfachkraft halbtags Zeit findet, sich um den Softwareschnee von gestern zu kümmern?
Es wurde Mai. Mehrfach bestätigte Atari im offiziellen Forum, den angekündigten Termin halten zu wollen. Es kam anders. Der Patch wurde auf Mitte Juni verschoben, um ihn weiteren Tests zu unterziehen und, wie es hieß, den Spielern die »qualitativ hochwertige Erfahrung zu bieten, die sie erwarten.« Bingo. Diese Erfahrung hätten wir bereits im März erwartet.
Auch aus Mitte Juni wurde nichts. Im deutschen Forum wurde erklärt, der Patch wäre zur Verifikation bei Microsoft und würde erscheinen, sobald er freigegeben wäre. Nicht erklärt wurde dagegen, was Microsoft überhaupt mit dem Patch der PC-Version zu tun haben sollte. Der PC ist nicht die Xbox 360.
Inzwischen ist es Juli. Der Flicken ist immer noch nicht da. Möglicherweise muss noch beim nächsten G8-Treffen über die Freigabe verhandelt werden. Vielleicht muss der Papst den Patch auch erst heiligsprechen. Man weiß es nicht.
Erschienen ist dagegen Ataris Bilanz des vergangenen Geschäftsjahres. Das Unternehmen fuhr ein Rekordminus ein. Große Hoffnungen setze man deshalb in Next-Gen-Titel wie Test Drive Unlimited 2, so heißt es. Das tue ich durchaus auch, denn trotz aller Fehler ist TDU meiner Meinung nach ein hervorragendes Spiel. Fraglich ist nur, ob ich bei Erscheinen des Nachfolgers genug kostbare Freizeit aufwenden kann, um TDU2 einen »qualitativ hochwertigen« Teil meiner Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, oder ob ich lieber ein paar Monate abwarte, um das Spiel irgendwann gepatcht zum halben Preis zu erstehen.
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