Es geht wieder los

von ben · 20. November 06 ·

Laut einem Zeitungsbericht soll der Amokläufer nach Schüler-Angaben ein fanatischer »Counterstrike«-Spieler gewesen sein. Das Computerspiel wird oft als gewaltverherrlichend kritisiert.
(ZEIT online)

Ich bin müde. Ich kann sie schon hören, die Chöre der Unionsjournalisten und Christpolitiker, der Abgeordneten aus der zweiten Reihe, die bald schon zum großen Verbots-Crescendo anheben werden. Aber ich habe keine Lust mehr, dagegen zu diskutieren. Ich bin es leid. Es nutzt ja offensichtlich nicht viel. Wir predigen nur zu den Bekehrten, die anderen haben ihre Meinung schon. Irgendwann werden sie vielleicht zur Minderheit der Ewiggestrigen gehören. Bis dahin darf ich die nächsten 14 Tage keine Nachrichten sehen und keine Zeitungen lesen – am besten auch keine Online-Zeitungen. Und hoffen auf die normative Kraft des Faktischen.

Das einzigste, was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe, war, dass ich ein Verlierer bin.
(Aus dem Abschiedsbrief)

Terr meint:
Als ich heute wieder gehört hab, das der erste SPD mann sich jetzt für ein Killerspielverbot aussprach, musste ich wieder lachen.
Er hat Counterstrike gespielt!!!
Ich hab schon seit Tagen nicht mehr gelacht.
· 20. November 06 · 21:08
Björn meint:
Was mich wirklich erschreckt hat, war das meine erste Reaktion nicht war "Scheiße, die Sache ist schrecklich" sondern nur ein genervtes "Jetzt geht das schon wieder los"... *sigh*
· 20. November 06 · 21:36
izanagi meint:
Ging mir genauso. Leider. Ich bin müde...
· 20. November 06 · 21:50
imYemeth meint:
Counterstrike... wow. Und das spielen in der Altersgruppe 30% der Jungen? 20%? Und wieviele spielen überhaupt "Gewaltspiele"? 90%?

Müde man wird...
· 20. November 06 · 21:58
chris [d-frag.de] meint:
"Das Computerspiel wird oft als gewaltverherrlichend kritisiert."

Klar. Counterstrike. Unglaublich, dass man sowas drucken darf.

"Laut einem Zeitungsbericht... nach Schülerangaben..."

Oder auch: Der Freund eines Freundes hat einen Bekannten, der gehört hat, dass... unglaublich, dass man sowas drucken darf.

Und volle Zustimmung zu Björn. Es ist erschreckend und ich versteh auch, dass Leute hinterher nach Erklärungen suchen. Suchen müssen. Aber man wird dem Umfang der Tat und dem Grauen einfach nicht gerecht, wenn man immer gleich zu der einfachsten "Erklärung" greift. Mit dem Resultat, dass auch ich zuerst dachte "Na toll, die Hetzjagd auf unser Hobby ist wieder eröffnet" und nicht "Schlimme Sache". Ich wünschte, es wäre anders.
· 20. November 06 · 22:06
suicide meint:
Es wird leider so weit kommen, dass es zu einem Verbot kommt. Wie auch immer die Politiker "Killerspiel" definieren werden. Sie werden dann aber schnell merken das die eigentlichen Probleme wo ganz anders liegen.
Wenn jemand an Baupläne für Bomben rankommt, dann wird mir wohl keiner erklären können, dass dieser zu doof ist ein Spiel aus dem Internet herunterzuladen. Gut Nacht Deutschland!
· 20. November 06 · 22:55
quas meint:
http://www.keinmensch.de/
Kompletter Brief
· 20. November 06 · 22:56
imYemeth meint:
Wenn das so stimmt (was ich nicht beurteilen kann), dann liest sich der Brief schwer durcheinander: Alles ist sinnlos, aber Rache soll einen Sinn ergeben?

"damit mich nie wieder ein Mensch vergisst!"... darum ging es anscheinend, eine Form von Anerkennung, Beachtung die ihm seiner Ansicht nach im "Leben" verwehrt geblieben ist. Mein Gott, der Junge war 18...

Mit Counterstrike hat das alles aber beim besten Willen nichts zu tun. Traurig wenn den Entscheidungsträgern nichts besseres einfällt als gegen Spiele zu schiessen. Pladoyes für Uniformen und Handyverbote an Schulen wären zwar auch Schnellschüsse, aber wenigstens begründbare...
· 20. November 06 · 23:37
quas meint:
· 20. November 06 · 23:42
scholt meint:
Was wäre denn wenns Computer nicht gäbe, dann hätte er doch die Schule mit Lego nachgebaut, und was wäre wenns Lego nicht gäb, dann hätte er die Schule vielleicht aus Papier und Pappe nachgebastelt...

Ich hab mich darüber schon heut mittag aufgeregt. Das schärfste ist ja: laut tageschau.de ging die Schießerei ca 9:30 los, und bereits um 16:11 ist dann ne Meldung zu lesen in der Herrn Wiefelspütz (SPD) ein Verbot von Killerspielen fordert. Tolle Leistung, bloss nicht nach Ursachen suchen, natürlich interessierts keine Sau woher er die Waffen oder den Sprengstoff hatte, oder wie sein Sozialer Hintergrund war, oder warum niemand aufgrund der "Vorankündigung" (?) etwas unternommen hat.

Ich hatte in meiner Schule btw. ein Lehrer der selber Countrestrike gespielt hat, und zusammen mit Schülern über mehrere Klassen ein Clan gegründet und LAN Partys veranstaltet hat. War ne tolle Zeit.
· 20. November 06 · 23:56
suicide meint:
Ich vermisse bei der Diskussion begriffe wie "Killeralkohol; Killerdrogen; Killerautos; Killerzigaretten" und und und. Was ist wohl schlimmer auf lange Sicht? Counter Strike oder ne Flasche Wodka?
Egal wer jetzt was denkt, klar ist, dass bei beiden Dingen ein Verbot garantiert nichts bringt!
· 21. November 06 · 05:42
suicide meint:
Btw.: keinmensch.de scheint schon nicht mehr erreichbar zu sein. Wer Interesse hat: Ich habe gestern den Abschiedsbrief ins PDF Format umgewandelt:
http://www.gamequickie.de/2006/11/20/hallo-killerspiel-du-alte-drecksau/
· 21. November 06 · 05:44
Aya meint:
Ach, jetzt gibts schon fanatische Computerspieler? Ich dachte Muslime wären der Medien liebstes Fanatismus-Ziel ... Tja so kann man sich irren :P
· 21. November 06 · 06:06
chris [d-frag.de] meint:
Suicide, von den ganzen "Killerwaffen", die der Typ seit längerem besaß und wegen denen er auch einen Tag später einen Gerichtstermin gehabt hätte, wollen wir gar nicht reden.
· 21. November 06 · 09:08
Gunnar meint:
Ja, ich finde die Tat auch schrecklich.

