Ein hier namentlich nicht genannter Arbeitskollege und Freund von Flugsimulationen entschied sich schon kurz nach Erscheinen des Flight Simulator X, diesen in der Deluxe-Ausführung zu erwerben, weil er aufgrund der stark verharmlosenden Angaben auf der Packung davon ausging, dass das Produkt bei ihm schon zufriedenstellend laufen werde.
Welch eklatante Fehleinschätzung! Trotz versuchter Hardwareaufrüstung sah sich der FSX auf seinem Rechner nicht zu mehr als Einzelbildansichten in der Lage. Also widmete sich besagter Kollege zähneknirschend wieder dem Vorgänger und vermachte mir das ausrangierte Produkt. Im Grunde gut für mich, hätte mich der FSX nach der endlos lang dauernden Installation, während der er knappe 15 Gigabyte auf die Festplatte wuchtete, nicht direkt in die Vorhölle der Produktaktivierung verbannt.
Möchte man länger als dreißig Minuten durch die Lüfte gleiten, erwartet der FSX nämlich ähnlich wie Windows eine Aktivierung, wahlweise über das Internet oder per Telefon. Dafür ist die DVD im Laufwerk zukünftig nicht mehr nötig. Eigentlich ein fairer Tausch, würde es denn funktionieren. Doch das tat es bei mir nicht. Die Anzahl der möglichen Produktaktivierungen mit dieser Seriennummer sei bereits überschritten, meldete das Installationsprogramm. Wenn ich der Meinung wäre, zu Unrecht nicht spielen zu können, solle ich mich doch bitte telefonisch mit Microsoft in Verbindung setzen. Da ich die Originalverpackung samt DVDs und Kassenbon vor mir auf dem Schreibtisch liegen hatte, war ich dieser Meinung.
Am Telefon fordert mich eine Computerstimme auf, den etwa vierzigstelligen Code einzugeben, den das Installationsprogramm aus meiner Seriennummer generiert hat. Klar, kein Problem, man hat ja Zeit. Danach teilt mir die Stimme lapidar mit, was mir auch das Programm zur Internetaktivierung schon sagte: Keine Freischaltung mit dieser Seriennummer.
Um das Problem zu lösen, verbindet mich der Computer endlich weiter zu einem menschlichen Mitarbeiter, der mir mitteilt, dass er wegen eines nicht näher spezifizierten Problems meine Seriennummer aktuell leider nicht freischalten könne, ich solle doch in ein paar Stunden noch einmal anrufen.
Hrmpf.
Vierzigstelligen Code eingeben, Freischaltungsverweigerung, Sie werden verbunden. Die nette Kundendienstmitarbeiterin am Apparat fragt mich, ob das die erste Installation des Produktes sei. Ich antworte wahrheitsgemäß, es wäre die dritte. Ist das Produkt noch auf weiteren Rechnern installiert? Nein, ist es nicht mehr. Sie bedankt sich, im Anschluss liest mir eine Stimme vom Band einen weiteren vielstelligen Code vor, den ich in das Installationsprogramm eingebe. Und siehe da, es funktioniert! Operation Freischaltung erfolgreich abgeschlossen.
Der dritte Versuch wäre zugegebenermaßen nicht nötig gewesen. Ich habe den FSX von der Festplatte entfernt und danach wieder installiert. Einfach so. Um zu sehen, was hinsichtlich der Aktivierung passiert. Die Antwort: Es passiert gar nichts. Der Status bleibt offenbar auch nach einer Deinstallation im System erhalten, die erneute Installation konfrontierte mich nämlich mit überhaupt keiner Meldung zum Thema, sondern funktionierte gleich vom Start weg ohne Einschränkungen.
Im Prinzip ist die Aktivierung im Austausch gegen eine ständig im Laufwerk rotierende DVD ja ein hervorragender Deal. Aber sind lediglich zwei Produktaktivierungen bei sich ändernder Hardware nicht ein bisschen knapp bemessen? Immerhin ist der FSX ein ressourcenverschlingendes Monster, das sicher den einen oder anderen Enthusiasten dazu bringen wird, viel Geld im nächsten Hardwareshop zu lassen. Wenn man innerhalb der Lebensdauer des neuen Flight Simulator seinen Rechner dann auch nur ein weiteres Mal gründlich aufrüsten oder gar komplett ersetzen will, kommt man um ein Telefonat mit der Hotline praktisch nicht mehr herum. Und das ist durch die überzogen langen Codes, die fehlerfrei abgetippt werden müssen, eine echt nervige Erfahrung.
Abgesehen davon macht das Aktivierungsprozedere einen Weiterverkauf des Spiels praktisch unmöglich. In meinem Falle weiß ich, dass mein Kollege den Flight Simulator X tatsächlich nicht mehr auf seiner Festplatte hat. Aber wenn ich ein bereits geöffnetes Spiel über eBay ersteigert hätte, was nicht allzu schwierig ist, weil auch andere Spieler an den Hardwareanforderungen scheitern, hätte ich der Kundendienstmitarbeiterin wirklich mit absoluter Sicherheit sagen können, dass das Programm ausschließlich auf meinem Rechner installiert ist? Hätte ich nicht. Wie auch. Dank der fehlenden DVD-Abfrage könnte der FSX noch jahrelang auf dem PC des Versteigerers weiterlaufen, auch wenn längst ich die Originalmedien besitze.
Diesen ganzen Ärger hätte Microsoft durchaus erheblich reduzieren können, wenn man die Aktivierungsfunktionen nicht einfach blind aus Software wie Windows und Office übernommen hätte. Ganz spontan hielte ich es beispielsweise für eine ausgezeichnete Idee, analog zur Aktivierung auch eine Deaktivierung anzubieten. Warum wird die Seriennummer eigentlich nicht wieder freigegeben, sobald ich den FSX deinstalliere?
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