The Sith Lords

von chris · 25. April 05 ·

Star Wars: Knights of the Old Republic 2Zwei Uhr nachts ist es inzwischen, und ich weiß, dass mein Wecker morgen wieder unbarmherzig früh klingeln wird. Doch jetzt will ich es endlich wissen, möchte erfahren, wozu ich quer durch die Galaxis gereist bin, um all diese Leute aufzuspüren, die nicht gefunden werden wollten. Ich halte den Atem an, als ich die Jediakademie auf Dantooine betrete. Drei Personen empfangen mich im Rondell im Zentrum der Akademie. Kreia, die mich begleitet hat, wartet auf dem Vorplatz, setzt sich dort auf eine Bank und – ein Kreischen und Fiepen ertönt, der Bildschirm färbt sich blau. Wieder mal.

KotOR 2Star Wars: Knights of the Old Republic 2 scheint meinen PC regelrecht zu hassen. In den 28 Stunden, die ich brauchte, um das Spiel das erste Mal durchzuspielen, habe ich weit mehr Bluescreens gesehen, als in all den Jahren (und all den Spielen) seit Erscheinen von Windows XP zusammen. Wie immer man bei LucasArts »Qualitätssicherung« definiert, mit dem, was der Rest der Welt darunter versteht, kann es nicht viel gemein haben.

Die besagte Zwischensequenz auf Dantooine inklusive einiger vom Spieler gesteuerter Dialoge ist an sich keine zehn Minuten lang. Aber erst danach kann man wieder speichern, also muss sie ein Mal, ein einziges Mal fehlerfrei durchlaufen. Argh. Mir fallen fast die Augen zu. Bei jedem anderen Spiel hätte ich den PC nach dem zweiten vergeblichen Anlauf ausgeschaltet, hätte meinen Schlaf gehabt und das Machwerk am nächsten Tag zurück zum Händler gebracht. Wenn es doch nur so einfach wäre. Ich will endlich wissen, was die Drei mir zu sagen haben! Ein Versuch noch…

KotOR 2Als es endlich klappt, ist es fast drei Uhr, doch es hat sich gelohnt. So wie Geschichte und Charaktere im Spiel insgesamt deutlich vielschichtiger und mehrdeutiger sind als im Vorgänger, so ist auch der obligatorische Storytwist subtiler. Von dessen Vorhandensein war ich ehrlich überrascht, hatte ich doch zuvor in etlichen Reviews gelesen, die Geschichte sei verworren und würde einen entscheidenen Wendepunkt wie in KotOR vermissen lassen. Überhaupt sei von Anfang an klar, wer der Bösewicht im Spiel sei. Schon möglich, überlege ich, aber der war auch im ersten Teil sofort benannt. Der Twist ist ein anderer. Mag sein, dass er sich mir besonders aufdrängte, weil ich, wie oben erwähnt technisch bedingt, die entsprechende Zwischensequenz ganze acht Mal hintereinander genießen durfte.

Speichern, PC ausschalten, hinlegen und endlich schlafen.

Kann ich nicht. Mit offenen Augen liege ich im Bett und denke über die Erkenntnisse nach, die dieses Gespräch und sein ungewöhnlicher Ausgang zu Tage gefördert haben. Worauf wird das alles hinauslaufen? Gibt es für mich überhaupt eine Möglichkeit, da heil rauszukommen? Parallelen zu Planescape: Torment drängen sich geradezu auf. Könnte zum Beispiel daran liegen, dass beide Geschichten vom selben Autor stammen: Chris Avellone. (Szenenapplaus!)

Am nächsten Tag, nach der Arbeit, kann ich es kaum erwarten, herauszufinden, wie die Geschichte weitergeht. Wohnungstür hinter mir schließen, Powerknopf am PC drücken und … vielleicht erstmal Schuhe und Jacke ausziehen.

Leider ist das Treffen auf Dantooine nicht nur Wendepunkt in der Story, sondern muss auch ein Wendepunkt in der Entwicklung des Spiels gewesen sein. Das muntere nichtlineare Planetenhopping, schon im Vorgänger beliebt, findet ein Ende, die Bühne für das Grand Finale sollte bereitet werden. Das geschieht mehr schlecht als recht, denn alles, was fortan im Spiel noch folgt, wirkt auf die Schnelle hingeklatscht. Hier fordert die kurze Entwicklungszeit deutlich sichtbar ihren Tribut. Obsidian Entertainment musste das Spiel in etwas über einem Jahr fertigstellen, während BioWare für den ersten Teil fast drei Jahre zur Verfügung hatte.