Aber Gedanken habe ich schon.... Was ist wenn die "Killerspiele" verboten sind und es geschehen immer noch Amokläufe? Was will man dann verbieten?

Rockmusik, Popmusik? Ach, nee. Die wollte man vor 50 Jahren schonmal verbieten lassen......
· 21. November 06 · 09:16
ben [d-frag.de] meint:
Am aufschlußreichsten - das muss ich nochmal sagen - fand ich ja sein eigenes Zitat

"Das einzigste, was ich intensiv in der Schule beigebracht bekommen habe, war, dass ich ein Verlierer bin."

Spiegel online

Und gestern im Kommentar der Tagesthemen wurde zurecht gesagt, dass man sich zuallerst doch mal Frage solle, welche Perspektiven es denn für Verlierer gibt und wie unsere Gesellschaft mit denen umgeht.
· 21. November 06 · 09:29
izanagi meint:
Ganz genau. Und vor allem müssen wir uns ale mal selbst an die Nase fassen. Der etwas schrullige Kollege im Büro, mit dem niemand so richtig gut kann, der freakige Neue aus der Parallelklasse oder meinetwegen auch die Nachbarin von gegenüber, die man schon seit 5 Wochen nicht mehr aus dem Haus hat gehen sehen. Wir alle sind für solche Taten mitverantwortlich, weil wir als Gesellschaft mitversagt haben. Und eben auch ganz besonders die Politik, die ja die Maßstäbe der Gesellschaft definiert und ihre Gesetze fasst. Und wenn es eben ein Gesetz ist, dass du als "Verlierer" nur noch scheitern kannst, dann ist das ein Problem. Die Jungs in Columbine waren ja angeblich auch nur wenige Wochen von ihrem Abschluss entfernt, aber im Mikrokosmos Schule nimmt man sowas im extremen Fall gar nicht wahr. Es muss sich definitiv was tun, aber nicht durch Verbote.
Auch eine Einschränkung des Internets halte ich für Müll. Jeder Chemie-Schüler kann seine Bomben beispielsweise nachbauen. Sollen wir den also auch gleich verbieten?

Erstaunlich finde ich im Moment aber dennoch, dass eigentlich alle Experten im Moment bestätigen, dass der Konsum von Spielen nicht zu der Tat geführt hat. Nur irgendwie werden sie ja nie wirklich erhört....
· 21. November 06 · 09:59
imYemeth meint:
http://www.heise.de/newsticker/meldung/81319/
Was mich erschreckt ist dass der Terminus "Killerspiele" offenbar zum völligern Konsens geworden ist, selbst bei denjenigen die nicht gleich mit dem fröhlichen Zensieren anfangen wollen.

Back to topic:
Dass im kurzen Leben dieses Jungen offenbar einiges schiefgelaufen ist sollte doch eigentlich zu denken geben. Familie und Eltern kommen in dem Brief nicht einmal vor, warum? Von Religion oder Ethik gar nicht zu reden... Wertediskussion!

(Counterstrike tut sich aber auch selbst keinen großen Gefallem mit seinem sinnlosen Waffenfetischismus.)
· 21. November 06 · 10:09
Gunnar meint:
Danke izanagi

Besser kann man es nicht sage.

Gruss
Gunnar
· 21. November 06 · 10:17
Daniel meint:
Ich mache mal wieder einen manuellen Trackback, da es wieder einmal so gut passt:

www.hijet.de

· 21. November 06 · 10:35
stan meint:
Der Abschiedsbrief klingt im ersten Abschnitt sehr nach Wut über eine gescheiterte Existenz, die sich vom Rest der Welt und insbesondere der Schule allein gelassen fühlt. Um ehrlich zu sein, kann ich die Motivation durchaus nachvollziehen, wohlgemerkt nicht die Tat, aber die Handlungsgründe.

Ansonsten schließe ich mich izanagi an, wie schnell übersieht man Randgestalten im eigenem Umfeld.
· 21. November 06 · 11:11
Tom meint:
Ich glaub, ich installier CS mal wieder. Aus Solidarität mit 500.000 Massenmördern.
· 21. November 06 · 11:47
ThreeDude meint:
Schön gesagt, izanagi. Leider auch einfacher gesagt, als getan, denn die Gesellschaft wird sich sicherlich nicht ändern. Es wird ja kaum so sein, dass ab morgen der schrullige Kollege oder der freakige Neue plötzlich von allen geliebt werden und aufgrund des Amoklaufs plötzlich Aufmerksamkeit erfahren.
Ich denke, was diesen Leuten fehlt ist ein offenes Ohr, Mitgefühl, Verständnis, Ziele, Wege zum Ziel, die Gewissheit, nicht alleine zu sein, Perspektiven und schlussendlich einfach Liebe. Und die lässt sich weder durch Politik noch durch Verbote erzwingen.
Was die schulische/berufliche Situation hingegen betrifft, da kann und muss definitiv etwas getan werden. Ob das jedoch die Probleme komplett aus der Welt schafft und sich soziale Defizite so ganz beheben lassen, wage ich zu bezweifeln.
Ach, es ist ein leidiges, trauriges Thema und ein konkreter Lösungsansatz sehr schwierig zu finden.
· 21. November 06 · 11:52
AP meint:
Zum Glück gibt es Lichtblicke in der Berichterstattung:
Beitrag in der Welt.
· 21. November 06 · 12:24
Peter L. meint:
Einfach alles und jeden so akzeptieren und lieben wie er ist, egal woher er kommt und was er tut. Dann klappts auch mit der Menschheit.
· 21. November 06 · 12:31
Espy meint:
Ausgerechnet die Welt, was ist denn hier los?
· 21. November 06 · 12:33
imYemeth meint:
Die Welt? Was ist denn da los... ein bisschen auf seriös machen?
Ach nee, unter dem Artikel haben wir ja wieder die alte Killerspiel-Masche mit dem lieben Herrn Pfeiffer verlinkt.
· 21. November 06 · 12:38
imYemeth meint:
Der Abscheidsbrief steht jetzt übrigens auch ganz "normal" im Netz bei Telepolis, und wird da sicher nicht einfach wieder verschwinden.

http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24032/1.html
· 21. November 06 · 12:45
chris [d-frag.de] meint:
Richard hat drüben auch wieder einen exzellenten Text zum Thema geschrieben:

"Die Debatte zeichnet im Übrigen auch ein trauriges Bild unserer Gesellschaft, weil es nicht nur eine Unfähigkeit zeigt, sich mit unseren Problemen kritisch und differenziert auseinanderzusetzen, nein, es zeigt vor allem eine Unwilligkeit das zu tun.

