Detailteufelchen

von chris · 29. November 06 ·

BMIForsa hat im Auftrag des stern über eintausend Personen zu Egoshootern befragt und kam zu folgendem Ergebnis: »Die große Mehrheit der Bundesbürger ist der Meinung, dass "Killerspiele", wie sie auch der Amokläufer von Emsdetten nutzte, für die zunehmende Gewalt an Schulen mitverantwortlich sind.« (Vorabmeldung)

Nun bringt uns die Privatmeinung auch tausender Bürger in der Frage möglicher Zusammenhänge zwischen realer und virtueller Gewalt ohne entsprechende Indizien und Beweise kein Stück weiter, deshalb lassen wir die offensichtliche Aussage des obigen Satzes bitte links liegen. Viel interessanter ist, wie die Forsa im letzten Halbsatz den Befragten eine Mutmaßung einfach als Fakt unterschiebt. Die Rede ist von »zunehmender Gewalt an Schulen«.

Ich zitiere aus dem aktuellen »Periodischen Sicherheitsbericht« (Seite 354ff.) des Innen- und des Justizministeriums. Die dort getroffenen Aussagen gelten für den Zeitraum von 1998 bis 2005, die Hervorhebungen stammen von mir:

Weder für die Gewalt an Schulen noch für die Gewalt junger Menschen im öffentlichen Raum sind Zuwächse zu erkennen. […] Anhaltspunkte für eine Brutalisierung junger Menschen sind weder den Justizdaten noch den Erkenntnissen aus Dunkelfeldstudien oder den Meldungen an die Unfallversicherer zu entnehmen. Es zeigt sich vielmehr im Gegenteil, dass in zunehmendem Maße auch weniger schwerwiegende Delikte, die nur geringe Schäden und keine gravierenderen Verletzungen zur Folge hatten, zur Kenntnis der Polizei gelangen.

Ein starkes Medienecho finden immer wieder Fälle massiver Gewalt an Schulen. Printmedien, aber auch Funk und Fernsehen haben mehrfach Einzelfälle im Detail nachgezeichnet und von dort ausgehend Generalisierungen vorgenommen. Regelmäßig wird der Öffentlichkeit nahegebracht, dass die Gewalt junger Menschen, insbesondere an Schulen, sowohl quantitativ ansteige als auch zunehmend brutaler werde.

Brettfeld und Wetzels stellten […] auf Basis von Opferbefragungen Jugendlicher für Hamburg fest, dass parallel zu einem Anstieg der Anzeigequote die Tatschwere der von Opfern polizeilich angezeigten Gewaltdelikte zwischen 1998 und 2000 signifikant zurückgegangen ist. Gleichzeitig nahm die Befürwortung von Gewalt sowohl unter Jugendlichen als auch unter ihren Bezugspersonen deutlich ab. Ähnlich sind die Resultate aktuellerer Studien aus den Jahren 2004 und 2005. Dies deutet darauf hin, dass es zu Veränderungen von Problembewusstsein, Sensibilitäten und Bewertungen insbesondere im Bereich der Gewaltdelikte gekommen ist.

Zur Gewalt an Schulen zeigt eine 1994 und 1999 mit gleichem Erhebungsdesign und -instrument bei Schülern der Jahrgangsstufen 5 bis 13 durchgeführte Erhebung, dass es in Bayern in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre nicht zu einer Zunahme der physischen Gewalt unter Schülern gekommen ist. Physische Gewalt, Gewalt gegen Sachen sowie psychische Gewalt sanken danach sogar geringfügig, statistisch nicht signifikant ab, während die verbale Aggression zunahm. In einer dritten Welle im Jahre 2004 finden sich im Vergleich zu 1999 dann Rückgänge, die insgesamt zu einer deutlichen Abnahme der Gewalt an Schulen seit 1994 führen. Es lassen sich keine Anhaltspunkte dafür finden, dass sich die Situation generell verschärft haben könnte.

Noch Fragen? Falls ja, ist der Bericht in Gänze durchaus sehr lesenswert.

Laut der Forsa halten also 72 Prozent der Bundesbürger »Killerspiele« für mit verantwortlich für ein nicht existentes Phänomen. Es lebe die Konsensrealität.

Tom meint:
chris (ich duz dich einfach mal, mehr weiß ich ja nicht von dir):

du hast meinen vollsten respekt, ich hab d-frag als magazin für alternative spielberichterstattung kennengelernt, aber inzwischen ist d-frag für mich ein wichtiges korrektiv-kollektiv der medienwelt.

danke dafür
· 29. November 06 · 16:15
teppi meint:
Schade, dass auf der Jagd nach Schlagzeilen, Topstories und unglaublichen Geschichten das eigentlich Wichtige, nämlich die Wahrheit, auf der Strecke bleibt.

