Den Besuch in Leipzig nutzte ich zu einem Gang durchs Leipziger Museum der bildenden Künste. Wie es war? Wäre ich Printjournalist, würde ich sagen: 68%, Abzüge für arge Designschnitzer. Anscheinend weiß man in Leipzig noch nicht viel von Museumsdidaktik (oder man hält nicht viel davon), denn die meisten Kunstwerke werden lieblos in voll gestopften Räumen gezeigt. Als Information gibt es nur ein Kärtchen mit Titel, Künstlernamen und Inventarnummer. Bilder kommen so nicht zur Geltung. Zwischendurch gab es aber auch Gelungenes, etwa die Präsentation von Klingers Beethoven, der im eigenen Raum mächtig auf den Besucher herabstarrt. Ebenso die Videoprojektion im steilen Treppenhaus, die dem Besucher hämisch einen Skilift zeigt. Oder die großen, von hinten durchleuchteten Bilder keimender Pflanzen, die wie Palmen in den Himmel ragen. Überhaupt: ein Besuch lohnt sich allein wegen der Architektur des Museums.
Ja, und?
Gestern war ich in einer anderen Ausstellung. Und weil die mir so gefallen hat, lege ich sie allen ans Herz: Besucht Burning Life! Ihr findet sie in Second Life.
Die Kunstwerke in Burning Life sind meist Installationen, die man begehen kann. Und allein der Raumeindruck führt zu einem sehr intensiven Erlebnis. Es gibt »konventionelle« Kunstwerke, zweidimensionale Gemälde oder Rauminstallationen, die einfach eine Landschaft gestalten (Piratenschiffe, Vulkane oder Räume aus mathematischen Figuren). Andere Künstler bauen Alltagsgegenstände in der Größe von Häusern und einige Objekte zitieren berühmte Kunst aus unserer Welt.
Einige Kunstwerke benutzen die in Second Life so wichtige Skript-Funktion, über die beim Anklicken ein Ereignis ausgelöst wird. Ein Beispiel ist der große Lichtschalter (»God Switch«) auf dem Boden, mit dem man das Licht ausschalten kann. »Daedalus Nadel« ist ein 565 Meter hoher Turm, auf dessen Spitze man sich mit zwei Mausklicks teleportieren lässt, um dann von oben hinunter zu springen. Die Lehre erwartet den Spieler unten am Boden.
Moral und »First Life« bleiben, wie leider oft in der Kunst, auch bei der Ausstellung nicht aus dem Spiel. Der 11. September wird gleich zweimal thematisiert. Einmal stilisiert als ein animierter Ufo-Angriff auf Hochhäuser und einmal in einer Gedenkstätte für die Opfer terroristischer Anschläge. Tatsächlich lasse ich meine Figur kurz niederknien. Das funktioniert nur im Virtuellen.
Andere Kunstwerke machen einfach Spaß, wie etwa der große Pac-Man-Automat, bei dem man mal eben die Figur in Pac-Man verwandelt. Ich sagte ja schon, dass ich Spiele über Spiele mag. Darum mag ich auch diejenigen Kunstwerke am meisten, die Second Life-Themen verarbeiten. Einen rotierenden Kasten, auf dem steht: »Just Say No To Pose Balls!«. Eine Fabrik, in der kleine Zwerge am Fließband stehen müssen, um aus Bäumen Prims herzustellen, die Grundbausteine der Second Life-Welt. Dass in einer anderen Fabrik die Zwerge selbst als Rohmaterial für Prims dienen, muss jeden Architekten schockieren.
Burning Life macht deutlich mehr Spaß als das Leipziger Museum. Es ist vielleicht kein Ersatz, aber die Ausstellung sollte, weil sie Spaß macht, ein Vorbild für Leipzig sein.
Burning Life wird nur noch bis zum 19. September gezeigt. Dann werden alle Kunstwerke verbrannt.
Beuys würde das gefallen.
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