Wir wollen die Probleme gar nicht angehen. Mit den vielschichtigen sozialen Gründen die Leute zu solchen Taten treiben, wollen wir nichts zu tun haben. Wir wollen nichts davon hören, wir wollen nicht darüber nachdenken und vor allem wollen wir nichts dagegen tun. Denn etwas dagegen zu tun, das hieße ja Veränderung. Und Veränderung ist schlecht, da müsste man sich ja bewegen."
· 21. November 06 · 13:00
imYemeth meint:
Jupp. Allerdings muss man denke ich auch etwas mit diesem "die Gesellschaft hat ihn dazu getrieben"-Fatalismus aufpassen... die Entscheidung, andere zu töten war seine eigene. Der Junge ist Täter.
· 21. November 06 · 13:23
izanagi meint:
Zu meinem Beispiel:
Ich wollte damit natürlich nicht sagen, dass ab morgen alles anders wäre, wir uns an den Händen fassen sollen und uns alle lieb haben müssen. Ich wollte damit nur sagen, dass wir alle Mitschuld tragen bzw. wir vielleicht selbst schon einmal in so einer Außenseiterrolle irgendwo waren. Und natürlich wollte ich damit auch nicht sagen, dass diese Beispiele alle morgen auch Amok laufen.

Und natürlich dürfen wir jetzt auch nicht den Täter in die Opferrolle drücken. Nur müssen wir uns ernsthaft mit der Tat auseinandersetzen und ihn auch nicht in eine "Bestienrolle" zwängen und sagen "Das ist schrecklich, das macht man nicht, der Junge war krank. Fertig". Ich persönlich glaube wirklich, dass diese Gründe in solchen Fällen durchaus bodenständig und nachvollziehbar sind, aber dies ind er Öffentlichkeit ungern getan wird. Trotzdem ist so eine Tat natürlich unentschuldbar, das Leben anderer zu richten ist unmoralisch. Da führt kein Weg dran vorbei!
· 21. November 06 · 13:42
imYemeth meint:
Da kann man kaum mehr tun als zustimmend nicken.

Mal abwarten was sich in den nächsten Tagen so bei ARD und ZDF tut, bei der ARD scheinen ja durchaus auch ein paar halbwegs vernünftige Stimme zu Wort zu kommen... beim ZDF fürchte ich mich vor der nächsten Frontal-Show.
· 21. November 06 · 13:48
flokru meint:
Manueller Trackback:

Och nö, nicht schon wieder…

War ja klar, dass wieder sowas kommt:

Auch der CDU-Innenexperte Wolfgang Bosbach unterstützte den Vorstoß von Wiefelspütz: “Sollte sich tatsächlich herausstellen, dass der 18-jährige Täter sich über einen längeren Zeitraum und intensiv mit so genannten Killerspielen beschäftigt hat, müsste der Gesetzgeber nun endlich handeln.”

http://www.flokru.org/2006/11/21/och-no-nicht-schon-wieder/
· 21. November 06 · 15:04
bigdino meint:
Mal als Gedanke:

Wenn ich kein Geld habe und die Miete ist fällig, könnte ich ja eine Bank überfallen.
Dabei wäre es doch ziemlich wahrscheinlich, daß ich bewußt oder unbewußt (oder per Zufall) irgendeinen Film, Fersehkrimi, etc. imitiere.
Ich kann mir nicht vorstellen, daß diese verboten würden, weil die Press3e schreibt "Von Tatort zum Bankraub getrieben/verführt".
Merkt ja keiner, daß das nicht die Ursache (Geldmangel) war.

Nebenbei:
Bei N24 steht, als Verstoß gegen das Waffengesetz wäre er mit einer scharfen Waffe angetroffen worden.
Ich habe ja nicht viel Ahnung, aber bedeutet das nicht, daß er Waffenschein & Co gehabt hat und in der Handhabung der Waffe geschult wurde?
Der Typ in Erfurt war doch auch in 2 Schützenvereinen.
(Alternatvschlagzeile: "Vom Schützenverein zum Massakker inspieriert")

... blödes Thema für Scherze - Sorry
· 21. November 06 · 15:07
Espy meint:
Ah, jetzt, SpOn bezieht Stellung:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,449843,00.html

Besser.
· 21. November 06 · 15:21
Robin S. a.k.a. MakeAMillYen meint:
Okok. Alle haben Recht. Und wer organisiert jetzt die Massenmail an die hysterischen Abgeordneten, die nach dem Verbot von Spielen schreien? Bitte mach das doch einer.

Nur FDP Leuthaeuser-Schnarrenberg oder wie die heisst bewahrt einen kuehlen Kopf. Die hat mich schon beeindruckt, als sie aus Protest gegen den Lauschangriff weinend zurueckgetreten ist.
· 21. November 06 · 15:26
chris [d-frag.de] meint:
»Der Schulschütze von Emsdetten ist nach Recherchen der Netzeitung schon vor Jahren in die Szene Gewalt verherrlichender Computerspiele abgerutscht.« Netzeitung

„Killerspiele animieren Jugendliche, andere Menschen zu töten. Das sind völlig unverantwortliche und indiskutable Machwerke, die in unserer Gesellschaft keinen Platz haben dürfen“, sagt Stoiber laut GameStar in einer Mitteilung der CSU.
· 21. November 06 · 15:45
Daniel meint:
@bigdino:

Er ist mit seinem Vater oft jagen gegangen ...

· 21. November 06 · 15:49
chris [d-frag.de] meint:
Sehr schön ist übrigens dieser Spiegel-Online-Artikel.

Wahnsinn, differenzierte Herangehensweise in einigen Medien inzwischen. Das ist irgendwie so... ungewohnt.
· 21. November 06 · 16:02
imYemeth meint:
Bin beeindruckt. Dabei halte ich sonst wenig von "SpOn", aber das ist ja mal richtig richtig.
· 21. November 06 · 16:21
imYemeth meint:
Selbst die Zeit hat sich wieder gefangen:
http://www.zeit.de/online/2006/47/Emsdetten-Kommentar
· 21. November 06 · 16:35
ben [d-frag.de] meint:
Zur Verteidignung der Zeit muss ich sagen, dass der Artikel den ich gestern zitiert habe bei Zeit online nur "recycled" wurde und eigentlich vom Tagesspiegel kam.
· 21. November 06 · 17:13
Jeff meint:
Wird wohl schleunigst Zeit für eine überarbeitete Welt 2.0.
Dort, wo Wolf- und Schäflein miteinander schmusen, die Bäume güldene Früchte tragen, "Killerspiele" und "Horrorvideos" verboten sind, winken die Glücksbärchen Schäublie und Stoibli mit einem großen Schild "da geht's lang" und weisen, sich das Bäuchlein reibend, den Weg auf die "Datenautobahn".

