Es gab einmal eine Zeit, als jedes Spiel seine Speicherstände im eigenen Programmverzeichnis ablegte. Mit den Savegames an sich hatte man nur selten zu tun, beispielsweise wenn man ein Backup anlegen wollte. Hatte man viele Spiele installiert, war das Heraussuchen der sicherungswürdigen Dateien öde und zeitintensiv. Inzwischen gibt es Richtlinien dafür, an welchen Orten in der Windows-Verzeichnisstruktur unsere Daten und Einstellungen zu landen haben. Die meisten Spiele nutzen die heutigen Möglichkeiten, um Savegames möglichst breitgefächert auf der gesamten Festplatte zu verteilen – Backups sind noch immer zeitintensiv, aber heute viel spannender. Toll!
Der absolute Höhepunkt in dieser Richtung war ohne Frage Black & White. Das Spiel war so drollig drauf, dass es Speicherstände nicht nur über fünf Verzeichnisse verstreute, sondern zusätzlich noch Daten in der Registry ablegte. Daten, die zwingend erforderlich waren, denn allein mit den gesicherten Dateien lud Black & White keinen Spielstand fehlerfrei. Es erschienen dutzende Tools programmierfreudiger Fans, die einzig den Zweck hatten, das Erstellen von Sicherheitskopien der B&W-Speicherstände halbwegs handhabbar zu machen.
Zugegeben, an diese Frechheit kam später niemand mehr heran. Die meisten Speicherstände landen heute im »Eigene Dateien«-Ordner. Half-Life 2 gehört zu den wenigen Ausnahmen: Es legt die Savegames in irgendeinem obskuren Unterverzeichnis des Steam-Programmordners ab, deshalb habe ich sie beim letzten Backup auch glatt übersehen.
Aber sind Speicherstände in »Eigene Dateien« überhaupt sinnvoll? Die Regeln dazu sind klar: Dateien, die vom Benutzer angelegt werden und auf die er direkten Zugriff haben sollte, landen dort. Alle Daten, die von Programmen selbst verwaltet werden, gehören dagegen in einen Ordner wie zum Beispiel »Anwendungsdaten«. Darin liegen neben den Daten des Internetbrowsers, neben unseren in Thunderbird angelegten E-Mail-Archiven unter anderem die Speicherstände von Need for Speed: Underground 2. Nicht zu Unrecht.
Denn was haben die meisten Dinge im Ordner »Eigene Dateien« gemeinsam? Mit einem Klick darauf öffnet man sie im dazugehörigen Programm. MP3s starten in WinAmp, ein Klick auf den letzten Geschäftsbrief öffnet ihn in OpenOffice. Hat das schon mal jemand mit einem Speicherstand versucht?
Na also. Dabei wäre das wirklich praktisch.
Den irgendwann einmal eingeführten Unterordner »My Games«, in dem äquivalent zu »Eigene Bilder« und »Eigene Musik« Spielstände gesammelt werden sollten, nutzen leider nur wenige. Würden mehr Spiele – wie Oblivion, Age of Empires 3 und Civilization 4 – davon Gebrauch machen, wäre das Ablegen von Spielständen unter »Eigene Dateien« sogar noch halbwegs praktisch. Leider kocht hier jeder sein eigenes Süppchen. Electronic Arts hält mit dem »EA Games«-Unterordner dagegen, den beispielsweise SimCity 4, The Sims 2 und Black & White 2 nutzen. Wenn EA einen hat, brauchen die Jungs von Atari selbstverständlich auch ihren eigenen Savegame-Ordner, siehe Fahrenheit, und bei Ascaron (Darkstar One) will man natürlich nicht zurückstehen. Rockstar legt gar für jeden Teil der GTA-Reihe einen eigenen Ordner an, auch Need for Speed: Most Wanted, Tomb Raider: Legend und Desperados 2 brauchen jeweils ein eigenes Verzeichnis. Desperados 2 ist schon deshalb ein seltsamer Fall, weil das Unterverzeichnis in den »Eigenen Dateien« leer bleibt und sich stattdessen, ganz wie in alten Zeiten, ein Savegame-Ordner im Programmverzeichnis füllt.
Nun verbringen die meisten Leute 99 Prozent der Zeit an ihrem PC mit anderen Dingen als mit dem Anlegen von Backups. Sie verbringen unter Umständen auch nicht den Großteil der Zeit mit Spielen. Die »Eigenen Dateien« enthalten dann zum Beispiel noch diverse Briefe, die Musiksammlung, Bilder von der Digitalkamera, das eine oder andere noch zu schneidende Homevideo, eBooks, Downloads aus dem Internet. Mit jedem zusätzlichen Spiel, das meint, einen eigenen Ordner zu benötigen anstatt seine Speicherstände unter »My Games« abzulegen, ist die Datenflut schwerer zu überschauen.
Da die Entwickler in den letzten Jahren wohl hinreichend bewiesen haben, dass sie die Sache alleine nicht gebacken bekommen – wie wäre es mit einer entsprechenden DirectX-Komponente? Diese sollte die Speicherstände im »My Games«-Ordner verwalten. Damit nicht jedes Spiel einen eigenen Dateityp definieren muss, könnten diese hypothetischen DirectX-Spielstände beispielsweise Containerdateien sein, in denen neben dem Spielstand an sich auch vermerkt wäre, zu welchem Spiel er gehört. Nach einem Klick auf den Speicherstand könnte DirectX dann automatisch das entsprechende Spiel an der gespeicherten Stelle laden. Nennt das Ganze meinetwegen DirectStorage oder so. Na, wie wärs?
Alternativ könnten natürlich auch einfach die »Designed for Windows Vista«-Ansprüche für Spiele in diesem Bereich höher gesteckt werden als bisher. Der Guide für Windows XP glänzt mit Festlegungen wie »Do not write to autoexec.bat and config.sys!« Zu seiner Zeit sicher eine notwendige Feststellung, heute einfach überholt.
Die Chancen, dass in dieser Hinsicht etwas passiert, stehen gut. In der Windows Vista-Vorschau in der gestern erschienenen c't, die neben dem Chaos auf meinem Rechner Auslöser für diesen Artikel war, heißt es beispielsweise:
Und damit das Zocken unter Vista noch einfacher wird, hat sich Microsoft einiges einfallen lassen. So lässt sich über das Startmenü ein neuer Ordner "Spiele" erreichen, der nicht nur Verknüpfungen zu den Spielen enthält, sondern in deren Kontextmenü auch Links zu den Supportseiten des Herstellers. … Sofern ein Spiel es unterstützt, kann man es im Games-Ordner auch direkt mit dem letzten Speicherstand starten.
Sobald es eine frei verfügbare Betaversion geben wird, werden wir uns das in der Praxis ansehen.
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