KotOR 2Flüchtigkeitsfehler haben sich eingeschlichen. Mit einigen meiner Begleiter kann ich mich immer noch über Dinge unterhalten, die vor Äonen mal aktuell waren, aber nun einfach nicht mehr in den Kontext passen. Die Raumschiffe und Stationen, die man noch besucht, wirken eintöniger als alles vorher im Spiel gesehene. Da wäre zum Beispiel ein Sithtempel mit dutzenden immer gleich aussehenden Räumen, völlig frei von Einrichtungsgegenständen jedweder Art. Selbstverständlich erwartet den Spieler in jedem Raum ein Sith-Lord samt Begleitung. Man kann schließlich Spielzeit schinden, indem man Spielern Unmengen an Gegnern entgegenwirft.

Nicht einmal für die NPC-Begleiter war noch Zeit. Visas, eine dunkle Jedi, verkündet in einem Moment noch, nach dem Tode ihres bisherigen Meisters mir nun zu folgen – und verschwindet dann für immer von der Bildfläche. Unzählige lose Fäden der Story bleiben über, das Ende ist schlicht unbefriedigend und wird der Erwartungshaltung, die das Spiel bis zum Erreichen der Jediakademie auf Dantooine aufbaut, in keinster Weise gerecht. Das Matrix-Revolutions-Syndrom.

KotOR 2Dass das Finale ursprünglich anders geplant gewesen sein muss und kurzfristig zusammengestrichen wurde, merkt man besonders den Zwischensequenzen an. Die waren zum Zeitpunkt der Kürzung offenbar schon fertiggestellt und ergeben in ihrem neuen Kontext nur wenig bis überhaupt keinen Sinn. Da gibt es etliche Hinweise auf Konflikte zwischen Charakteren, die dann niemals stattfinden. Eine kurze Episode zwischen einer Kopfgeldjägerin und einem Wookie kurz vor Schluss hat es zwar wenigstens ins Spiel geschafft, ist aber leider wegen Kürzungen an anderer Stelle für die Story ohne jegliche Relevanz. Ein Droide wird an Bord der Ebon Hawk von einem anderen Bordmitglied außer Gefecht gesetzt, später kann sich aber niemand an den Vorfall erinnern. Am wenigsten der Droide selbst, dem es wie von Zauberhand auf einmal wieder prächtig geht.

Wie die letzten Tage Arbeit vor der Deadline bei KotOR 2 ausgesehen haben mögen, möchte ich lieber nicht wissen. Selbst absolut grundlegende Dinge hat man im Stress übersehen. So wäre es beispielsweise nicht nötig gewesen, die ausgezeichnete, vom Northwest Sinfonia eingespielte Musik des Spiels auf die gleiche Art zu komprimieren wie die Sprachausgabe: Als MP3 mit lediglich 48kbps und in Mono. Mein THX-Surroundboxenset fühlt sich veralbert.

KotOR 2Um die Xbox-Fassung pünktlich zu Weihnachten 2004 in den amerikanischen Regalen zu haben, hat LucasArts also ein viel versprechendes Spiel unter enormem Zeitdruck unfertig auf den Markt geworfen. Dieses Schicksal teilt KotOR 2 zwar mit einigen anderen Spielen, dass es mich in diesem Fall so – Entschuldigung – ankotzt, liegt aber daran, dass das Spiel nicht einfach mittelmäßig ist, weil seine Entwickler es nicht besser konnten oder besser wussten. Das gewaltige Potenzial der Geschichte, der NPCs, des Spiels insgesamt blitzt an vielen Stellen durch.

Der erste Teil war ein absoluter Ausnahmetitel, und doch hätte KotOR 2 ihn in vielerlei Hinsicht in den Schatten stellen können. Hätte.

Nachtrag

Schlappe zweieinhalb Monate nach Veröffentlichung ist es LucasArts bereits gelungen, einen Patch für das Spiel zur Verfügung zu stellen. Abstürze hatte ich seitdem nicht mehr. Ein Patch, der die Musik im Spiel auf ein Level jenseits Telefonsprachqualität bringen soll, ist bereits angekündigt.

Micha meint:
Schon Teil 1 war ein Meilenstein - zumindest in Hinsicht mangelnder Qualitätssicherung.

Sorry, aber geniale Story, StarWars-Universum, viele viele Sidequests und Beschäftigungen können mich mal am A**** lecken, wenn das Spiel sich einfach aufhängt, sobald ich auf Dantooine die Ebon Hawk betrete. Einfach Sense. Zu Ende. Alles probiert, jedes Forum durchforstet ... this SUX.

