Wir haben Computer geliebt, leidenschaftlich gerne mit ihnen gespielt und an ihnen herumgeschraubt. Wir hatten die c't abonniert, obwohl wir nicht die Hälfte ihres Inhaltes verstanden haben, haben versucht, mit Turbo Pascal oder Ähnlichem selbst kleine Programme zu schreiben. Begeistert nicht nur von Computerspielen, sondern vor allem auch von der Technik dahinter. Ende 2000 saßen wir deshalb staunend, mit offenen Mündern vor unseren Monitoren.
Der Grund war fr-08:.das.produkt. Auch wenn man als Computerspieler mit der Demoszene im Grunde nicht allzu viel zu tun hat, so gibt es doch immer wieder Intros und Demos, die weite Verbreitung finden, die begeistern, die praktisch jeder kennt. fr-08 ist bis heute wohl das bekannteste Intro der Demogruppe Farbrausch und zeigt hervorragend, was Intros als Form der Computerkunst ausmacht: Der computergenerierte, musikalisch unterlegte Kurzfilm führt uns durch mehrere Szenarien, von kurios bis alltäglich, überzeugt mit gewagten Kamerafahrten und überbringt seine Message in Form von durchs Bild gleitendem Text. Als würde das noch nicht reichen, sorgt auch die technische Umsetzung für Staunen: Ein Film in dieser Länge, der derart viele unterschiedliche optische Eindrücke transportiert – wie haben die den in eine ausführbare Datei von lediglich 64 Kilobyte Größe gezwängt?
Neben dem Klassiker fr-08 zählen wohl fr-019: poem to a horse und fr-025: the popular demo zu den bekanntesten Werken von Farbrausch. Meine persönlichen Favoriten unter den aktuelleren Produktionen sind fr-046: basso continuo aus dem Jahre 2005 sowie das zu Beginn diesen Jahres erschienene fr-055: 828 mit dem Untertitel »The Drone Experience«, mit sehr düsteren, verstörenden Science-Fiction-Szenen.
Vergangene Ostern nun hat Farbrausch auf der Breakpoint 07 mit deutlichem Abstand den ersten Platz in der Kategorie »PC Demo« belegt. Dabei ist das gezeigte fr-041: debris eher ein »Dentro«: Obwohl mit 177 Kilobyte zu groß für ein Intro, überwältigt die gezeigte grafische Qualität doch vor allem mit Blick auf die geringe Dateigröße, denn in der Demo-Kategorie wären bis zu 64 Megabyte zulässig. Die Eingangsszenen erinnern mit ihren an den Gebäuden einer amerikanischen Großstadt entlangfahrenden Schriftzügen ebenso wie die späteren Gruß-Sequenzen stark an die Eröffnungssequenz von Panic Room, und auch sonst lassen sich einige Referenzen an bekannte Filme etc. entdecken. Am liebsten würde ich auch eine Anspielung auf den lahmen GTA-IV-Trailer darin sehen, aber dafür ist der Trailer zu jung. Wie die durchlaufende Nummer von debris zeigt, war dieses Meisterwerk länger in Entwicklung als viele der neueren Farbrausch-Produktionen. Beeindruckend, wie gekonnt Farbrausch im Verlauf der Demo das Großstadt-Szenario zerlegt und neu wieder zusammenfügt, alle paar Sekunden mit einer neuen, verrückten Idee überrascht. Kraftvolle Soundeffekte, lebendige Kameraführung und der Hund tun ihr übriges.
Leider kommt debris im ersten Drittel nicht ganz ohne Längen aus. Die erste Tiefgaragen-Szene hätte man sich beispielsweise sparen können. Und die Musik bleibt mir, von einigen grandiosen Momenten wie dem Zerfallen des ersten Würfels und dem Ineinanderverschlingen der Autobahnen mal abgesehen, zu beliebig, zu austauschbar. Aber das sind Kleinigkeiten.
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