Der schönste Moment meiner bisherigen Zeit in World of Warcraft war nicht etwa, als ich meine erste Quest beendet hatte, meine erste Instanz geschafft oder meinen ersten Reittiger gekauft hatte. Es war nicht, als ich Level 60 oder Level 70 erreicht hatte. Es war nicht, als ich das erste Mal in einer Raidgruppe mit insgesamt vierzig Personen dabei war und schon gar nicht, als wir nach wochenlangem Kampf diesen oder jenen Gegner endlich besiegt hatten. Auch mit dem Bekommen einer lange gesuchten Waffe oder mit der Vervollständigung eines Rüstungssets hat er nichts zu tun.
Es war, als ich vor zwei Wochen auf der Greifenplattform an der Spitze des Turmes von Telaar stand, Anlauf nahm und in die Tiefe sprang. Ich breitete die Arme aus, mein Umhang wehte, immer schneller stürzte ich in den Abgrund. Der Boden kam schon bedrohlich nahe, als ich mich ... *puff* ... in eine Krähe verwandelte und davonflog.
Dieser Moment veränderte alles.
Unabhängigkeit. Perspektivwechsel. Welchen Spaß der Traum von Fliegen macht, wenn er endlich Realität wird, glaubt man kaum, bevor man es selbst erlebt. In die Lüfte erheben konnte man sich dank der Greifenflugpunkte im alten Azeroth doch auch schon, denkt man. Doch mit der neuen Freiheit in der Scherbenwelt lässt sich das Transportsystem der Greifen, die uns jahrelang wie auf Schienen von Station zu Station flogen, nicht vergleichen.
Die alte Welt wird dadurch noch älter. In Kalimdor oder den östlichen Königreichen fühlt man sich auf einmal seltsam eingeengt. Bei der gelegentlichen Rückkehr nach Orgrimmar oder Eisenschmiede, notwendig um das Auktionshaus zu besuchen, sollte man sich da nicht fühlen, als käme man von einem langen Abenteuer nach Hause? Kurz in der Heimat rasten, bevor man sich wieder in Gefahren stürzt? Alles was man spürt, sind die Fesseln an den Füßen, weil man eine Freiheit vermisst, die man früher nicht kannte.
Kommentare sind für diesen Beitrag geschlossen.