Wer mal wieder lachen möchte, sollte sich den Pressekodex des Deutschen Presserats ausdrucken und neben eine Boulevardzeitung der eigenen Wahl legen ...
· 29. November 06 · 16:16
Jeremy meint:
Wie markus auf netzpolitik.org schon sagte:

Man muss nur eindimensionalen Unsinn möglichst oft gebetsmühlenartig wiederholen, dann glauben es auch genug Menschen.

Das von dir genannte Phänomen gilt übrigens für fast alle Verbrechen. Die eigentliche Quote geht zurück - aber dafür steigt die Berichterstattung (und die damit verbundene Generalisierung) nur um so mehr.

Schöne neue Welt.
· 29. November 06 · 16:19
chris [d-frag.de] meint:
Wobei es bei Markus ja in erster Linie um den Zusammenhang zwischen virtueller und realer Gewalt geht, also um die eigentliche Fragestellung. Darum habe ich mich gar nicht gekümmert.

Mir gehts darum, dass der "Fakt" von der zunehmenden Gewalt an Schulen gerade überall unreflektiert abgeschrieben wird. Beispielsweise bei Golem.de und GameStar. Selbst bei heise.de hat man die Formulierung einfach so übernommen.

Und das, Entschuldigung, kanns einfach nicht sein. Hat mit der Fragestellung oder mit Computerspielen an sich gar nichts zu tun. Hier wird in einem Nebensatz aus Quatsch Fakt und die wenigsten merken das.
· 29. November 06 · 16:30
imYemeth meint:
Der Terminus "Killerspiele" legt zudem ja auch irgendwie eine Antwort nahe.

---

"Man muss nur eindimensionalen Unsinn möglichst oft gebetsmühlenartig wiederholen, dann glauben es auch genug Menschen."

Die Werbeindustrie würde in Jubelschreie ausbrechen wenn das so stimmen würde.

· 29. November 06 · 16:36
DocTriv meint:
Ich muss mich meinen Vorrednern anschließen: Ein hervorragender Beitrag. Von dieser Art von Medienkompetenz - sich selbst Primärquellen zu besorgen und verbreitete Aussagen daraus überprüfen - kann man ja nur träumen, es scheitert ja in der Masse beim Reflektieren von Meldungen.

PS: Der "Killerspiel"-Begriff ist scheinbar absolut eingebürgert; habe in den letzten Tagen mehrere Beiträge gesehen, wo der Begriff so eingesetzt wurde, als sei völlig klar, was damit gemeint ist. Aber daran krankt ja auch die ganze "Debatte" - was sind genau "Killerspiele"?!

PPS: Ich hatte mir auch mal zu Kontraste und Hart aber fair Gedanken gemacht (http://homisite.twoday.net/stories/2975152).
· 29. November 06 · 18:33
srm meint:
Gut berichtet. Besonders der Kontext zum »Periodischen Sicherheitsbericht« liegt nicht für jeden offensichtlich da. Mir wäre nicht eingefallen mich dementsprechend zu informieren um mir mein mulmiges Gefühl zum Ergebnis besagter FORSA-Umfrage zu erklären.
Aber das ist echt gut!
Danke.
· 29. November 06 · 18:50
Genauso weltfremd wie die Entscheidung der Bundesländer die GEZ Gebühr auch auf "Internet PCs" auszuweiten.

Auch Beton kann brennen.
· 29. November 06 · 19:03
Aramir meint:
Übrigens, so sehr man an Prof. Pfeiffers derzeit vertretenen Meinung zum Thema "Killerspiele" anstoss finden mag, dass die Medien falsche Tatsachen vorgaukeln, wenn es um den Verlauf von Kriminalitätsstatistiken für das letzte Jahrzehnt geht, hat er schon seit langem erkannt und kritisiert:

http://kfn.de/daemonisierung.pdf und http://kfn.de/offenerbrief.pdf

· 29. November 06 · 19:18
chris [d-frag.de] meint:
@DocTriv: Von dieser Art von Medienkompetenz - sich selbst Primärquellen zu besorgen und verbreitete Aussagen daraus überprüfen - kann man ja nur träumen, es scheitert ja in der Masse beim Reflektieren von Meldungen.

Aber das Schöne ist ja eigentlich, dass dieser Zugriff auf Quellen Dank des Internets heute so einfach ist wie nie zuvor.

