Seit drei Wochen spiele ich – angefixt durch einen Freund – Space Pioneers. Das Szenario ist einfach: junger Weltraumpionier darf sich Planeten mit allerlei Minen, Fabriken, Kraftwerken und Forschungslabors untertan machen, Rohstoffe ausbeuten, Kriegsmaschinen bauen und forschen. Wie bei Command & Conquer oder Starcraft auch. Nur gibt es keine hübschen 3D-Landschaften, sondern einen Haufen Tabellen, einen Techtree und eine Galaxis voller Mitspieler.
In der Tat dauert es keine halbe Stunde, bis aus den Zahlen hinter Wörtern wie »Geo-KW« oder »Tritiumsynthesizer« in meinem Kopf ein arbeitsamer Planet geworden ist. Schnell hat man die erste Anlaufphase des Spiels hinter sich, in der man im Minutentakt neue Gebäude aus dem Planetenboden stampft. Danach fügt man dem eigenen keimenden Imperium alle paar Stunden mal wieder etwas hinzu. Richtig gut wird das Spiel, sobald man Raumschiffe bauen kann, welche die umliegenden Planeten unsicher machen. So wird aus den Zahlen und Tabellen eine sich bewegende und mächtige Raumflotte, die man mit einer einfachen interaktiven Karte auf seine Mitspieler hetzen kann.
Ab dann geht’s richtig los. Aus dem unspektakulären Äußeren des Spiels ist in meinem Hirn etwas höchst Spektakuläres geworden: Mein Imperium, das nach Wachstum und Expansion verlangt, das gegen Feinde verteidigt werden will und das stets Aufmerksamkeit von mir erfordert, denn das Spiel läuft auf dem Server immer weiter. Egal ob ich spiele oder nicht. Und meine Kolonien und Schiffe sind da draußen! Die Kombination einer persistenten Welt mit einem Online-Strategiespiel für tausende Mitspieler lässt die Fiktion des Spiels, die aus den paar Zahlen und Buchstaben erwachsen ist, so mächtig werden, dass ich meinen Tagesablauf danach ausrichte.
Jenseits dieser Grenze wird es gefährlich: man beginnt dann, sich den Wecker zu stellen, weil das eigene Imperium in der Nacht natürlich besonders verletzbar ist – ebenso wie die Imperien der anderen Spieler. Oder man fängt an, sich über die Spielgewohnheiten seiner Mitspieler Gegenspieler zu informieren. Ein eigenes ausgewachsenes Imperium verlangt einfach immer mehr Zeit und Planung. Julius Caesar hatte schließlich auch viel zu tun.
Space Pioneers kann man nicht im Laden kaufen. Muss man auch nicht, denn es ist ein kostenloses Browserspiel. Seine drei großen Stärken sind die vieler Browserspiele: eine persistente Welt, Tausende von Mitspielern und die universelle Verfügbarkeit. Ohne diese Vorzüge würde es mich wegen der leider recht altbackenen Spielmechanik schnell langweilen. Ein wenig mehr Innovation täte dem Spielspaß sicher gut. Denn diese Art von Spielen hat die Macht, mit nur ganz wenigen Mitteln faszinierende und fesselnde Fiktionen zu erzeugen, mit nur einer Hand voll Wörtern, Zahlen und Bildern.
[Demnächst in diesem Kino: ein weiterer Artikel über die große Welt der Browserspiele von unserem neuen Autor Benjamin Birkenhake.]
Kommentare sind für diesen Beitrag geschlossen.