Mit ein paar Freunden abends vor der Leinwand zu sitzen und bei Erdnussflips und Bier drei, vier Folgen Deadwood zu schauen, gehört mit zum Besten, was einem als Westernfan passieren kann. Da die Serie das Städtchen Deadwood (aka Drecksloch oder "Illegale Ansiedlung") und seine Einwohner aber verflucht lebensecht rüberbringt, wirft sie bei Freunden von guten Computerspielen regelmäßig eine unschöne Frage auf: Wo bleibt das erste wirklich gute Western-MMORPG?
Dabei bietet sich das Genre aus verschiedenen Gründen für ein MMORPG geradezu an: Die Spielwelt mit jedem AddOn weiter auszuweiten, dürfte nirgendwo anders harmonischer gelingen, drängen doch Siedler und Revolverhelden kontinuierlich immer weiter nach Westen vor. Die älteren Gebiete würden für die Spieler durch den Bau der Eisenbahn mit der Zeit immer einfacher zugänglich.
Wo gelänge die Kombination aus PvP-Kämpfen und aus Housing, also von den Spielern selbst errichteten Bauten, besser als hier? Goldclaims wären hart umkämpft und nicht einfach zu halten. Auch Spielerhäuser nicht für die Ewigkeit geschaffen: Einen erfolgreichen Saloon würde man am Besten gemeinsam mit anderen Spielern aufbauen, um für Nachschub zu sorgen, Gäste bewirten und unliebsame Konkurrenz loswerden zu können. NPC-Wachen würden auf die Bude aufpassen, damit nicht irgendwer des Nachts unseren Laden ausraubt oder ihn einfach abfackelt.
Wer wollte, könnte sich von den übrigen Bewohnern des Ortes zum Sheriff wählen lassen und dann gegen ein Grundgehalt für Ordnung im Ort sorgen. Oder sich als Kopfgeldjäger die auf Banditen ausgesetzte Belohnung verdienen. Wenn man nicht gleich selbst Bandit spielen will und die von anderen Spielern geführten Banken überfällt. Dann müsste man allerdings mit dem Risiko leben, im Gefängnis von Yuma landen zu können.
Was spricht dagegen, als Farmer tätig zu werden? Oder als Doktor? Postrouten aufbauen zu können, über die man gegen Entgelt Waren oder auch andere Spieler befördert? Bei Pinkerton anheuern zu können, um andere Spieler zu bespitzeln? Mit einem Charaktersystem, bei dem man am Anfang lediglich das eigene Volk sowie einige Talente auswählt und bei dem Fähigkeiten dadurch besser werden, dass man sie anwendet, stelle ich mir das überaus spaßig vor.
Raids? Kein Problem. Man braucht schon eine Handvoll Cowboys, um eine komplette Rinderherde sicher durch Texas zu bugsieren. Man braucht einige Leute, um mit seinem Siedlertreck sicher durch feindliches Gebiet zu kommen. Um eine Wagenburg gegen angreifende Indianer zu verteidigen.
Einzig die Balance zwischen den verschiedenen Völkern dürfte schwierig auf eine Weise umzusetzen sein, die den Spielern Spaß macht. Verschiebbare Grenzen zwischen Indianergebieten und Staaten der Weißen, ähnlich Guild Wars Factions, wären zwar cool, allerdings nicht, wenn historisch korrekt die Ureinwohner regelmäßig den Kürzeren ziehen. Wer würde in einem geschichtlich absolut akkuraten Western-Spiel schon Indianer spielen wollen?
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