Augen zu. Visuell war gestern. Eine neue Interpretation (oder sagt man Coverversion?) von Pong führt vor Augen, wie Spiele auch ohne Augen sinnlich erfahrbar werden. Denn sie kommt ohne Grafik aus. Über Sieg und Niederlage entscheidet allein das Gehör. Und erst jetzt, über 30 Jahre später, wird Pong seinem Namen wirklich gerecht: PONG. Licht aus und PONG. Manchmal PING und TSCHOCK. In Stereo.
Täglich Tausende von Bildern.
Wir sind ausgeliefert. Wir sind abhängig.
Mehr als 90% unserer Wahrnehmung ist visuell.
Was, wenn wir unseren Augen nicht mehr trauen könnten?
Was, wenn das Licht ausgeht?
Kannst du dich im Dunkel zurechtfinden?
Vergiss deine Augen. Trau deinen Ohren.
Das flashige Pong von Julia Soergel und Philipp Höhne entstand im Rahmen eines Medienprojekts der TFH Berlin. Weil unsere Ohren eben nicht unten und oben, sondern rechts und links sitzen, ist das klassische Spielfeld von Pong um 90 Grad gedreht. Einfacher Anfang pretty in pink. Doch dann gehen die Lichter aus. Dunkelheit. Der Ball wandert von links nach rechts, seine Echopeilung vom linken in den rechten Lautsprecher, das eigene Paddle SRRRT irgendwo in der Mitte, bis der Ball endlich PONGT. Oder auch nicht. Man ertappt sich selber beim sinnlosen Starren auf den schwarzen Monitor, will seinem Sehnerv visuelle Anhaltspunkte geben, doch die erscheinen nicht. Schwierig, die eigene jahrelange Konditionierung zurück in die Dunkelkammer zu prügeln.
Ein Hörspiel also. Clever ausgedacht. Nicht nur als Spielkonzept, sondern vor allem auch als Demonstration sichtbarer und unsichtbarer Grenzen. Die Grenzen sehender und blinder Menschen zum Beispiel. Und so kann man den Faden weiterspinnen: Könnte ein Level in totaler Dunkelheit bei Thief funktionieren? Oder wäre eine spezielle Blindenversion von Counter-Strike: Source möglich, die visuelle Reize durch auditive ersetzt? Kommen ausgerechnet die visuell überwältigenden Rez und Amplitude einem erhörbaren Spiel nicht schon sehr nahe? Und ließe man bei Electroplankton die Grafik weg, bliebe da letzten Endes nicht … Electroplankton? Spannende Fragen. Denn nicht alle Spieler besitzen das komplette Instrumentarium menschlicher Sinne. Und zu wenige Spiele trauen sich, neue Formen der sensorischen Interaktion auszuprobieren.
Also Kopfhörer auf und Pong auf englisch hörspielen oder Pong auf deutsch hörspielen.
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