Dass sich Medien wie SpiegelOnline eines Besseren besinnen und nicht in gähnleere Hau-Drauf Attitüden verfallen, ist ja mal mehr als lobenswert. Würd' mich freuen, wenn die Herangehensweise, Wirkungen nicht ausschließlich auf eine (1) Ursache zurückzuführen, nicht als Rohrkrepierer endet.

Am meisten wurmt mich an dieser überwiegend polarisierenden Berichterstattung, dass sie die Wahrnehmung meines Gegenübers beeinflusst: "Oh, er hier hat die Fingernägel schwarz lackiert, die Augen dunkel geschminkt - ob er wohl unter dem langen schwarzen Mantel eine Schrotflinte trägt?" -, da geht ein saftiger Teil Miteinander und Respekt flöten bei diesen knallbunten Diskussionen um die Kompatibilität von Subkultur x oder Faible y mit einer Gesellschaft.
· 21. November 06 · 18:11
tom meint:
Ich geh einfach mal davon aus, dass ein überwiegender Teil der (männ-
lichen) U30-er Generation selbst schon Erfahrung mit "Ego-Shootern"
hat (und die grosse Mehrheit der "Info-Elite" sowieso)...
Also wundern mich die differenzierten Kommentare inzwischen eigent-
lich nicht mehr.
Mal schaun, was draus wird...
· 21. November 06 · 19:08
MountainKing meint:
Es macht tatsächlich sehr wenig Spaß, sich wieder und wieder mit denselben halbgaren Argumenten herumschlagen zu müssen. Ich teile auch die Ansicht, dass es sich hierbei vor allem auch um eine Art Generationenkonflikt handelt zwischen den ohne neue Medien Sozialisierten und den jüngeren Altersstufen. Ich habe mir mal einige ältere entsprechende "School-Shootings" angesehen und auch die IMO selten gestellte Frage nach der Mitverantwortung der Medienberichterstattung gerade zum Fall Littleton aufgeworfen, da es inzwischen mehrere klare Nachahmungstäter gegeben hat:

http://www.yablo.de/article/301/killerspiele-im-fadenkreuz
· 21. November 06 · 19:24
Thorsten meint:
Ben, mir geht es genauso, es ist wieder die alte Leier. Wenn Hooligans demolieren und töten schreit niemand, daß der Fußball ein Killerspiel sei. Die Liste ließe sich endlos fortsetzen...
Als Vater von 2 Kindern mache ich mir da schon mehr Sorgen über das gesellschaftliche, soziale Problem, das in diesem Land so gerne totgeschwiegen wird.
· 21. November 06 · 20:55
Benno meint:
Völlig überrascht hat mich ja gerade das ZDF...kein einziger Innenminister kam zu Wort, dafür diverse Medienforscher und sogar ein GameStar-Redakteur, und sie alle stimmten darin überein, dass man Computerspiele eigentlich nicht für die Tat verantwortlich machen könne.

Lustigerweise finde ich online im Moment nur einen Artikel, der in etwa das genaue Gegenteil zum gesendeten darstellt:
http://www.heute.de/ZDFheute/inhalt/21/0,3672,4078005,00.html
· 21. November 06 · 22:37
imYemeth meint:
Hmmm, ich hab Dr. House geguckt... ich glaub's daher kaum, das ZDF, ernsthaft? Führen die was im Schilde?
· 21. November 06 · 22:44
majo meint:
Weils grad so schön passt, Zitat zum Thema:

"Die Videospieler sind eine medienkompetente Subkultur und kennen die Diskurs-Dynamik. "

von hier: http://jetzt.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/347919
· 22. November 06 · 00:12
teppi meint:
Ich find auch, dass sich die überlegten Äußerungen von Nicht- oder zumindest Wenigspielern merklich erhöht haben, zu den letzten Malen. Bei den paar Diskussionsrunden, die ich gesehen habe, war immer mind. eine Person bei, die auch "unsere" Meinung vertrat und betont hat, dass man es sich bei der Suche nach den Gründen nicht so einfach machen darf.

· 22. November 06 · 08:19
Tom meint:
@ benno


Gut, dass er das Gegenteil darstellt? Ein kontroverses Thema verdient alle Ansichten :) Auch die der Verbotsbefürworter.
· 22. November 06 · 10:08
teppi meint:
Wenn ich die aktuellen News bei SpOn lese, wird mir ganz schlecht:

Für den Fall, dass ein Verbot dazu führt, dass Spiele verstärkt unkontrolliert übers Internet oder als so genannte Grau-Importe nach Deutschland gelangen, schlagen die Gutachter des Bundestages vor, "auch eine Regelung zur Zugriffsbeschränkung für Internetseiten mit entsprechenden Inhalten zu erlassen"

...
· 22. November 06 · 10:45
ben [d-frag.de] meint:
@teppi: das kann ja wohl nur wer sagen, der vom technisch Machbaren keine Vorstellung hat. Mit denken nicht zu rechtfertigen.
· 22. November 06 · 10:52
Jeff meint:
Solche Forderungen zeigen mal wieder schön, auf welchem Niveau sich so manche Diskussion bewegt: Jenseits von Sachkenntnis und ohne Nachdenken wird drauflosgezimmert, um die eigene Hilflosigkeit zu überdecken.
· 22. November 06 · 11:10
Frank aus Hamburg meint:
Netter Beitrag, spiegel genau meine Gefühlslage wieder; ich bin auch müde. Bloß leider fürchte ich, dass die Unionsleute diesmal die Sache durchziehen wollen und auf den Koalitionsvertrag pochen. Ich könnte mir gut vorstellen, dass dann zum Wohle der Koalition ein Verbot durchgedrückt wird. Gamer haben keine Lobby.
· 22. November 06 · 11:33
teppi meint:
Nunja technisch nicht machbar .. Schaut nach China. Mal davon abgesehen, dass so etwas hierzulande nicht durchgesetzt werden könnte.
· 22. November 06 · 11:41
scholt meint:
Zitat:
Auffällig war bei den Amokläufern, dass sie ein – unterschiedliches - Faible für Gewalt hatten. Ein Viertel stand auf gewaltverherrlichende Filme, ein Achtel hatte sich am Computer mit Gewaltspielen beschäftigt. Und drei von vier Attentätern hatte dem Thema Gewalt selbst geschriebene Geschichten, Gedichte, Aufsätze etc. gewidmet.

