Klassiker

von chris · 3. Dezember 06 ·

Staatsoper BerlinDer erste Advent – Beginn der Vorweihnachtszeit. Eine Kerze am Adventskranz brennt, der Schwibbogen im Fenster leuchtet, ein Teller mit Pulsnitzer Lebkuchen steht auf dem Tisch, aus der Stereoanlage ertönen erzgebirgische Weihnachtslieder. Die Weihnachtszeit ist auch eine Zeit liebgewonnener Konstanten – Lieder wie »Arzgebirg wie bist du schie« bleiben zugegebenermaßen Gewöhnungssache.

Drei Haselnüsse für Aschenbrödel, in Tschechien zum besten Märchenfilm des 20. Jahrhunderts gewählt, läuft auch zu dieser Weihnacht nicht weniger als zwölf Mal im deutschen Fernsehen, Dickens' Weihnachtsgeschichte gehört seit langem zum Vorlesestoff im Advent und wurde unzählige Male verfilmt, Engelbert Humperdincks Kinderoper Hänsel und Gretel war zu ihrer Uraufführung 1893 schon großer Erfolg beschert, ähnliches gilt für Tschaikowskys weihnachtliches Ballett Der Nussknacker. Ohne Danny Elfman irgendetwas unterstellen zu wollen, ähnelt sein Ice Dance aus Edward mit den Scherenhänden mit seiner Kombination aus Kinderchor, Harfe und Celesta dem Schneeflockenwalzer aus dem Nussknacker auffällig.

Ob Bücher, Opern, Ballette, Hollywoodklassiker wie Das Wunder von Manhattan – eine Vielzahl unterschiedlichster Werke thematisiert diese Zeit, den Zauber des Winters und der Weihnacht. Einige von ihnen gehören inzwischen einfach »dazu«, wie Stollen, Plätzchen und Lebkuchen, sind Bestandteil persönlicher Weihnachtsrituale. Und wenn das nur bedeutet, abends nicht weiterzuzappen, sondern bei Nightmare before Christmas hängenzubleiben.

Und wie ist das mit Spielen?

Der einzige Weihnachts-Klassiker, der mir einfällt, ist Baldur's Gate. Nicht etwa, weil das Spiel tatsächlich einen Weihnachtsbezug hätte, sondern weil ich es damals im Advent spielte, in der Nacht vor Heiligabend den letzten Kampf meisterte und den Abspann sah. Wiederholen ließ sich das allerdings nicht – ich habe das Spiel mehrmals wieder von vorne begonnen, aber nie bis zum Schluss durchgehalten. Mit Baldur's Gate 2 schließlich habe ich zwar im November angefangen, brauchte aber bis zum nächsten Hochsommer, um das Finale zu sehen. Eine gewisse Neigung zu Rollenspielen mag in der vorweihnachtlichen Spieleauswahl also durchscheinen, aber gibt es auch unter Computer- und Videospielen Weihnachtsklassiker?

Gibt es Spiele, die man in dieser Zeit immer wieder gerne hervorholt?

Verträgt sich das überhaupt, besinnliche Weihnachtsstimmung einerseits und Computerspiele andererseits?

imYemeth meint:
Hmmm, bei mir ist's meist so die Zeit in der Planescape oder Silent Hill 2 wieder den Weg auf die Festplatte finden. Wobei, letztes Jahr war es glaube ich Sands of Time... das Spiel hat so was besinnliches.

"Traditionell" installiere ich auch wieder Spiele die ich aus verschiedensten Gründen nie durchgespielt habe, aber immer mal durchspielen wollte: Anachronox, Arx Fatalis, Far Cry und noch einige andere.
· 3. Dezember 06 · 17:02
Don Rosa meint:
Max Payne 2.

Den Vorgänger habe ich anno dunnemals an Heiligabend gezockt, bis meine Eltern mich zum Abendessen gezerrt haben; nach dem Essen und der Bescherung ging es weiter. Das klingt zwar schön geeky, aber ich zähle das wahrlich nicht zu meinen Heldentaten, ganz im Gegenteil. Beschissene Aktion. Anyhoo:
Mit Max Payne 2 halte ich es etwas anders. Jede Weihnachtsferien wurde es einmal gezockt, aber in Sicherheitsabstand zu Heiligabend. Kein Weihnachtsspiel an sich, nichts Tröstliches, nichts Schönes. Es zeichnet ein wahnsinnig schlimmes Bild in Winterfarben. Aber heck, was ein gutes Spiel.
· 3. Dezember 06 · 18:11
Aulbath meint:
Sowas ähnliches gab es mal vor Urzeiten in einer Club Nintendo-Ausgabe.

