Space Pioneers

von ben · 23. Juni 05 ·

Space PioneersSeit drei Wochen spiele ich – angefixt durch einen Freund – Space Pioneers. Das Szenario ist einfach: junger Weltraumpionier darf sich Planeten mit allerlei Minen, Fabriken, Kraftwerken und Forschungslabors untertan machen, Rohstoffe ausbeuten, Kriegsmaschinen bauen und forschen. Wie bei Command & Conquer oder Starcraft auch. Nur gibt es keine hübschen 3D-Landschaften, sondern einen Haufen Tabellen, einen Techtree und eine Galaxis voller Mitspieler.

Space PioneersIn der Tat dauert es keine halbe Stunde, bis aus den Zahlen hinter Wörtern wie »Geo-KW« oder »Tritiumsynthesizer« in meinem Kopf ein arbeitsamer Planet geworden ist. Schnell hat man die erste Anlaufphase des Spiels hinter sich, in der man im Minutentakt neue Gebäude aus dem Planetenboden stampft. Danach fügt man dem eigenen keimenden Imperium alle paar Stunden mal wieder etwas hinzu. Richtig gut wird das Spiel, sobald man Raumschiffe bauen kann, welche die umliegenden Planeten unsicher machen. So wird aus den Zahlen und Tabellen eine sich bewegende und mächtige Raumflotte, die man mit einer einfachen interaktiven Karte auf seine Mitspieler hetzen kann.

Space PioneersAb dann geht’s richtig los. Aus dem unspektakulären Äußeren des Spiels ist in meinem Hirn etwas höchst Spektakuläres geworden: Mein Imperium, das nach Wachstum und Expansion verlangt, das gegen Feinde verteidigt werden will und das stets Aufmerksamkeit von mir erfordert, denn das Spiel läuft auf dem Server immer weiter. Egal ob ich spiele oder nicht. Und meine Kolonien und Schiffe sind da draußen! Die Kombination einer persistenten Welt mit einem Online-Strategiespiel für tausende Mitspieler lässt die Fiktion des Spiels, die aus den paar Zahlen und Buchstaben erwachsen ist, so mächtig werden, dass ich meinen Tagesablauf danach ausrichte.

Space PioneersJenseits dieser Grenze wird es gefährlich: man beginnt dann, sich den Wecker zu stellen, weil das eigene Imperium in der Nacht natürlich besonders verletzbar ist – ebenso wie die Imperien der anderen Spieler. Oder man fängt an, sich über die Spielgewohnheiten seiner Mitspieler Gegenspieler zu informieren. Ein eigenes ausgewachsenes Imperium verlangt einfach immer mehr Zeit und Planung. Julius Caesar hatte schließlich auch viel zu tun.

Space Pioneers kann man nicht im Laden kaufen. Muss man auch nicht, denn es ist ein kostenloses Browserspiel. Seine drei großen Stärken sind die vieler Browserspiele: eine persistente Welt, Tausende von Mitspielern und die universelle Verfügbarkeit. Ohne diese Vorzüge würde es mich wegen der leider recht altbackenen Spielmechanik schnell langweilen. Ein wenig mehr Innovation täte dem Spielspaß sicher gut. Denn diese Art von Spielen hat die Macht, mit nur ganz wenigen Mitteln faszinierende und fesselnde Fiktionen zu erzeugen, mit nur einer Hand voll Wörtern, Zahlen und Bildern.

[Demnächst in diesem Kino: ein weiterer Artikel über die große Welt der Browserspiele von unserem neuen Autor Benjamin Birkenhake.]

