Vorbei, vorbei, vorbei, jetzt isse endlich vorbei. Die alte E3, der Bossgegner unter den Spielemessen. Einfach so. Statt der alten E3 wird für nächstes Jahr eine deutlich kleinere Veranstaltung geplant, die ausschließlich dem Fachpublikum wie Publishern, Entwicklern und Händlern vorbehalten sein soll, so hört man. Nix mehr mit Presse. Wer also die auf stinknormalen Pressekonferenzen aggrojubelnden »Berichterstatter« schon immer doof fand, darf seinerseits jubeln. The mega-show is over.
Die Zeiten ändern sich. Große Elefanten wie Sony, EA, Microsoft oder Nintendo haben keine Lust mehr, etliche Millionen Dollar, Yen oder Euro in den Pazifik zu versenken. Verständlich. Den absurden Aufwand, mit Messeständen in Taj-Mahal-Größe, militärischen Sonderschülern und stahlharten Supertitten ein Produkt zu präsentieren, das – wenn man es genau betrachtet – bloß ein kleines bisschen Spaß schenken soll, wird selbst der verschlafendste Finanzvorstand kaum nachvollziehen können.
Weißt du noch? Wir haben uns alle beschriftet und zogen immer weniger an.
Weißt du noch? Als wir alle zu viel waren, weißt du noch?
Einige Fanboys werden weinen, das Hotel- und Horizontalgewerbe in Los Angeles vielleicht im Frühjahr auch, doch die Verlage werden Reisespesen und die großen Onlinemagazine Bandbreite sparen. Vielleicht konzentriert sich die Branche wieder mehr auf die für sie wichtigen Dinge: Fachliches in Ruhe mit Fachleuten besprechen, Absatzmärkte, Verträge und Innovationen bequatschen ohne die völlig virtuellen Deadlines einer halböffentlichen Megamesse und dann irgendwann, wenn die letzte B2B-Hand geschüttelt worden ist, freundlich und mit einem schlauen Grinsen im Gesicht all den Medien, Bloggern und Superwichtigtuern hochglanzpolierte Produkte präsentieren. Mit Inhalten statt mit 4-Stunden-Warteschlangen.
Jetzt isse endlich vorbei
Isse auch lang genug gewesen
Anachronistisch mutet so eine lokal gebundene Messe sowieso an im Zeitalter der globalen Verfügbarkeit, der vernetzten Überallinformierung. Niemand muss mehr für ein digitales Produkt um die halbe Welt und durch wahnsinnige Passkontrollen jagen. Sogar durchschnittliche Berichterstatter kapieren auch ohne Lasershow um sie herum, ob ein Spiel oder eine neue Konsole die Sterne vom Himmel holt oder nicht. Natürlich weiß ich, dass persönliche Kontakte zwischen Presse und Herstellern nicht nur in dieser Branche sehr wichtig sind. Doch einer ausgewogenen Berichterstattung schadet es bestimmt nicht, mal nicht mit den total supernetten extracoolen Entwicklerdudes abzuhängen. (Note to self: auf keinen Fall mit Will Wright und Peter Molyneux in Leipzig saufen gehen! Street Credibility, Alter!)
Wie die Veranstaltung nächstes Jahr genau aussehen wird, weiß ich nicht. Im Convention Center findet sie jedenfalls nicht mehr statt. Die ursprüngliche Pressemitteilung der ESA (nicht die ESA, sondern eine andere) spricht natürlich nicht von Niederlage, sondern euphemistisch von »Evolution«, aber mit der hat man es in den USA derzeit nicht mehr so. Also wenden wir uns lockeren Schrittes der Games Convention in Leipzig zu.
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