@Aramir: Sehr interessante Links. Ich gebs ehrlich zu, ich weiß einfach nicht, was ich von Pfeiffer halten soll. Manches von dem, was er sagt, ist ja völlig richtig, ein Bemühen um Differenzierung ist bei ihm im Vergleich zu vielen anderen noch festzustellen, aber trotzdem... trotzdem kommt immer noch so viel Murks bei raus.
· 29. November 06 · 22:26
imYemeth meint:
Aber das Schöne ist ja eigentlich, dass dieser Zugriff auf Quellen Dank des Internets heute so einfach ist wie nie zuvor.

Naja, aber bei steigender Informationsvielfalt nimmt die Bedeutung von Metamedien zu. Niemand ist schon rein zeitlich in der Lage alles zu recherchieren, zu überprüfen oder überhaupt erst in Erfahrung zu bringen. Das macht Korrektive um so wichtiger...
· 29. November 06 · 22:48
scholt meint:
Zum Thema Umfragen kann man auch auf Youtube mal nach "Wulf Assols" suchen ...
· 30. November 06 · 00:16
bigdino meint:
@Aramir

Interessant:
Der gleiche Pfeiffer, der vermeldet, daß die Kriminalität sinkt, macht Killerspiele für die Gewalt verantwortlich.
Hey! Moment mal!
Der erkennt den Zusammenhang nicht!
Offensichtlich sinkt die Kriminalität, wenn die Killerspiele zunehmen!

Und ich fragte mich schon, warum die Japaner bei ihren Filmen und Spielen so eine geringe Mordrate haben (Gruß an Michael Moore).

Mein Vorschlag: Eine Killerspiel-Zwangs-Verordnung!
Alle MÜSSEN killerspielen!
Und schon ist die Kriminalität auf Null!

Aber mal ernsthaft:
Ist euch schon mal aufgefallen, daß fast nur Innenminister zur Hatz blasen? - Also diese Polizeistaat-Überwachungs-ÜberallTerror-Typen?
Die haben doch sicher etwas gegen eine geringe Kriminalität.
(Ein Schelm, wer Böses denkt ;-) )
· 30. November 06 · 00:29
ben [d-frag.de] meint:
Mann soll ja weder seinen Mitbürgern und schon gar nicht von den eigenen Lesern Schlechtes denken, aber gegen die Art von Umfragen des Sterns gibt es ein gewichtiges Argument: die Mehrheit der Deutschen ist ebenfalls für die Wiedereinführung der Todesstrafe.

[Ich versuch' mal für diese Behauptung auch eine Quelle zu finden.]
· 30. November 06 · 09:32
ben [d-frag.de] meint:
Achso: Danke Chris, auch wenn einem bei sowas die kalte Galle hochkommt, Danke!
· 30. November 06 · 09:38
laZee meint:
Oh man, und in meiner post-jugendlichen Naivität hatte ich angenommen, dass zumindest Umfragen etwas weniger manipulativ sind.

Beim Erfurter Amoklauf hab ich den Glauben an seriöse Berichterstattung vollends verloren ("seriöse" Zeitungen die einfach nur Müll nachgeplappert haben) und dieser Amoklauf ändert meine Ansichten zu den großen Meinungsforschungsinstituten.

Irgendwie komisch. Jeder Spiele-related Amoklauf ändert meine Ansicht zu Medien. Vielleicht werde ich erwachsen.

Im Grunde war diese Umfrage doch nur eine Überprüfung wie effektiv Massenmanipulation durch Medien funktioniert.
· 30. November 06 · 10:19
chris [d-frag.de] meint:
Ja, Ben, versuch das mal. :) So ganz glauben kann ich das nämlich nicht.
· 30. November 06 · 11:28
SpielerZwei meint:
Schön rausgesucht, Chris. Das meine ich nicht ironisch. Viele Leuten beschäftigen sich ja heute anscheinend nicht gerade mit empirischen Daten. Obwohl für jeden frei zugänglich. Gerade Politikern scheint das zunehmend zu lästig zu sein.
Ich stöbere aus beruflichen Gründen recht oft in offiziellen Bundes- und Polizeistatistiken herum und kenne diese Zahlen.
Aber was nützt einem dieses Wissen? Es will doch keiner hören, dass z.B. die Rentner, welche am meisten Angst davor haben, Opfer von Straftaten Jugendlicher zu werden, diejenigen sind, die statistisch am seltensten überfallen werden.
Sowohl große Teile der Öffentlichkeit, als auch der Politiker in diesem Land sind nicht mehr an der objektiven Wirklichkeit interessiert. Im Grunde leben sie in der virtuellen Fantasiewelt, die sie den Spielern attestieren.
Aber egal. Das will keiner hören.