Hmm.. einen richtigen Weihnachtsklassiker in dem Sinne gibt es wohl nicht. Praktisch jedes JnR der 90er hat halt seinen Schneelevel, hin- und wieder taucht mal der Weihnachstmann auf (unter anderem in Secret of Mana), ab und an hat er auch mal sein eigenes Game wie Daze before Christmas (SNES)...

Das einzige, echte Weihnachtsspiel für mich ist allerdings WarCraft II: Tides of Darkness in der Exklusiv-Edition mit Karten und "Beyond the Dark Portal". Mein letztes, großes DOS-Spiel. An Weihnachten bekommen - schon während der Installation Angst gehabt es würde nicht laufen - weil irgendwas mit den Soundtreibern nicht stimmte, und die Installation unter DOS nicht so recht wollte, aber mit einem Umweg lief es dann am Ende doch (noch in der "Heiligen Nacht").

Und dann gleich an die Orks gewagt, die ersten Level waren ja alle Schneelevel. Mann, war ich besessen von dem Spiel. Habe es damals dann auch nur bis Level 10 (von afair 12 oder 14) geschafft. Ebenso ein Schneelevel :)

Aber Optik, Sound, Spielbarkeit... das war (und ist) ein ganz besonderes Spiel. Rangiert sogar noch vor den Lucas Arts Adventures, obwohl ich mich entsinnen kann von Monkey Island und Loom mehr als begeistert gewesen zu sein und die ersten Weihnachtstage damit verbracht zu haben. Ach ja... nochmal jung sein ;D Dieses Jahr muß ich sogar vom 27-29 Dez. arbeiten :(
· 3. Dezember 06 · 18:42
imYemeth meint:
Wenn Aulbath schon mit dem heiligen Abend anfängt... ich weiss noch wie ich mir vor ewigen Jahren auf einem S/W-x86er die Wartezeit auf die Bescherung mit "Gato", so einem uralt-Ubootspiel vertrieben habe.
· 3. Dezember 06 · 18:57
suicide meint:
Ich finde das Adventures ganz gut in die Weihnachtszeit passen. Weil ja diese gediegen zu spielen sind und das passt ja dann.
Aber dieses Jahr wird wohl das Wii Zelda die W.zeit "erweitern".
· 3. Dezember 06 · 19:19
Spielkind meint:
Super Thema. Wollte ich eigentlich noch aufgreifen. Grummelmummel.

Ich spiele in jeden Weihnachtsferien traditionell Deus Ex, mein absolutes Lieblingsspiel durch. Wird dieses Jahr der neunte Durchgang, und dieses Mal wird es wohl das erste Mal sein, dass ich nichts neues mehr finde. Aber man weiss ja nie...

Und dann gibt es da noch das familieninterne Mario-Kart-Gemetzel zwischen meinen Geschwistern und mir, das traditionell den heiligen Abend beschließt. Früher auf dem SNES, mittlerweile auf dem Cube. Alleine dafür lohnt sich Weihnachten.
· 3. Dezember 06 · 21:18
chris [d-frag.de] meint:
@Aulbath: Dieses Jahr muß ich sogar vom 27-29 Dez. arbeiten :(

Bist du nicht der Einzige... ich muss vom 26.-31. Dezember ran. Ja, auch am zweiten Feiertag. :/

Spiele, die deshalb für einen selbst mit Weihnachten verbunden bleiben, weil man sie da geschenkt bekam, habe ich überhaupt nicht bedacht, fällt mir auf. Liegt wahrscheinlich daran, dass meine Eltern mit Spielen nie was anfangen konnten und ich auch immer noch andere Wünsche hatte - Spiele habe ich mir nach hinreichend langer Sparphase dann meistens selbst gekauft.