Dann sollten wir wohl lieber Papier und Stift verbieten.
· 22. November 06 · 14:27
Aramir meint:
China ist ne Ausnahme, die haben mit ihrer konsequenten Zensurpolitik die technischen Massnahmen für eine effektive Zensur parallel zum Ausbau des Netzes aufgebaut. Bei unserem bereits bestenden Netz soetwas nachträglich hinzu zu fügen ist gott sei dank unmöglich, denn die wirtschaftlichen Schäden eines solcher Unternehmung wären unermesslich.

Und auch die chinesischen Zensurmassnahmen funktionieren nicht 100%ig, müssen sie aber auch nicht, da man dort für die Umgehung der Zensurmassnahmen mit der Todestrafe rechnen muss...
· 22. November 06 · 14:41
majo meint:
Nachdem ich mich heut morgen schon über meine wie immer auf Stoiber-Kurs segelnde Heimatzeitung und ihr ignorantes Verhältniss zu Computerspielen ärgern durfte hier noch ein gar nicht mal so schlechter Kommentar zum Thema:

http://zuender.zeit.de/2006/47/schule-emsdetten-killerspiele
· 22. November 06 · 15:32
Oskar meint:
Der Ansatz aus diesem Kommentar klingt mir sogar ziemlich erfolgversprechend. Man tilgt einfach nacheinander alle möglichen Gründe. Irgendwann findet man die richtigen und kann die anderen wieder zurücksetzen...
· 22. November 06 · 15:54
Gunnar meint:
Aktuell:

Heute abend kommt im WDR Fernsehen "Hart aber Fair" zum Thema "Vom Ballerspiel zum Amoklauf -
was treibt Jugendliche in die Gewalt?"

20:15 Uhr

http://www.wdr.de/tv/hartaberfair05/aktuell/

Die Sendung wird auch bestimmt wiederholt.

Gruss
Gunnar
· 22. November 06 · 17:08
imYemeth meint:
Wow... das ist das prominenteste was der WDR zu bieten hat. Bin mal gespannt.
· 22. November 06 · 17:23
chris [d-frag.de] meint:
Bin gespannt drauf.

Witzig ist ja die Umfrage auf der WDR-Seite:
Sollten gewalt- verherrlichende Computerspiele verboten werden?

22.1 % ja
77.9 % nein

Ich dachte ja immer, die wären bereits verboten, aber was weiß ich schon....
· 22. November 06 · 18:40
nog meint:
Wer wird der Schuldige sein, wenn "Killerspiele" tatsächlich in Deutschland verboten werden und der nächste Schüler austickt? Denn auch mit Verbot würde es dazu kommen, da sind wir uns ja einig.

Ich kann mir beim besten Willen nicht vostellen das die ganzen Politiker so dumm sind und tatsächlich glauben das ein Computerspiel der Auslöser für solche Taten sein wird. Gerade wo man in dem Falle Sebastian B. im Internet sehr viel dazu selber recherchieren kann in welcher Verfassung der junge Mann gewesen ist.

Das Ganze dient doch gewissen Politikern nur dazu sich in den Medien zu profilieren. Ich glaube nicht das die staatliche Zensur durchgesetzt wird, von denen so mancher Politiker gross tönt das sie nötig sei. Allein deswegen, um beim nächsten Attentat auf die gleiche Art wieder in die Medien zu bringen.

Ich hab zumindest keine Sorge das ich nicht mehr das spielen kann was ich möchte. Das ist mein jetziger Eindruck der ganzen Situation.

Gruß,
nog
· 22. November 06 · 19:01
Knurrunkulus meint:
Ich bin auch müde.

Aber ich kann nicht schweigen. Mehr auf meinem Blog.

Außerdem gucke ich gerade "Hart aber fair". Das ist schon irgendwie traurig, was da geboten wird. Wenn da der Psychologe Heinemann bei der Ankündigung, dass jetzt mal ein Computerexperte seine Meinung sagt, ohne diesen Mann zu kennen sofort ein "Noch so ein armer Introvertierter" von sich gibt, dann möchte ich schreien vor Verzweiflung. Und vor Wut. Ja, die Games schaffen das nicht. Er schafft es.

Und die Zuschauer scheinen noch die Vernünftigsten zu sein.

Da hilft dann wohl leider auch der beste Moderator nichts mehr.
· 22. November 06 · 21:08
Gunnar meint:
Tja, das wars. Und was hat es gebracht? Ich glaube nicht viel. Mehr als abgedroschenes Zeug habe ich nicht gehört. Schade, das niemand von der Spielerfraktion eingeladen wurde.

Und ich empfand es als Unverschämtheit zu unterstellen man wäre ein "armer Introvertierter".
· 22. November 06 · 21:52
Aramir meint:
"Hart aber fair", soso...

Nur Computerspielgegner oder bekennende Computerspielunwissende als Gäste in der Sendung, soviel zum Thema "faire" Auswahl der Gesprächspartner...
· 22. November 06 · 21:53
daniel meint:
hart aber fair hab ich auch gesehen. wollte zu dem Thema eigentlich nichts bloggen, aber wurde es mir echt zu schlimm... Daher statt Trackback der Kommentar hier.
· 22. November 06 · 22:16
Jeff meint:
Herrschaften, was war denn das vorhin? Mir scheint's, als hätte ich den Teletubbies beim Argumentations-Scrabblen zugeschaut.
F. Plasberg: "Darf ich Sie erstmal als Ministerin fragen, und nochmal die Frage wiederholen: Was sind das für Sie? Killerspiele, Ballerspiele, Strategiespiele?"
B. Sommer: "Also das Wort Killerspiele, das wäre mir zu hart, weil das Wort an sich "Killer" ist ganz schrecklich. Aber ich weiß inzwischen, dass diese Spiele darauf abziehlen, dass man virtuell menschenähnliche Wesen [semantische pause, Trommelwirbel] abknallt."

Daran anschließend ein halbvisueller "Eindruck", was ein Spieler "erlebt" (Counter-Strike ["Blut spritzt, bleibt an den Wänden kleben"], Grand Theft Auto: San Andreas ["Bevor Sie den Flammenwerfer auspacken, überfahren Sie noch fünf Menschen"]).

Und nun noch einmal B. Sommer auf die Frage, wie Spiele zu titulieren seien: "Darf ich noch 'mal eine Antwort geben? [...] Ich würde's jetzt auch wirklich mit diesem harten Begriff Killerspiele jetzt titulieren. Grade das Letztgenannte, dass man da Menschen also das Blut fließt, dass Menschen da zersägt werden, das ist schon sehr unerträglich und wenn man dann bedenkt, das sind 16jährige, die womöglich so ein Spiel erwerben können [...], dann ist das unerträglich."

