Eigentlich sollte an dieser Stelle eine Warnung stehen: Bad Day L.A. ist brutal schlecht, es ist verdammt kurz, mies vertont, der Look ist gewöhnungsbedürftig, grundlegende Spielmechanismen sind entweder nicht vorhanden oder funktionieren nicht und die angeblich politische Satire ist über weite Strecken grauenvoll plump und von Fäkalhumor durchzogen. Doch obwohl ich mir wirklich Mühe gegeben habe, das Spiel hier richtig zu verreißen: So ein klitzekleines Bisschen gefällt mir American McGees krude Kreation halt doch.
Danach sah es zuerst nicht aus, denn was direkt im Anschluss an das in der Demoversion enthaltene erste Level folgt, ist richtig übel. Während einer Verfolgungsjagd in einem Krankenwagen ballern wir auf die uns verfolgenden Terroristen, allerdings ist das MG kaum vernünftig zu steuern. Ob man das Level schafft oder nicht, ist weitgehend dem Zufall überlassen, denn auch wenn man alles in Sichtweite umnietet, ist die Chance recht groß, dass der Krankenwagen aus irgendwelchen ominösen Gründen trotzdem Schaden nimmt und schlußendlich explodiert.
Überhaupt sind Zufallstode ein großes Thema in Bad Day L.A.. Nach der Krankenwagenmission kommen wir zum Beispiel in ein Viertel, wo zig Scharfschützen auf den Dächern sitzen. Das bekommt man zuerst nur dadurch mit, dass man ohne ersichtlichen Grund Leben verliert. Aus welcher Richtung die Schüsse kommen, ist nicht zu erkennen, die Scharfschützen sind besonders auf den Hochhäusern schwer auszumachen und respawnen verdammt schnell.
Die Respawnrate ist das zweite große Thema, denn getötete Gegner tauchen ständig wieder auf, kaum dass man sie erledigt hat. Gerne auch mal direkt neben dem Spieler. Dazu kommt der im ersten Drittel des Spiels besonders miese Humor. Wenn man nach dem Erdbeben ein Kind aus einem stark beschädigten Haus »rettet«, indem man es über einen Abgrund kickt und dabei die Mutter erschlägt, dann ist das nicht komisch, sondern abstoßend.
Bad Day L.A. irgendeine Art von Message zu unterstellen, ist also ziemlich weit hergeholt. Auch wenn ich gar nicht ausschließen will, dass die politischen Verhältnisse in den USA unter George W. Bush für American McGee der Auslöser für dieses Spiel waren, merkt man dem Skript, den Charakteren, den Dialogen nur sehr selten den Willen an, tatsächlich etwas auszusagen. Wenn Anthony und seine Freunde am Flughafen von den Sicherheitskräften gefilzt werden, der Mexikaner mit einer Kettensäge problemlos durch die Kontrollen kommt und Anthony selbst nicht etwa angehalten wird, weil er eine Maschinenpistole, eine Schrotflinte und ein Scharfschützengewehr unter seinem Mantel hat, sondern weil er einen Nagelknipser mit sich führt, dann ist das zwar komisch, aber auch schon die beste Szene im gesamten Skript.
Im letzten Drittel gewinnt das Spiel zwar noch, weil sich die Katastrophen häufen und American McGee in Los Angeles keinen Stein mehr auf dem anderen lässt. Außerdem fallen die Gameplay-Probleme gegen Ende nicht mehr so ins Gewicht, weil der Schwierigkeitsgrad eher sinkt als steigt.
Dass mir Bad Day L.A. streckenweise doch gefällt, liegt aber vor allem an dem Bruch, der sich durch das Spiel zieht. Für die künstlerische Gestaltung war nämlich die Gruppe Kozyndan aus Los Angeles verantwortlich. Das merkt man, denn die bei weitem besten Gags des gesamten Spiels sind in Andeutungen in der Grafik versteckt. Ob das die Yacht ist, mit der Anthony und Konsorten aus L.A. zu fliehen gedenken und die in Anlehnung an einen Hollywoodklassiker »The Great Escape« heißt, ob das die Typen vom Airport Security Service (dem Firmennamen mit dem vielsagenden Akronym) sind oder die in der ganzen Stadt angebrachten Filmplakate wie »Titanic II – The Revenge«.
Deshalb bereue ich den Kauf nicht, auch wenn ich Bad Day L.A. wirklich nicht guten Gewissens weiterempfehlen kann.
Das macht auch unser Spielspaßdiagramm deutlich. Neues Feature auf d-frag.de, denn da inzwischen selbst die GameStar so etwas anbietet, kommt man wohl nicht mehr daran vorbei. Wir wollen ja konkurrenzfähig bleiben.

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