Das erklärt vielleicht auch meine damalige Vorliebe für Rollenspiele und andere Spiele, die entweder schon runtergesetzt waren oder mit denen man sich laaaaange beschäftigen konnte. Wenn man ihn vom Taschengeld bezahlen muss, tut der Durchschnitts-Spielepreis manchmal schon richtig weh.

@imYemeth: Gute Idee! Planescape: Torment ist erstens super und zweitens hab ichs nie bis ganz zum Ende gespielt... *schäm* *DVD rauskram*

@Spielkind: Stimmt! Familieninternes Multiplayer war oft ganz groß in der Zeit. Beste Zeit, um sich vom Cousin die neuesten PS1/PS2-Titel vorführen zu lassen.

Und vor ein paar Jahren haben wir rund um die Feiertage massig Zeit mit You don't know Jack verbracht.
· 4. Dezember 06 · 00:07
Cutter Slade meint:
Ich verbinde Weihnachten immer mit "Outcast"...hab es bis jetzt jedes Jahr gespielt und bin immer noch recht angetan von der Komplexität und Schönheit der ganzen Welt. Für ein Spiel von '99 war es einfach wahnsinnig fortschrittlich und nichts konnte mich seit dem je wieder so in seinen Bann ziehen.
Dazu noch die Orchestrale Musik und Manfred Lehmanns Stimme für die Hauptfigur!
Warum musste Appeal Pleite gehen?!?
(Outcast 2 wurde von Infogrames ja leider "umgekehrt")
· 4. Dezember 06 · 01:05
imYemeth meint:
Outcast. Was war ich von dem Spiel begeistert. Der monströse Soundtrack hat nachwievor einen Stammplatz in meinen Leiblings-Playlists.

Outcast hat in vielen Punkten Maßstäbe gesetzt die selbst von moderneren Spielen schwer erreicht werden: Einen markanten Helden, eine fremde aber glaubwürdige Spielwelt, eine angenehme Mischung aus Action, Adventureelementen und Humor.

Wären da nicht die abartig hohen Hardwareanforderungen zum Releasezeitpunkt, kombiniert mit etlichen Spiel- und Grafikbungs gewesen... Appeal hatte da einen sehr ungünstigen Zeitpunkt gewählt um eine rein prozessorlastige Engine anzubieten mit der die schicken neuen 3D-Beschleuniger nichts anfangen konnten. (btw. es wird langsam mal Zeit für Raytracing in Spielen).

Themenvorschlag: Der beste Grafikeffekt in einem Spiel
Nominierung: Outcast, beim ersten aktivieren der Ingame-Karte legt "scannt" das Sci-fi Gerät die Region und legt mal eben ein grünes Raster über die gesamte Spielwelt... irre.
· 4. Dezember 06 · 09:45
Pascal meint:
Also "Jazz Jackrabbit: Christmas Edition" fällt mir da als Weihnachtsspiel direkt ein ;)

Die letzten Winter-Feiertage habe ich wenn ich mich richtig erinnere, aber auch lieber mit Rollenspielen verbracht. Diablo 1+2, Neverwinter Nights, Dark Age of Camelot ... und dieses Jahr wirds wohl Gothic 3 (Nordmar "Schneelevel" - ich wills bis Weihnachten durchhaben!) und NwN 2, dass zwar schon seit zwei Wochen im Regal steht, es aber noch nicht auf den Rechner geschafft hat.

Ah... noch 1 1/2 Wochen bis zum Urlaub.
· 4. Dezember 06 · 10:10
Richard meint:
Elite Beat Agents hat einen brutal kitschigen Weihnachtslevel zu "You're the Inspiration" von Chicago, der einen ziemlichen Kontrast zum restlichen Spiel bietet.
· 4. Dezember 06 · 10:40
laZee meint:
Mein Weihnachtsritual ist... wenn auch unspektakulär... eine schöne lange Runde Counter-Strike, so zwischen Kaffeetrinken und Bescherung :). Der Pansen voll mit Plätzchen und Kuchen und Gans und Leckereien und dann gemütlich ownen gehen :D
· 4. Dezember 06 · 11:01
Micha meint:
Für Warcraft 3 (kA ob TFT oder net) gibts auch wunderbar kitschig-lustige Weihnachtslevel direkt von Blizzard, so richtig mit dutzenden Scripts und Weihnachtsjingles usw. usf. - very funny.