Sorry so ausführlich zitiert zu haben, aber das setzt dem ganzen Palaver echt die Krone auf, ist in der Auswahl der Diskutierenden fernab von "Hart aber Fair" und kommt rüber wie ein Treffen "armer Extrovertierter" (oder Introvertierter?) um es gemütlich mit Herrn Dr. Heilemann zu sagen.
· 22. November 06 · 22:21
chris [d-frag.de] meint:
Die Frau Sommer fand ich gar nicht so furchtbar, die hat halt wirklich keine Ahnung vom Thema, gibt aber auch nicht vor, welche zu haben. Wenn man kompetente Leute möchte, muss man dann halt jemand anders einladen.

Schlimmer fand ich gerade in der von dir beschriebenen Szene die Moderation: "Nennen Sie es Killer-, Baller- oder Strategiespiele?" Da hat der Moderator offenbar noch nichts davon gehört, dass Egoshooter und Strategiespiele ganz locker zwei verschiedene Genres sind.

Und der "Eindruck", was Spieler dort erleben würden, spottet doch jeder Beschreibung! Da wird erst gesagt, sie zeigen keine Spielszenen, "um Ihnen die blutigen Szenen zu ersparen". Und dann wird mal eben behauptet, man könne mit der Kettensäge in GTA tatsächlich einem Mädchen erst die Beine und dann den Kopf abtrennen! Ekelhaft.

Ich gebe gerne zu, mich bei der Blutdarstellung geirrt zu haben - Herr Fromm hatte in "Aspekte" schon Recht, San Andreas hat im Gegensatz zu den Vorgängern die Bluteffekte auch in der deutschen Version. Aber Leichen zerlegen konnte man noch nie! Wie praktisch, dass man keine Bilder aus dem Spiel zeigt, dann würde man das nämlich sehen.

So viel Quatsch schon nach den ersten zehn Minuten. Lohnt es sich, das im WebTV noch weiter anzuschauen?
· 23. November 06 · 08:57
ben [d-frag.de] meint:
Ich fürchte, es lohnt die ganze Diskussion nicht, der ganze Diskurs nicht. Was Games als Unterhaltung und Medium auszeichnet (auch die schlechten) ist offensichtlich einer ganzen Generation nicht vermittelbar. Und bleibt nur abzuwarten und auf sowas einen "Marsch durch die Institutionen" zu hoffen.

Überzogenen Dystopien und Utopien sind eine Standardreaktion unserer Gesellschaft auf ein neues Medium. Daran wird sich nichts ändern. Zur nochmaligen Lektüre für alle Feuilleton-Journalisten, die jetzt nach Verboten rufen und gleichzeitig James Bond Rezensionen schreiben empfehle ich "1984" und "Brave new World".

Bitte, danke, tschüss.
· 23. November 06 · 09:49
Anis meint:
@ThreeDude über Amokläufer: "Ich denke, was diesen Leuten fehlt ist ein offenes Ohr, Mitgefühl, Verständnis, Ziele, Wege zum Ziel, die Gewissheit, nicht alleine zu sein, Perspektiven und schlussendlich einfach Liebe. Und die lässt sich weder durch Politik noch durch Verbote erzwingen."

Und ich denke, dass dasselbe auch den Spielentwicker auch fehlt.
Sie müssen gegen das drohenden Verbot auch was tun!
· 23. November 06 · 11:17
Anis meint:
Sorry, schweres Thema, trotzdem:

http://www.youtube.com/watch?v=sGKJcayVXU8
· 23. November 06 · 11:30
EmmJay meint:
Ich finde immer wieder beeindruckend, wie aus simplen Koinzidenzen, die statistisch überhaupt keine Aussagekraft haben, Schlüsse über Ursachen und Wirkungen gezogen werden, die überhaupt nicht statthaft sind. Eigentlich wollte ich mich ja aus der Diskussion dieses Mal raushalten, aber das musste ich jetzt doch noch loswerden.
· 23. November 06 · 14:50
Paul meint:
Haha---etwas mehr Selbstbewusstsein bitte...
bin selbst CDU-Wähler,35 Jahre alt und besitze eine gutsortierte Auswahl an Taktik/Ego-Shootern (und auch das ein oder andere---voll-
kommen zu Recht so genannte---"Killerspiel");und damit unterscheide
ich mich nicht von meinem gesamten Freundes-und Kollegenkreis!
Die User, die hier anscheinend "ihre"Subkultur bedroht sehen, sollten
sich mal auf den Leser/Kommentar-und Forenseiten von FAZ, Welt,
Spiegel ,Tagesschau etc.pp. umtun: ca. 80% der Schreiber wenden sich klar,deutlich,dezidiert und kenntnisreich GEGEN jegliche Einschränkung
ihres Freizeitvergnügens (zumal dieses künstlich hochgekochte Thema
u.U. eh wieder am Abflauen ist)---
und wenn sich hier der ein oder andere ProGamer weiterhin von der
Welt "draussen" unverstanden fühlt und trotzdem was Sinnvolles tun will : mailt, schreibt, nervt, fordert, stellt klar (aber bitte kein GIGA-Gequatsche), wo´s nur geht---ist eben wirklich ein "Langer Marsch"...
· 23. November 06 · 15:31
ben [d-frag.de] meint:
@Paul: ja, das muß ich dir inzwischen zustimmen. Die Stimmen, die auch in den "großen" Medien sagen, eine Verbot brächte nichts, sind inzwischen spürbar mehr, als die anderen.

Aber: zum einen kann ich leider nicht anders als mich doch richtig arg über die immer noch nicht wenigen Verbotsschreiben aufzuregen und zum anderen ist alleine schon die Tatsache, dass ein Massaker an einer Schule zu einer Diskussion über Videospiele führt Grund genug wirklich stinkig zu sein.

Mußten sich nach dem Massaker in ERfurt die Schützenvereine rechtfertigen für ihr Hobby? Selbstverständlich nicht. Ich will damit nicht Schützenvereine anklagen, sondern den Generalverdacht, der auf Computerspielern lastet, die überzogene Dystopie.
· 23. November 06 · 16:10
teppi meint:
Ich weiß nicht, ob es schon erwähnt wurde. Im Prinzip handelt es sich imho bei der ganzen Geschichte um einen Generationskonflikt, in welcher die alte, etablierte Generation die junge Generation aus Unverständnis verurteilt. Dieser Vorgang wiederholt sich immer und immer wieder ..

Ich denke, darauf läßt sich das ganz gut reduzieren.
· 24. November 06 · 09:39
Schocki meint:
Da war doch mal was...