Alphager meint:
omega-day.de ist auch nicht schlecht. HAt sogar 3D-Karten.
· 23. Juni 05 · 04:50
Hendrik meint:
Wie unterscheidet sich dieses Spiel von Planetarion und dessen 4378947349324789 Clones?
· 23. Juni 05 · 08:10
ben [d-frag.de] meint:
@Hendrik: Nicht, dass ich Planetarion oder einen der 4378947349324789 Clones gespielt hätte ... in der Tat ist Space Pioneers mein Genre-Einstieg. Aufgrund der Begeisterung - die man vielleicht im Artikel wiederfindet - habe ich mir dann mal ein paar andere Spiele aus dem Genre angesehen und kann dir daher zwei Antworten auf deine Frage geben:
1. In den Details unterscheidet sich Space Pioneers schon von anderen Browsergames. Aber es gibt auch auch praktisch keine 100%igen Klone. Alle Unterschiede aufzuzählen, wäre ein bisschen müßig, oder? Was uns auch schon zu Antwort zwei führt.
2. Eigentlich sind die Unterschiede zwischen den meisten HTML-basierten Online Multiplayer Strategiespielen marginal, zumindest für den Punkt, auf den ich hinaus wollte ... und zu dem es nächste Woche einen neuen Artikel gibt. ;]
· 23. Juni 05 · 09:41
Marc meint:
»Faszination Browsergame« habe ich noch nie verstanden. Vielleicht liegt es auch an meinem Alter oder der Tatsache, dass ich dann doch Full-Motion-Videosequenzen mit Musik brauche damit ich mich in die Atmo eines Spiels einfühlen kann. Außerdem scheinen das ja alle so Taktikspiele wie Civilization zu sein. Die fand ich schon offline immer zum Einschlafen.
Irgendwie ist mir meine Zeit zu schade für Spiele, die man in einem Browserfenster spielt. Anarchy Online ist im Moment auch kostenlos ohne die AddOns. Aber man muss ja nicht alles spielen. =)

Aber Benny, schön jetzt hier was von dir lesen zu können. =)) Bis Dienstag. Nicht vergessen! >
· 23. Juni 05 · 11:06
Knusper meint:
Also, bevor ich so ein doofes Browsergame mir reinziehe, spiel ich lieber Demon Attack auf meinem Atari VCS 2600....
· 23. Juni 05 · 12:23
Torg meint:
Mich schrecken Browsergames eher ab, WEGEN der Zeit, die man investieren muss. Wenn man mal zwei Tage keine Zeit (oder Lust) hat, was einem werktätigen Menschen schnell mal passiert, ist man raus. Die Frustration ist in dem Fall einfach zu gross.
Und üblicherweise stürzen sich auch die starken Langzeitspieler sofort auf einen, sobald man aus den geschützten Zonen/Leveln/Bereichen heraus ist und plätten einen. Frust.
· 23. Juni 05 · 13:01
Micha meint:
schließe mich meinen vorrednern an. hab browsergames mal ausprobiert (als Student hat man ja wenigstens die zeit) - aber nach einer weile einfach nicht mehr eingesehen, meinen tagesablauf nach einem SPIEL zu richten, nur weil ich im Spiel sonst zu schnell zu schlecht werde / verliere.

Nenene -.- ... Browsergames halt ich net für so doll.

Es gibt übrigens nicht nur Strategie-Browsergames, sondern auch RPG's, z.b. Knights (bin grad zu faul die url rauszusuchen, googlen tuts auch).
· 23. Juni 05 · 17:06
mo [d-frag.de] meint:
Marc, warte erstmal ab, bis wir hier über Textadventures schreiben, du FMV-Junkie :)
· 23. Juni 05 · 18:29
groggy meint:
Das Spiel ist ziemlich langweilig geworden. Ich erinnere mich noch an die alten glorreichen Zeiten. Als ich noch Nachts aufgestanden bin um Angriffe zu starten, als es DjRom noch nicht gab und die [honor] noch wirklich Ehrenvoll war. Die Zeiten vor Arbeitslosen, die dieses Spiel für sich eingenommen haben. Die Zeiten als abfangen noch ein Mythos war.
Ja ich hätte nie gedacht, dass es soweit kommt. Aber schon mit jungen 18 Jahren kann ich sagen: Früher, war alles besser.