Ansonsten halt ich es ähnlich wie ImYemeth - ich kram die Spiele raus, die ich nie ganz durchgespielt hab (und die meist älter sind). Liegt auch daran, das ich Weihnachten ja daheim verbringe, und der Rechner meiner Mum ist wahrlich nicht der Beste. Außerdem hab ich Weihnachten nie was zu tun - alle sind mit ihrer Verwandschaft beschäftigt und so ein Gans Essen mit Oma oder so hält einen ja nu auch net den ganzen Tag auf Trab, da hat man noch viel Zeit fürs Zoggen *g.
· 4. Dezember 06 · 11:25
Cutter Slade meint:
hmm ich hab in Outcast bis jetzt nicht mehr als ein paar Clippingfehler und den Übersetzungsfehler im Einstellungsmenü entdeckt. Ganz ehrlich! Und mein P3 (500Mhz) war damals den Anforderungen durchaus gut gewachsen.
Der Scan-Effekt war echt irre! Aber auch von dem spiegelnden Wasser war ich total begeistert. Außerdem die vielen Dialoge mit den mitunter sehr exzentrischen Talanern.
Nein...es gab wirklich nie wieder ein Spiel was mich annähernd so begeistert hat.
Gab es noch mal etwas vergleichbares?

· 4. Dezember 06 · 12:21
Stargaze meint:
Also,
ein Weihnachtsspiel bei mir war mal Railroad Tycoon Deluxe, welches ich nach einigen Jahren Abstinenz dank 2K Games dieses Jahr wieder spielen kann.
Ansonsten spiele ich "traditionell" vor Weihnachten einige Lucas Arts Klassiker, dieses Jahr sind dann mal wieder Zak McKracken und Loom dran.
· 4. Dezember 06 · 13:10
gloomy meint:
Händel und Gretel? Musstest du im Opernfieber an Georg Friedrich Händel denken? ;)
Und natürlich passen Rollenspiele am besten in die Weihnachtszeit, denn wenn es draußen eiskalt ist, gibt es kaum etwas schöneres als in Fantasywelten abzutauchen. Nur schade, dass es diesmal nicht so recht kalt werden will...
· 4. Dezember 06 · 13:41
Kreon meint:
so blöd es klingt, Zelda Ocarina of Time und Zelda Majoras Mask.
Ich weiß noch als Bescherung war und ich mich so auf OoT gefreut habe, ich bin ins Zimmer gestürmt und meine Eltern waren so fies und haben das Spiel unter dem Sessel versteckt, man war ich erstmal enttäuscht, ich hätte heulen können, als es nicht dalag und dein Vater es unterm Sessel hervorgezogen hat, auch *g*
· 4. Dezember 06 · 13:41
chris [d-frag.de] meint:
Glückwunsch, Gloomy, du hast den versteckten Fehler gefunden! :)

Danke, habs korrigiert.
· 4. Dezember 06 · 14:00
Björn meint:
Aber dieses Jahr wird wohl das Wii Zelda die W.zeit "erweitern".