Jürgen Rüttgers CDU ( 8. März 2000 )
»Statt Inder an die Computer müssen unsere Kinder an die Computer«.
· 24. November 06 · 10:30
Schocki meint:
Wenn Computerspiele unreflektiert als Killerspiele bezeichnet werden und wenn eine sozialethische Desorientierung befürchtet oder der nicht abzuwendende Untergang der Zivilgesellschaft heraufbeschwört wird, dann zeugt das nicht gerade von vorhandener Medienkompetenz. Mit nicht nachvollziehbaren Moralpanik-Reaktionen werden erneut speziell die unter kleinbürgerlichen moralischen Gesichtspunkten sehr umstrittenen First Person Shooter verdächtigt eine verrohende Wirkung auf den Menschen auszuüben, dabei übersieht man den Umstand, dass die virtuellen Aufenthaltsorte oft als abstrakte wertefreie Räume wahrgenommen werden, in der es darauf ankommt die gegnerische Künstliche Intelligenz zu besiegen. Letzlich folgt ihr Handeln ausschließlich den programmierten Algorithmen, zu dem der Spieler sich gezwungen sieht, darauf zu reagieren.

Dem endgültigen Dogma der Spielkultur, dem Prinzip der Selbsterhaltung, sind wir verpflichtet. Nichts dagegen einzuwenden, es ist sicherlich keine Schande von durchgeknallten Bots ins 8-Bit Nirwana geschossen zu werden, allerdings sollte Raumtiefe und Geschwindigkeitsrausch nicht die volle Alleinherrschaft übernehmen. Auch wenn man sich dem Eindruck nicht erwehren kann, dass wir in den letzten Jahren von nahezu substanzlosen FPS überschwemmt worden, als wären wir immer noch auf dem Mars. Wo zur Hölle sind die intelligenten FPS geblieben? ( Dabei gab es doch Anzeichen für einen Wandel… System Shock 2 oder Deus Ex )

Nein, wir sind keine von Dopamin zerfressenen Junkies. Die meisten von uns sind sozialisierte Bürger und dennoch eine kritische Distanz zu den Spielen und uns selbst als Konsument gegenüber, wird sicherlich nicht schaden.
· 24. November 06 · 11:04
imYemeth meint:
Hast du den selben stilistisch sehr schwülstigen Text nicht auch schon drüben bei Antigames gepostet?

Btw. Hart aber Fair hat sich für die einseitige Sendung entschuldigt...

So tendenziell habe ich das Gefühl, dass die Medien diesmal ein differenziertres Bild von Spielen und Gewalt vermittelt und auch diverse Verbände und Politiker verstanden haben dass Spiele nicht das personifizierte Böse sind (von den paar Bayern mal abgesehen, aber die bekommen auch zu anderen Themen kaum zwei korrekte Sätze heraus). Bleibt zu hoffen dass sich das nicht wieder schlagartig umkehrt, sondern wirklich was dazugelernt wurde.
· 24. November 06 · 11:46
Schocki meint:
@ imYemeth:

10 ?"Da haben SIE wohl recht."
20 GOTO 10

· 24. November 06 · 12:05
scholt meint:
@teppi

Nein eben leider nicht, das ganze lässt sich nicht so einfach auf einen Generationenkonflikt reduzieren oder zusammenfassen. Bereits wenige Stunden nach der Tat als noch kaum Fakten bekannt waren fordern Politiker ein Verbot von Computerspielen. Sie versuchen also einen persönlichen Vorteil aus dem Amoklauf zu ziehen (was ich für moralisch sehr bedenklich halte), anstatt sich mit Ursachen und Hintergründen auseinanderzusetzen um so bestmöglich zu verhindern das soetwas nochmal passiert. Politiker von CDU und SPD argumentieren auf einem Niveau was mir ähnlich dem der NPD erscheint.

· 24. November 06 · 12:30
Gunnar meint:
Heute wird ja auch im Bundestag über ein eventuelles Verbot beraten. Bin gespannt auf die Ergebnisse.

Gruss
Gunnar
· 24. November 06 · 13:18
imYemeth meint:
@Schocki: Der Umgangston in den Kommentaren der dt. Spieleblogs ist meist recht persönlich, das "Du" war also reflexartig, aber offenbar unpassend. Entschuldigung.
· 24. November 06 · 13:39
Schocki meint:
@ imYemeth: So war das nicht gemeint.

Um wieder auf das Thema Angriff der Polygone zu kommen.
Die taz hat wieder einen medienkritischen Gegenschlag abgeliefert.

"Ich knalle euch alle ab!"
http://www.taz.de/pt/2006/11/22/a0126.1/text
· 24. November 06 · 16:44
chris [d-frag.de] meint:
Auweia, das ist echt gut! :)
· 24. November 06 · 16:51
Flexi meint:
Gerade kam im Heute Journal das PolitBarometer. Auch die Frage zum Verbot der Killerspiele. 72% der befragten Deutschen waren für ein Verbot der sogenannten Spiele. Da ging mir echt der Hut hoch. Bin auch mal gespannt wie die Herren Politiker den Begriff definieren, wenn Sie denn ein Verbot durchbekommen.
Auch müssten Sie sich dann an die brutalen Filme im Kino und TV machen, die ja eigentlich noch viel mehr Vorbildcharakter haben.

Übrigens. Tolle Seite habt ihr, sehr gute Texte und vor allen Dingen keine Leute die sich gegenseitig fertig machen und dummes Zeug schreiben. Fein fein, weiter so.
· 24. November 06 · 20:57
Gunnar meint:
Äh, ich meinte im Bundesrat.Entschuldigung.
· 24. November 06 · 22:31
nfowar meint:
Heute gibts einen tollen artikel bei faz.net. Anhand eines Frage- und Antwortspiels werden alle gänigen Klischees und Vorurteile bezüglich Computerspielen in der Öffentlichkeit gründlich und fundiert auseinandergenommen:

Virtuelle Gewalt:Machen Videospiele wirklich böse?

Wenn ich die Angabe ganz am Ende richtig deute, ist der text auch in der heutigen FAZ am Sonntag erschienen. Es gibt also doch noch Hoffnung. :)
· 25. November 06 · 20:43
nfowar meint:
Sorry, zu blöd, einen link zu setzen: Artikel bei faz.net.
· 25. November 06 · 20:46
Paul meint:
...mal ganz genau:
der Text steht bereits jetzt im Netz und wird morgen in der Print-
ausgabe der "FAS" (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung) er-
scheinen...
· 25. November 06 · 22:40
ben [d-frag.de] meint:
@nfowar: kein Problem ich hab mich des anderen Links auch mal angenommen.
· 26. November 06 · 08:41
Actionman meint:
WOW der Artikel in der FAS , ist ja mal ein Beispiel für guten Journalismus.