Damit ist diese Spiele-Reihe für mich wohl solange gestorben, bis ich den Frust über Teil 1 vergessen habe und mich irgendwann erneut an ihm versuche - falls er bis dahin läuft.
· 25. April 05 · 11:56
ryn meint:
danke für die warnung! herkömmliche reviews scheuen ja leider oft die spoiler, die man bräuchte, um zu erklären, wie gravierend die abgeschnittenen storylines am ende wirklich sind. teil 1 hat auf meiner xbox nur kleinere bugs gezeigt, und ich hatte die vage hoffnung, hier könnte es ähnlich laufen. offensichtlich nicht.
· 25. April 05 · 16:10
Jan meint:
Wieso nicht? Der Text bezog sich doch auf die PC-Version.

Naja, wer sich heutzutage noch mit dem PC herumschlägt will's im Grunde seines Herzens ja gar nicht anders, seid ehrlich ;)
· 25. April 05 · 22:53
Micha meint:
Pah, PC's rulez *g ... Konsolengames haben auch Bugs - beheb die mal mit nem Patch *hRhR*

nene, PC is scho die bessere Spieleplattform ^^
· 26. April 05 · 01:40
alcyon [d-frag.de] meint:
Ja, und Atari ist doof, ich bin für den Amiga. Ausserdem für Firefox statt IE, Mac statt Wintel, Cubase statt Logic, Linux statt Windows und überhaupt! ;-)

Plattformkriegend,
alcyon
· 26. April 05 · 02:01
chris [d-frag.de] meint:
Um mal konkret bei KotOR 2 zu bleiben: Die Kritikpunkte am Finale des Spiels betreffen die XBox-Fassung ebenso wie die PC-Fassung. Auch bei den paar kleineren Bugs in Quests kann ich mir kaum vorstellen, dass die in der früher erschienenen XBox-Version nicht ebenfalls vorhanden sein sollen. Direkt vergleichen kann ich beide Versionen mangels Konsole allerdings nicht.

Meine technischen Probleme mit dem Spiel (die der ebenfalls bei mir installierte erste Teil übrigens nie hatte, bei gleicher Hardwarekonfiguration) sind sicher ein Extremfall, andere Spieler werden deutlich weniger Abstürze haben.
· 26. April 05 · 12:46
Micha meint:
Hmm, mein Mitbewohner hat auf seinem Rechner mit KotoR2 exakt die gleichen Probleme wie du gehabt - hab ihn auch nur immer bis in mein Zimmer jammern hören, wenn er eine Sequenz mal wieder zigmal durchlaufen musste, einfach weil das Spiel mit schöner Regelmässigkeit immer vor der Möglichkeit zu speichern abschmiert.
· 26. April 05 · 13:33
ryn meint:
ich bezog mich in meinem kommentar (etwas unklar) auf die beschnittene story - die wird ganz plattformunabhängig enttäuschen. ärgerliche bugs habe ich schon in einer reihe von xbox-titeln ertragen. wie auf jeder anderen plattform auch.
· 26. April 05 · 14:33
cmi meint:
das spiel ist trotz alledem genial - wäre da nicht teil 1 und wäre da nicht das wehmütige "wieviel besser hätten sie es mit mehr zeit machen können"-gedanke. ich hatte gottseidank nie bluescreens, aber die dahingeklatschten letzten szenen sind leider absolut dumm. insbesondere das ende.