Mein Weihnachtsklassiker in Sachen TV ist und bleibt "Weihnachten bei den Hoppenstedts" von Loriot. Ganz ungemütlich möchte ich darum zum Thema Spiele auch anmerken, dass ich das Bedürfnis bekomme bis Januar durchzuschlafen, wenn ich mir überlege wie oft ich wohl noch das Wortspiel "Wiinachten" lesen muss, bis der Advent endlich vorbei ist...
· 4. Dezember 06 · 18:14
hape meint:
mir fällt zu Weihnachten spontan Ishar 3 ein, ein Rollenspiel, das mein Vater uns damals aus so ner Fünf-Mark-Pro-Spiel-Serie geschenkt hat, und das ich die ganzen Ferien gespielt hab, weils irgendwie toll war. Diese alten Rollenspiele, bei denen man nur schrittweise gehen konnte und die eine beschissene Grafik hatten, waren irgendwie toll, die haben die Fantasie viel mehr angeregt. Bei Oblivion komme ich zwar ständig ins Stauenn, wenn ich durch die Spielwelt laufe, aber die Fantasie regt es nicht so stark an.
· 4. Dezember 06 · 19:43
Shooterhonk meint:
Habe mir so ungefähr um die Jahrtausendwende (müßte tatsächlich Weihnachten 1999 gewesen sein) selbst eine psx mit spyro the dragon geschenkt und dann die kompletten weihnachtstage inklusive heiligabend durchgezockt. damals hatte ich überhaupt keinen bock auf weihnachten mit meinen eltern und hab mich komplett geweigert, das besinnliche fest zu feiern. unrühmliche erinnerung, aber eine tolle spielezeit damals.
· 4. Dezember 06 · 21:01
Jan meint:
Chris du hast mich inspiriert.
Mein Beitrag zum Thema.
· 4. Dezember 06 · 21:47
Frithjof meint:
1987 hab ich mit meinen Brüdern den Amiga zu Weihnachten geschenkt bekommen und in der Heiligen Nacht bis 4h heimlich FIRE POWER gespielt.
Was ein Nervenkitzel die Fahne zu suchen, vom großen Bruder verfolgt zu werden, fies gelegten Mienen auszuweichen und dabei von den christlichen, pazifistischen Eltern erwischt werden zu können.
· 4. Dezember 06 · 23:47
chris [d-frag.de] meint:
@Jan: Gern geschehen. Sorry, dass die Trackbacks immer noch nicht funktionieren... *argh*

@Björn: ...wie oft ich wohl noch das Wortspiel "Wiinachten" lesen muss, bis der Advent endlich vorbei ist...

»Super Gruppenname!«, frei nach M. Goldt.
· 5. Dezember 06 · 00:15
Phil meint:
Ich kann mich erinnern, dass ich, immer wenn's kalt war, Super Metroid oder Terranigma gezockt habe und auch heute, als ich meine Kerzen anmachte, verspürte ich einen kleinen Super Metroid-Drang.

Ansonsten sind beide PSX-Oddworlds heiße Kandidaten für die kalten Tage.
· 5. Dezember 06 · 01:41
Definitiv Baldurs Gate II.
Hab ich damals zu Weihnachten bekommen.
Bis Silvester bin ich nur noch zum Essen vom Rechner weg.
· 5. Dezember 06 · 08:32
teppi meint:
Also ich spiele immer noch hin und wieder Counterstrike (1.6) und bisher liefen eigentlich jedes Jahr zur Weihnachtszeit spezielle Weihnachtsmaps auf einigen Servern. Ich fand das eigentlich immer ganz nett ...

Huhu @laZee :-)
· 6. Dezember 06 · 09:34
samira meint:
Kreon meint:
so blöd es klingt, Zelda Ocarina of Time und Zelda Majoras Mask.
Ich weiß noch als Bescherung war und ich mich so auf OoT gefreut habe, ich bin ins Zimmer gestürmt und meine Eltern waren so fies und haben das Spiel unter dem Sessel versteckt, man war ich erstmal enttäuscht, ich hätte heulen können, als es nicht dalag und dein Vater es unterm Sessel hervorgezogen hat, auch *g*


Ich SCHWÖRE dir meine Eltern haben genau die selbe Nummer gebracht! Bei mir war es die Mama die das Teil unter der Kommode hervorgezaubert, nachdem ich bereits Lippenzitternd, kleine Kuller Tränen weggeblinzelt habe.

A propos Mama: Ihr verdanke ich dass ich zur Winter/Weihnachtszeit immer an Donkey Kong 1 auf der SNES denken muss. Ihr verdanke ich überhaupt Nintendo-Verfechter geworden zu sein. Danke Mama.
Es war so (*hier sich Veschwimmende Bilder mit Retrospektiv-Thema zur Visualiserung einer Rückblende vorstellen:)

Es begab sich Anfang der neunziger zur einbrechenden Winterzeit, dass der Nachbarsjunge, Paul Woskolski, zu seinem Geburtstag eine Sega bekam. In Begleitung eines blauen Igels.
Da unsere Mütter sich wunderbar verstanden und Babysitter teuer waren wurde ich in regelmäßigen Abständen bei den Woskolskis geparkt. Anfangs noch genervt von Kling-Kling welches das Sonic-Ding machte wenn es in Lichtgeschwindigkeit Münzen in Loopings sammelte, wurde ich mit jedem Besuch mehr zu dieser bunten Bilderwelt aus Pixeln und Grafiken hingezogen.
Die Situation eskalierte als ich (damals 10) Paul (14) mit meiner Barbie zu verprügeln versuchte, um auch spielen zu dürfen. Ich durfte ihn (respektive seine Konsole) nicht mehr besuchen, aber wenigstens erkannten meine Eltern zu Recht einen Hilfeschrei in meinem Verhalten.

