Wo gehobelt wird, fallen Späne. Wo konsumiert wird, entsteht Müll. Den sieht man besonders dann, wenn die Müllabfuhr wie derzeit in einigen deutschen Bundesländern streikt. In den Achtzigern trug der verbrauchsorientierte Young Urban Professional (kurz: Yuppie) sicherlich zur Erhaltung von Arbeitsplätzen in dieser Branche bei. Egal ob alleine oder mit der gesamten Vorstadtfamilie, in deren Welt das Spiel Trashman angesiedelt ist. Zu Beginn des Spiel wird eine Stellenausschreibung präsentiert. Die Stelle ist unserem Helden sicher, wir müssen ihm nur noch einen Namen geben.
Ein Blick auf den Ort der Handlung: Wir schauen auf einen Ausschnitt eines typischen Suburbs inmitten der typischen Suburbia. Die Straßen gerade und sauber angelegt, Hecken umgeben die rechtwinkligen Grundstücke. Aufgeräumte Vorgärten und Häuser eines einzigen Baustils. Wer American Beauty gesehen hat, weiß, in welcher Welt wir uns befinden. Müll gibt es hier natürlich nur in den extra aufgestellten Eimern. Die sind weiß.
Unser Held kommt ins Spiel: Ein verheirateter Mann mit drei Kindern, der sich auf eine Stelle beworben hat, die folgendermaßen ausgeschrieben war: »muss aufmerksam sein, leichtfüßig und seinen Drink halten können«. Er ist sicher kein Bewohner des Bezirks, in dem er arbeitet. Zuerst soll er in der Staunton Lane fünf Tonnen leeren, die er an den Häusern einsammeln und zu einem Müllauto bringen muss, das ihn bei seiner Arbeit begleitet. Der Fahrer des Wagens verhält sich allerdings nicht sehr kollegial und fährt auch schon mal los, wenn sich der Held gerade mit einer schweren Tonne Müll mühsam nähert. Schafft es der Müllmann, die Tonne wieder an ihren Platz zu stellen, ohne dass sein Fuß den schmalen Weg durch die Grünflächen der Vorgärten verlassen hat, zeigen sich die erfreuten Bewohner des Hauses in der Tür und locken ihn mit einer (in Bonuspunkten) bezahlten Zusatzaufgabe ins Haus. Oft jedoch erweist sich das verlockende Angebot als Enttäuschung für unseren Helden.
Die Bewohner zeigen sich bei diesen kurzen Kommunikationssituationen als wohlhabende spießige Bürger, die ihr Fernsehgerät nicht reparieren können, ihren verrückten Sohn wahlweise vorführen oder von einem süchtig machenden Computer (einem C64!) befreien wollen oder selbst Hilfe bei einem Adventure brauchen. Die Grünflächen sind Hauptschauplatz der Müllmannerziehung. Zum einen zeigen sich die Bewohner nur dann, wenn ihr kostbarer Rasen nicht betreten wurde, zum anderen gibt es einen satten Punkt- (und man darf vermuten: auch einen Gehalts-)abzug, wenn der Vorgarten doch einmal unachtsam zertreten wurde.
Die Autoren des Spiels nennen sich New Generation Software. Wahrscheinlich lebte diese neue Generation in Vororthäusern, denn die Distanz des Erzählers zu der Hauptfigur ist groß. Bereits der Text der Stellenanzeige (»able to hold his drink«) macht deutlich, was nach Meinung des Erzählers von dem Berufsstand des Müllmanns zu halten ist: er ist der Verlierer der Konsumgesellschaft, der konsequent auch nur eine einzige Chance (ein Leben) hat, sich noch einmal in der Vorstadt zu bewähren. Sein Tod wird sogar noch ironisch kommentiert, indem seine posthume Nominierung zum »Trashman of the Year« bekannt gegeben wird. Streiken kann der Trashman nicht.
Die »New Generation« zeigt im Spiel das Publikum, das sie erreichen möchte: Es sind die verrückten Söhne, die tagelang vor dem C64 sitzen und deswegen Konflikte mit ihren Eltern haben. Während sie Trashman spielen, läuft draußen der Müllmann ums Haus und entsorgt in existenzieller Not ihre Pizzaschachteln.
Spaß hatten sie bestimmt mit dem Spiel.
Kommentare sind für diesen Beitrag geschlossen.