In diesem Sinne eine kurze Gedenksekunde an WHN. Amen und so!
· 24. Juni 05 · 02:33
Torg meint:
mo [d-frag.de] meint: [...] warte erstmal ab, bis wir hier über Textadventures schreiben [...]

Oh... MUDS (Text-Rollenspiele) sind was komplett anders... die liebe ich ;)
· 24. Juni 05 · 15:45
Marc meint:
mo [d-frag.de] meint: [...] warte erstmal ab, bis wir hier über Textadventures schreiben [...]

Ich bin nur der Meinung, dass man nicht alten oder schlechteren Technologien hinterher weinen muss wozu bei mir das Browsergame ganz klar gehört. So etwas spielen dann Leute die eben mal zwischendurch (bei der Arbeit =] ) spielen oder so. Aber für mich sind Spiele mittlerweile wie Filme. Da macht man auch nichts nebenbei. Es ist natürlich ein Unterschied ob man Final Fantasy spielt oder Monkey Ball im Multiplayer.

Aber ich bin noch mit meinen 25 Jahren zu jung um mich an vergangenen Spieltechniken aufzugeilen. Da feiere ich lieber der fotorealistischen Grafik oder gleich dem Holodeck entgegen. =)
· 25. Juni 05 · 13:22
alcyon [d-frag.de] meint:
@Marc: Liebend gerne, solange man dahinter auch noch ein kleines bisschen Spiel entdecken kann, was mehr Mechanik als ein Bildschirmschoner hat. Da bin ich ebenfalls voll für! Nichtsdestotrotz sollte man (älteren) guten Sachen ebenfalls Beachtung schenken, vielleicht verpasst man etwas ganz großes..
· 25. Juni 05 · 13:56
ben [d-frag.de] meint:
Unterschätze nie die Macht der Dunklen Seite, Marc! Sicher können wir hier über die Vor- und Nachteile unterschiedlicher Genres diskutieren, aber am Ende des Tages ist das, als würde man ausdiskutieren wollen, ob Grunge oder Drum and Bass besser ist.

Aaaaber lieber Marc, zu behaupten, Browsergames würden mit einer schlechteren Technik arbeiten, ist nur dann richtig, wenn man gute Spieletechnik ausschließlich auf 3D-Graphik und Performanz reduziert. Und wie schon erwähnt, werde ich an dieser Stelle nächste Woche ausführen, in welcher Hinsicht Browsergames mit der besseren Technik arbeiten ... watch out!
· 25. Juni 05 · 14:15
Hendrik meint:
ben, mein Kommentar war nicht als Kritik deines Artikels gedacht -- sorry, falls das so rüber kam. Mir geht lediglich etwas auf den Geist, dass sich diese Browsergames seit Planetarion kaum verändert haben -- und Planetarion ist inzwischen fast 7 Jahre alt.

Mit den ganzen tollen neuen und alten, aber neu entdeckten Web-Technologien wie -- als aktuelles Beispiel -- "Ajax" wären doch viel schickere und aufregendere Games möglich, die weit über die Zahlenschieberei von den Planetarion-Klonen hinaus gehen.
· 25. Juni 05 · 14:38
ben [d-frag.de] meint:
@Hendrik: Fein. Dann freu ich mich über die Rückendeckung und Du kannst Dich auf den kommenden Artikel freuen. :]
· 25. Juni 05 · 14:52
Hendrik meint:
Das tu ich hiermit. :-P
· 26. Juni 05 · 16:18
stefanx meint:
ich bin inzwischen bzw. schon ein weilchen von einem anderen browsergame total angefixt: dem guten alten hattrick. suchtfaktor galore!

diese weltraumdinger reizen mich bislang nicht. ich hab da ideen (verschiedenste spezies, böse aliens, fiese krankheiten, usw.) und würde da gerne selber was in die richtung aus dem boden stampfen. allerdings kostet das so unendlich viel mehr zeit als ich habe. :(
· 30. Juni 05 · 21:57

Kommentare sind für diesen Beitrag geschlossen.

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