Ich habe mich seit Robert Steinhäuser nicht mehr ernsthaft an dieser Debatte beteiligt, weil ich es einfach leid bin. Sollen sie halt ihre "Killerspiele" (whateverthatmeans) verbieten. Es kratzt mich nicht. Es sollte allerdings die kratzen, die als nächstes als Sündenbock herhalten müssen. Vielleicht gerät ja gerade das Fernsehen wieder ins Visier...
Das wäre dann wohl ein klassisches Eigentor gewesen...
· 30. November 06 · 17:01
Robin S. a.k.a. MakeAMillYen meint:
>>>Sowohl große Teile der Öffentlichkeit, als auch der Politiker in diesem Land sind nicht mehr an der objektiven Wirklichkeit interessiert. Im Grunde leben sie in der virtuellen Fantasiewelt, die sie den Spielern attestieren.>Sollen sie halt ihre "Killerspiele" (whateverthatmeans) verbieten. Es kratzt mich nicht.
· 30. November 06 · 17:32
chris [d-frag.de] meint:
Sowohl große Teile der Öffentlichkeit, als auch der Politiker in diesem Land sind nicht mehr an der objektiven Wirklichkeit interessiert. Im Grunde leben sie in der virtuellen Fantasiewelt, die sie den Spielern attestieren.

Deshalb die "Konsensrealität". Mich erinnert das ganz stark an Planescape: Torment, in dessen Welt Dinge real werden, sobald nur genügend Menschen daran glauben.

Björn hatte neulich auch ein gutes Beispiel: Die "gefühlte Bedrohung" durch die Vogelgrippe. Kurzzeitig in allen Medien und in aller Munde, interessiert sich heute kaum noch jemand dafür. Obwohl sich ansonsten wenig geändert hat, die Gefahr einer Pandemie ist ja nicht aus der Welt.
· 30. November 06 · 18:03
EmmJay meint:
Problematischerweise verhilft die gesteigerte Medienberichterstattung über diese schulinternen Gewaltfälle dem Thema im allgemeinen Bewusstsein zu einem gesteigerten Bewusstsein. Und das gesteigerte Bewusstsein wird im Allgemeinen mit einem Anstieg der Gewalttaten gleichgesetzt.

Außerdem spielt in dieser Umfrage ein anderer Effekt, der als "Experimenter Demand Effect" bekannt ist, mit. Die Befragten glauben, die Experimentatoren würden von ihnen eine bestimmte Antwort erwarten, und kreuzen diese mit einer größeren Wahrscheinlichkeit an, obwohl sie vielleicht gar nicht wirklich dieser Meinung sind.

Aber solche Details werden in der Ergebnisdarstellung immer unterschlagen, das kennen wir schon.
· 30. November 06 · 18:19
imYemeth meint:
Das zu kritisieren ist richtig und wichtig, aber man sollte sich auch darüber klar sein dass man daran nicht viel ändern kann. Fakten und Statistiken sind schön und gut, aber sie berühren das Lebensumfeld des einzelnen nicht. Wer jeden Morgen an einem Telefonshop vorbei läuft vor dem ein paar Schwarzafrikaner stehen, der wird den Anteil Ausländischer Bürger seiner Stadt höher einschätzen als er in "Wirklichkeit" ist.

Realität ist im konstruktivistishen Sinne immer "Konsensrealität", und am Beispiel der gefühlten Gewalt ist es seit Jahren (Jahrzehnten?) so dass die Leute sich tendenziell bedrohter fühlen. Das liegt nicht nur an den Nachrichten, den Dokus Krimis und Thrillern sondern denke ich auch daran dass man durch die modernen Kommunikationsmittel heute viel "näher dran" ist, auch wenn man nicht selber, sondern Familie, Freunde oder entfernte Bekannte Opfer von Gewalttaten geworden sind. Man kann das auch nicht so einfach als "falsch" abtun und auf die Fakten verweisen, die Ängste der Leute sind real, selbst wenn sie auf einer verzerrten Wahrnehmung beruhen.

· 30. November 06 · 19:44
bigdino meint:
Ich denke, es liegt eher an den Medien!
Vor den modernen Kommunikationsmitteln hat man lediglich mitbekommen, was ein oder zwei Orte weiter passierte.
Heute bekommt man live geliefert, was irgendwo, weit weg, passiert.
Entsprechend fühlt man sich eher bedroht.
Die Art, wie die Medien das dann noch aufbauschen erledigt dann den Rest.