was war das für ein erhebender moment, als man in kotor1 als imperator triumphierend über der jubelnden menge stand... spielt mal kotor2 böse durch.. schade, schade, schade.. und ich mache hier keinesfalls obsidian einen vorwurf (die werden schon in den foren niedergemacht, was ich nicht nachvollziehen kann) sondern lucasarts.
· 26. April 05 · 19:57
Myn meint:
Ich habe die Xbox Version gespielt und muss sagen das auch hier einiges verpatzt wurde. Abgesehen von den Fehlern in der Storyline. Da spricht beispielsweise eine Kraia mit männlicher Stimme und vieles mehr. Aber alles in allem hat das Spiel was und mein WoW Account lag eine Woche brach, und das heisst bei mir was.
· 12. Mai 05 · 12:50
Sven meint:
Habe mir Kotor 2 für die xbox gekauft. War schon auf allen Planeten, habe alle 10 Charakteren in meiner Gruppe, und habe bis jetzt alles erladigt. Leider hänge ich jetzt auf Dantoine an der Zwischensequenz von dem Kampf zwischen der Miliz und den Söldnern. Nach der Sequenz beginnt ein automatisches Laden und danach bleibt der Bildschirm schwarz. Zwar kann ich mein Charakter noch hören, wenn ich mein Laserschwert aktiviere, aber ich sehe ihn nicht. Ich kann dann nur noch in das Menü gehen und neu Laden. Und das passiert jedes mal, ich habe es bestimmt schon 20 mal probiert, und komme nicht weiter, weil das verdammte Spiel einfach immer hängen bleibt. Hätte es wirklich gerne zu Ende gespielt um zu sehen wie die Geschicht ausgeht. Vor allem die Kreia scheint mir sehr suspekt zu sein, macht so ein bisschen auf Verführer a´la Imperator. Na ja, werds wohl nie erfahren. Den Jedimeister in der Kristallhöhle sitzt in seinem Energiekäfig und ich kann ihn nicht befreien oder mit ihm sprechen. Ich muss wohl erst den Ladefehler nach der Videosequenz überstehen. Leider hab ich auch noch keinen Patch für das Problem für die deutsche xboxversion gefunden, wenn es sowas überhaupt gibt. Habe mich auch schon an den technical support Abteilung für die deutsche Version gewendet und gefragt, ob sie mir einen Link zu einem Patch dafür schicken können. Kam keine Antwort. Ist doch blöd; jetzt habe ich ein cooles Game (abgesehen von der Grafik) für 59 Euro gekauft und kann es nur bis zur Hälfte spielen. Da müsste ich doch mal ein Patch, ein neues Spiel oder die Hälfte des Kaufpreises zurrück bekommen. Also bei Kotor 3 guck ich mir 3 Monate nach dem Release erst mal ein paar Rezisionen und Tests an bevor ich noch mal ein Kotor spiel kaufe.
· 9. Juni 05 · 04:09
Jockel meint:
Die Stabilität des Spiel (PC) ist wirklich ein Ärgernis. Plumpe Abstürze hatte ich eigentlich nicht so viele, dafür sind mir bestimmt 4-5 Spielstände kaputt gegangen (konnten nicht mehr geladen werden). Also oft speichern und immer mal wieder neue Spielstände anlegen, nicht immer nur überschreiben. Sonst kann man locker mal ne Stunde nochmal spielen :-(

@Sven: Scheint bei dir ein ähnliches Problem zu sein, eigentlich befreit man den Jedi bevor die Söldner angreifen.

Die Lücken am Ende der Story finde ich auch sehr schade, da es bis dahin eigentlich sehr interessant ist. Wobei ich mich frage, ob man wirklich alle 10 Party-Mitglieder im Spiel unterbringen muss? Es hat ja am Ende doch nicht gereicht, aber es wurde anscheinend versucht, jedem noch ein wenig Platz einzuräumen.

Die Sache mit Visas Meister habe ich auch nicht ganz verstanden. Taucht auf einmal mit seinem Schiff auf und greift an, große Bedrohung. Also ab an Bord und ihn besiegt. Schön und gut, aber alles ohne viel Hintergrund oder seine Motivation genauer zu erklären. Und weiter ging es mit "eigentlichen" Story.

Die Sache mit den beiden Droiden würde mich auch noch interessieren. Aber ganz durch bin ich noch nicht, vielleicht kommt da noch eine Auflösung.

Der 2. Teil des Endkampfes bereitet mir noch Probleme, aber das wir schon noch.
· 15. Juni 05 · 17:04
Jockel meint:
Kurzer Nachtrag, bin mit dem Spiel nun fertig. Story hat eigentlich immer noch so viele Lücken wie vorher. Wirklich eine Schande, bei dem Potential.

Im Forum bei Obsidian finden sich noch ein paar Auflösungen bzw. Hinweise, was aus dem Spiel gelöscht wurde.

Spitzenleistung von LucasArts kann man da nur sagen, denn dass die Leute von Obsidian es eigentlich können, zeigt ja die erste Hälfte vom Spiel.
· 16. Juni 05 · 23:26
chris [d-frag.de] meint:
Ja. Wir werden sehen, was das TSL-Restoration-Project bringen wird. Das ist ein Fan-Projekt, das versucht, so viel wie möglich des gekürzten Contents wiederherzustellen. Das geht deshalb, weil sich erstaunlich viel des eigentlich gestrichenen Materials noch in den Dateien des ausgelieferten Spiels befindet, natürlich in unfertigem Zustand.

Den im Artikel angekündigten Patch für die Musik gibts übrigens immer noch nicht.
· 17. Juni 05 · 00:52

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