· 26. November 06 · 09:53
nfowar meint:
Es geht leider auch anders. Hab grad noch was lesenswertes zum Tehma gefunden:
RTL und BILD zensieren Amokläufer-Abschiedsbrief. Die haben einfach alle gesellschafts- und v.a. medienkritischen Stellen entfernt, und noch einen pathetischen Schlussatz dazuerfunden.

Schauts euch an, unbedingt auch den Link zum Vergleich mit der Originalversion. Mir fehlen da grad etwas die Worte.
· 26. November 06 · 12:03
Schocki meint:
Hier die Pressemitteilung des Deutschen Kinderhilfswerks:

Amoklauf in Emsdetten:

Deutsches Kinderhilfswerk fordert langfristige und nachhaltige Ursachenbekämpfung statt schnelle Scheinlösung durch Verbot von “Killerspielen“

Das Deutsche Kinderhilfswerk fordert an Schulen und Freizeiteinrichtungen mehr Psychologen, Sozialarbeiter, aber auch Medienpädagogen, die einen kompetenten Umgang mit Medien und deren Inhalten unterstützen und fördern. Kinder und Jugendliche dürfen mit ihren Sorgen und Ängsten nicht alleine gelassen werden und brauchen reale und schnell erreichbare Ansprechpartner.

Die Diskussionen im Nachgang des erschreckenden Amoklaufs in Emsdetten am vergangenen Montag zeigen, dass eine Erklärung nicht in einer monokausalen Ursache-Wirkung durch das Rezipieren von Gewalt-Computerspielen zu finden ist. Spiele wie “Counterstrike“ oder “Doom“ lassen die Nutzer nicht allein zu einem Täter werden.

“Vielmehr muss es darum gehen, die im Abschiedsbrief von Sebastian B. selbst angesprochenen Themen wie soziale Isolation, Leistungsdruck, Markenwahn, Schulversagen oder Zukunftsangst ernst zu nehmen und als Probleme für Jugendliche zu begreifen“ betont die Bundesgeschäftsführerin des Deutschen Kinderhilfswerkes, Dr. Heide-Rose Brückner, heute in Berlin. Ein Verbot von Killerspielen geht an einer Lösung des Problems, auch wenn sie so schön einfach wäre, vorbei. Medien können aber nicht als Sündenbock für die Probleme unserer Gesellschaft herhalten. Denn was müsste als nächstes verboten werden, wenn ohne öffentlichen Zugang zu Gewalt-Computerspielen dennoch Amokläufe oder ähnliche brutale Verbrechen verübt werden?
· 26. November 06 · 16:01
Gunnar meint:
Ja, der Heuhaufen ist riesig groß. Ich würde als erstes bei den Eltern anfangen. Wenn Sie eine gute Zukunft bzw Perspektive haben und sich zu liebevollen Personen entwickeln dann geht es auch den Kindern gut.

Die Kinder und Jugendlichen brauchen ein liebevolles Umfeld. Das empfinde ich als das wichtigste.

Gruss
Gunnar
· 26. November 06 · 18:33
DAS_KONSTRUKT meint:
Was mir gerade in den Sinn kam:

Wenn das Verbot wirklich kommt, wo gebe ich dann eigentlich meine legal erworben Killerspiele ab? Und bekomme ich dann dafür vom Staat mein Geld zurück? (sicher nicht, aber man wird ja noch träumen dürfen! ;)

[SARKASMUS ON]
Achja, und sollte ich vielleicht vorsorglich meine Action- und Horror-DVDs gleich mit in die Tüte packen? Ich meine, da spare ich mir den Weg beim nächsten Amoklauf!

Als Abgabestelle würde ich die nächste Polizeidienststelle bevorzugen, dann können mich die lieben Herren Beamten auch gleich in die Rasterfahndung für potentielle Gewaltverbrecher aufnehmen.

Ich seh euch auf'm Revier! ;)

[SARKASMUS OFF]

So long...


DAS_KONSTRUKT
· 27. November 06 · 16:22
ben [d-frag.de] meint:
Ich bin kein Jurist aber ich würde mal sagen, damit verhält es sich dann wie mit "Mein Kampf": den darf man zwar besitzen aber nicht mehr kaufen oder verkaufen.

Und wenn Du deine Killerspiele schon abgibst, dann bring auch gleich die Killerschauspiele aus deiner Shakespeare Sammlung mit!
· 27. November 06 · 16:33
DAS_KONSTRUKT meint:
Richtig! Shakespeare! ... so langsam wirds dann aber leer im Regal.
Das bedeutet mehr Arbeit beim Staubwischen.

Hmm... aber was du sagst, ben, klingt einleuchtend. Unter dem Gesichtspunkt hatte ich das noch nicht bertrachtet. Danke.
· 27. November 06 · 19:27
teppi meint:
@ scholt: Nunja .. wieso machen es denn die Politiker? Weil sie wissen, dass sie bei älteren Leuten mit solchen Forderungen auf offene Ohren stoßen, da diese eben nicht mit solchen Sachen aufgewachsen sind, sich dafür nicht interessieren und deshalb leicht beeinflussbar sind. Gestern waren es die Beatles und heute sind es die Killerspiele.

Natürlich dient die ganze Geschichte nur der Selbstprofilierung, sich den Erfolg des "Abschusses" der Killerspiele auf den Hut schreiben zu können. Ich bin schon gespannt, was wir in 30 Jahren verdammen werden :-) ..

· 28. November 06 · 13:09
B4dBoy meint:
Warum man 2 Staatsbürgerschaften und mindestens eine Waffe besitzen solle ist eine erstklassige und bis jetzt imo die beste Aufarbeitung der ganzen sinnlosen Diskussionen. :D
· 1. Dezember 06 · 17:27
Tom meint:
Beckstein prescht mit Killerspiel-Gesetzesplan vor

Der Amoklauf von Emsdetten hat die Debatte über Killerspiele neu entfacht - jetzt wird es konkret: Bayerns Innenminister Beckstein will Herstellung, Vertrieb und Kauf solcher Spiele mit bis zu einem Jahr Haft bestrafen. Das steht in der Blaupause für ein Gesetz, die SPIEGEL ONLINE vorliegt.


http://www.spiegel.de/netzwelt/web/0,1518,452419,00.html
· 5. Dezember 06 · 08:57
Tom meint:
@ teppi: Die Wii-Console, weil einer bei Wii Sports geübt hat, wie er seinen Tennispartner mit einem Tennisschläger bestmöglich umnieten kann. Danach Monty Python, weil Deutschland entdeckt hat, dass Hexen schwimmen und wir eine rothaarige Irin als Weltmeisterin in 100m-Freistil haben. Was natürlich nicht mit rechten Dingen zugehen kann, weil ihr Sohn Killerspiele (Sims) spielt und unsere beste Schwimmerin hätte gewinnen sollen.
· 5. Dezember 06 · 09:05

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