Aber den Wunsch mit einer Konsole zu kaufen erfüllten sie mir nicht (damals eine großes Trauma für mich. Habe heute noch Sitzungen um das zu verarbeiten.)
Die Gründe waren nicht finanzieller Natur, es war auch nicht so dass sie bereits etwas hatten. Nein, die Argumentation meiner Mutter (welche immer die Geschenke organisierte) : “Ich finde das irgendwie nicht ästhetisch. Was soll das sein? Ein blauer Igel etwa?”
Ästhetik als Kaufargument für oder Gegen Kindergeschenke? Öfff. Hierzu muss ich erklären: meine Eltern sind eine Art verkapptes Hippie Künstler Pärchen mit Vorliebe für Fassbinder und David Lynch filmen, welche in jedem Kronkorken existenzielle Philosophie à la Camus vermuten und 12-Ton Musik als schön empfinden. Mit dieser Sichtweise macht es sogar Sinn warum ich zwar Barbies bekam aber eben kein Sonic.

Da meine Eltern mich nun in meiner Pixelsucht nicht unterstützen wollten, musste ich mir andere Dealer suchen - und frequentierte deshalb regelmäßig das Kaufhaus zum Probespielen. Damals waren noch Sega und SNES in arger Konkurrenz zu einander, weshalb die Videospielecke farblich geteilt war in Blau für Sega und Rot für Nintendo. Meine Augen leuchteten natürlich blau, denn ich hatte nur welche für the Hedgehog.
Meine Mutter, die bemerkt hatte dass ich die Nachmittage immer seltener daheim verbrachte und im Schlaf die ganze Zeit “schneller, mehr Münzen, schneller” murmelte, machte sich zusehends mehr Sorgen - bis sie sich entschloss mich zu verfolgen.
Groß war ihre Erleichterung als meine Route sie in die Spielzeugabteilung führte (und nicht etwa auf Schwarzhandelmärkte oder in Rotlichviertel).
Größer war jedoch ihr Schock als sie mich im Licht der blauen Dekoration wie besessen wieder diesen geschmacklosen Kitsch spielen sah. Wie sollte sie mich wieder auf die Bahn von schöner Malerei, großer Artisten und Inspiration bringen?
Hilfesuchend blickte sie umher - und plötzlich…in der roten Ecke… was war das?

Wie jemand der aus Platons Höhle ins Licht tritt, und nun die Wahrheit erkennt, kniff sie geblendet die Augen zusammen. Fein gezeichnete Figuren. Spiele mit Licht und Schatten. Satte Farbspektren mir mehr als nur 8 Nuancen. World-Ethno-angehauchte Musik mit Caraccas, Banjos und Sitaren. Buchstaben welche zusammengesetzt Wörter wie “Selten” ergaben.

Als sie begriff was sie sah, breitete sich unbändige Begeisterung aus. Da war sie! Die Lösung! Die Offenbahrung! Kunst! Ästhetik!
Ihre Augen funkelten rot.
Sie durfte gerade an der ersten Vorführung von Donkey Kong Country teilhaben. Diese Palmen, dieser Himmel, die Regentröpfchen. Und vor allem diese unglaublich und dreidimensional animierten Affen.
Ja, das war wahre Kunst.
Sie stürmte in die Blaue Ecke, riß mich vom Monitor, und schrie mich an dass ich eine SNES bekommen würde und basta.

Ich, oh ich Ignorantin, ich Dilettantin, ich Unwissende ich, verstand damalsdas Ausmaß ihrer Worte nicht. Ich dachte es wäre ein Witz, Blüte des perversen Humors meiner Eltern (sowie das hässliche Holzspielzeug was ich stets bekam), eine Art Bestrafung. Was soll ich den mit einer dämlichen SNES? Ich wollte Sonic. Mein Herz schlug blau!