Die Welt ist für jeden so, wie man sie subjektiv wahrnimmt!
· 30. November 06 · 22:14
Christian meint:
Was in diesem Zusammenhang mindestens genauso spannend ist: es gibt auch einen großen Reigen Politiker wie bspw. der Bremer Bildungssenator Willi Lemke, die nicht in den Kanon der Killerspiel-Bezichtiger mit einstimmen und die Betonung auf die soziale Misslage solcher Täter legen.

Bleibt abzuwägen, ob dies erste Anzeichen dafür sind, dass diese Leute verstanden haben, dass nicht jeder Mißt verbreitet werden kann, ohne dass in irgend einem Blog eine detaillierte Widerlegung auftaucht und der Bullshit auch als solcher entlarvt wird.
· 1. Dezember 06 · 06:06
chris [d-frag.de] meint:
Das Drama geht weiter: GameStar hat Uwe Schünemann interviewt.

Absolut eine verpasste Chance. Das geht schon mit der ersten Frage los. Wie kann man ihn fragen, was ein "Killerspiel" eigentlich ist und dann auf seine Antwort, das wären Gewalt verherrlichende Spiele, überhaupt nicht eingehen? Gewaltverherrlichende Spiele sind bereits verboten, aber auch bei der GameStar scheint sich das noch nicht bis zum letzten Redakteur durchgesprochen zu haben.

Gegen die Zeitschrift hab ich sonst gar nichts, ich lese sie ganz gern und finde auch ihre Berichterstattung zu Emsdetten gelungen. Generell. Aber bei diesem Interview... ich hätte schon nach der ersten Frage Wetten abschließen können, wer es geführt hat, und ich hätte gewonnen. Mein GS-Lieblingsredakteur. Wenns mal wieder eine missglückte Umfrage, ein nicht ganz so gut recherchiertes Special oder einen bemüht witzigen Test zu beklagen gibt, setzt auf ihn, die Chancen stehen gut…

· 1. Dezember 06 · 15:41
imYemeth meint:
Das Interview ist ja wirklich mehr als traurig. Keine brauchbare Gegenfrage, im Prinzip betet der Herr Schünemann dort nur seine Position herunter...
· 1. Dezember 06 · 15:55
Aramir meint:
Also für mich sieht das nicht nach nem Interview, sondern einfach nur nach nem simplen Fragenkatalog aus, den der Herr Graf da dem Herrn Schünemann wohl per Email zur Beantwortung überlassen hat ...
· 1. Dezember 06 · 23:41
Björn meint:
Wusste ich doch, dass ich neulich zu dem Thema (gefühlte Gefahr, nicht mittelprächtige Gamestar-Redakteure) was von Heribert Prantl in der Süddeutschen gelesen hatte:

"Warum das so ist? Erstens hat die Politik der inneren Sicherheit viele Jahre lang nach dem Motto "Alles wird immer schlimmer" gearbeitet und sich aus den Statistiken nur die Zahlen und Kriminalitätsbereiche herausgepickt, die in dieses Schema passten; so wurden immer schärfere Gesetze und Grundrechtseingriffe begründet: Die Kriminalität sank, aber der Politik passte das nicht.

Die Gewerkschaft der Polizei arbeitet noch immer so: Sie betrachtet Angstpolitik als Standespolitik, mit der sie ihre (berechtigten!) Anliegen besser durchsetzen kann. Und für die staatliche Anti-Terror-Politik ist die Angst nach wie vor eine Autobahn für Sicherheitsgesetze.

Zweitens ist die horrende Kriminalitätsangst eine Resultante der medialen Darstellung von Kriminalität. Das Spektakuläre, das Angstmachende wird vergröbert und vergrößert. Vor allem das Fernsehen vermittelt die Vorstellung von einer Kriminalität, die nicht in der Gesellschaft entsteht, sondern ihr von außen angetan wird.
"

Es hat schon seinen Grund, warum ich die Leitartikel vom Prantl gerne lese. Den Leitartikel kann man prima auch auf die Videospieledebatte umbiegen. Panik schüren, Härte zeigen, Gesetze durchkloppen. Gleiche Masche. (Siehe derzeit die Moral Panic rund um Rule of Rose.)

Schön auch Prantls Schlusssatz:

"Eine Innenpolitik aber, die auf Angst nur mit falschen Verheißungen (also immer neuen Gesetzen) antwortet, disqualifiziert sich nicht minder. Sicherheit entsteht nicht wie beim Bleigießen, wo man die Masse am Kochen hält und dann in eine Form gießt. Innerer Frieden entsteht anders. Unter anderem dadurch, dass man das Recht in Frieden lässt."
· 2. Dezember 06 · 00:55

Kommentare sind für diesen Beitrag geschlossen.

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