Zaghaft öffnete ich zu Weihnachten das eckige Päckchen, hin und hergerissen zwischen Hoffnung und Panik. Und tatsächlich - eine SNES. Mit Donkey Kong. Einem Affen. Einem dämlichen, hässlichen Affen. Hat doch ein Grund warum das als Schimpfwort genutzt wird! Aber “du dämlicher Igel” hatte ich noch nie gehört. (Arguemntation einer 10-jährigen) Wie konnten meine Eltern nur?

Vorwurfsvoll starrte ich meine Eltern mit giftig funkelnden Augen an. Die drei Weihnachtstage redet ich kein Wort mit Ihnen. Das Paket lag ungeliebt in einer Ecke im Flur. Neben dem Müll, den mein Vater immer vergaß mit runter zu nehmen. (Mein Mutter hat es zwar ein paar mal in mein Zimmer gestellt, ich kickte es jedoch trotzig immer wieder in den Flur. (Kinder können ja so grausam sein.))

Dann, in der Nacht vom 26. Zum 27, ich hatte gerade geschlafen , geschah etwas merkwürdiges. Ich war aufgewacht weil ich seltsame Geräusche aus dem Wohnzimmer vernahm. Und ein Flackern. Ich hörte meine Eltern giggeln. Und Trommeln. Und - langsam ahnte ich etwas - Affen Lauten. Ich späte durch die Tür und sah es. Die Offenbahrung! Kunst! Ästhetik!
Meine Augen funkelten rot.
Ich durfte gerade das erste mal Donkey Kong Country sehen, war ich doch zuvor immer mit Scheuklappen daran vorbeigelaufen ohne es wahrgenommen zu haben.
Diese Palmen, dieser Himmel, die Regentröpfchen. Und vor allem diese unglaublich und dreidimensional animierten Affen.
Ja, das war wahre Kunst.
Ich stürmte zu meinen Eltern, welche gerade spielten, riß Ihnen den Controller aus den Händen und schrie sie an meine Konsole in Ruhe zu lassen und basta.

Seitdem schlägt mein Herz Nintendo.
· 6. Dezember 06 · 15:09
chris [d-frag.de] meint:
Oooh ja, klasse Geschichte! :)
· 6. Dezember 06 · 20:16
Shooterhonk meint:
Habe Tränen der Verzückung ob einer solch ergreifend schönen geschichte in den Augenwinkeln.
:°)
· 7. Dezember 06 · 09:46
Hans H. meint:
Für immer und ewig der Weihnachtsklassiker:

Castle of Illusion, natürlich auf einem original Mega Drive!

Nun endlich in der 2.ten Generation, die Kinder haben es übernommen.
· 7. Dezember 06 · 13:00
viry kem meint:
boa...
was würd ich fürn teller pulsnitzer pfefferkuchen geben!

ich geb zu der beitrag ist nicht hoch qualifiziert..
trotzdem bestes aus kopenhagen.
· 7. Dezember 06 · 13:26
chris [d-frag.de] meint:
Grüße zurück. :)
· 7. Dezember 06 · 14:45
Joachim meint:
wirklich ein sehr schönes Layout! Kompliment!
Grüße
Joachim
· 8. Dezember 06 · 07:42
EmmJay meint:
Ich habe gestern nochmal mit Lands of Lore 1 angefangen. Ansonsten ist aber mein All-Time-Kann-Man-Immer-Nochmal-Spielen-Klassiker Secret of Mana. Das ist toll! ;)
· 8. Dezember 06 · 08:57
Jan(TM) meint:
Tetris, Mahjong, Frozen Bubble kram ich in der Zeit immer raus. Früher auch gern Spiele wie Hexuma - kenn kein aktuelles Spiel das dem von der Stimmung nahe kommt. Musik von Chris Hülseck, neben dem Handbuch lag sogar noch ein Stein mit in der Box.
· 14. Dezember 06 · 13:14
@Samira: *schnüff*, Wunderschön!

Erinnert sich noch jemand an "Attic Attack" vom ZX Spectrum? Das war mein erstes richtiges Videospiel...
· 2. Januar 07 · 18:29

Kommentare sind für diesen Beitrag geschlossen.

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